Wettingen
So verändert sich das grösste Dorf im Aargau: Diese Bauprojekte werden für mehr Einwohnerinnen und Einwohner sorgen

In Wettingen wird fleissig geplant und gebaut — grössere Überbauungen auf dem Bahnhofareal, beim Klosterbrühl und auch beim Autocenter Baschnagel werden zum Bevölkerungswachstum beitragen. Ein nicht abschliessender Überblick, was in der Gemeinde entsteht und wie weit die Bauprojekte sind.

Claudia Laube
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Laut kantonalen Prognosen soll die Wettinger Bevölkerung bis ins Jahr 2035 um rund 5000 Einwohnerinnen und Einwohnern wachsen. Heute leben im grössten Aargauer Dorf etwas mehr als 21'000 Personen.

Die rege Bautätigkeit im Dorf fördert das Wachstum. Manche der hier vorgestellten Bauprojekte sind bereits fortgeschritten, bei anderen wird es noch mehrere Jahre dauern, bis wirklich mit dem Bau losgelegt werden kann – unter anderem auch, weil sie einer Gestaltungsplanpflicht unterliegen.

1. Bei früherer Gärtnerei entsteht der Florapark

Bei der Überbauung Florapark an der Seminarstrasse 77 sind für 23 Millionen Franken zwei Mehrfamilienhäuser mit 16 Wohneinheiten im Bau. Früher stand hier die Gärtnerei Widmer. Die Online-Zeitung «Wettiger Nochrichte» spekulierte kürzlich über einen Baustopp. Die Arbeiten seien aber freiwillig eingestellt worden, weil Korrekturen bei einem Block vorgenommen werden mussten. Mitte März wurde deshalb ein Änderungsgesuch eingegeben.

2. Bau von 27 Wohnungen steht an der Lägernstrasse in den Startlöchern

Nicht weit vom Florapark entfernt werden drei Mehrfamilienhäuser mit insgesamt 27 Wohnungen entstehen. Das Grundstück befindet sich im Altenburg-Quartier, in der Nähe des Bahnhofs. Der Wohnungsmix setze sich aus 3,5- bis 5,5-Zimmer-Wohnungen zusammen und jede verfüge über einen grosszügigen gedeckten Sitzplatz, wie der Website der Wettinger KMP Architektur AG zu entnehmen ist, die das Projekt betreut.

Ein Abbruchgesuch für «Wohn- und Wirtschaftshaus mit Nebenbauten» an Seminarstrasse 93, Lägernstrasse 2 und Schwyzerstrasse 3 lag im März 2020 auf. Die Gemeinde hat die Baubewilligung zwar vor wenigen Wochen gesprochen, sie ist aber noch nicht rechtskräftig. Die Bauherrschaft ist die Bürgler Immobilien AG.

3. Maifeld: 45 Wohnungen mit Beduftungsanlagen

Die Überbauung Maifeld an der Maistrasse kommt mit Extras wie Beduftungsanlage und Homeoffice-Räumen.

Die Überbauung Maifeld an der Maistrasse kommt mit Extras wie Beduftungsanlage und Homeoffice-Räumen.

Visualisierung: zvg

Das Baukonsortium Maiächer investiert rund 23 Millionen Franken in fünf Mehrfamilienhäuser mit insgesamt 45 2,5- bis 5,5-Zimmer-Wohnungen. «Wir erstellen eine Wohnüberbauung mit hochwertiger Klinkerfassade, nachhaltigem Energiekonzept und Extras wie Beduftungsanlage und Homeoffice-Räumen», sagt Adi Steger von Thalmann Steger Architekten AG, die den Bau betreut.

Der neuen Überbauung müssen die noch bestehenden Liegenschaften an der Mai- und Neufeldstrasse weichen. Aktuell befindet sich das Projekt im Bewilligungsprozess. Die Bauprofile wurden im November 2019 aufgestellt. Anfang Februar dieses Jahres wurde ein Änderungsgesuch eingegeben. Dieses dient dazu, dass das erste Untergeschoss nicht mehr als Vollgeschoss zählt, unter anderem, weil das Bauprojekt nun um 20 Zentimeter tiefer gesetzt ist als zuerst geplant.

4. Markanter neuer Hauptsitz für die Raiffeisenbank Lägern-Baregg

Neubau Raiffeisenbank Lägern-Baregg in Wettingen

Neubau Raiffeisenbank Lägern-Baregg in Wettingen

Visualisierung: Zvg / Aargauer Zeitung

Fast 13 Millionen Franken steckt die Raiffeisenbank Lägern-Baregg in ihren neuen Wettinger Hauptsitz. Dazu werden das heutige Bankgebäude, beim Kreisel am Ende der Alberich Zwyssig-Strasse, wie auch das danebenliegende, frühere Verkaufslädeli der Arwo-Stiftung abgerissen. Am 3. April wurde das Baugesuch für das Provisorium, das auf dem Parkplatz nahe des EWW-Elektrofachgeschäfts bei der Alberich-Zwyssigstrasse zu stehen kommt, publiziert. Ab kommendem Samstag liegt das Baugesuch für den Neubau auf.

«Im Erdgeschoss entsteht die neue Wettinger Geschäftsstelle der Raiffeisenbank, im Gebäude West ist ein kleines Café vorgesehen», erklärt Iwan Suter, Vorsitzender der Bankleitung. In den Obergeschossen seien insgesamt 14 Wohnungen mit 2 ½-, 3 ½- und 4 ½-Zimmer-Wohnungen im mittleren Preis-Segment geplant. Dem Neubau weichen auch neun Kleinstwohnungen. Der letzte Mieter sei Ende 2020 ausgezogen.

Die Raiffeisenbank kommuniziert proaktiv und hat im letzten Jahr bereits eine Publireportage zur neuen Überbauung veröffentlichen lassen. Auch auf der Bank-Website stehen viele Infos zum Neubau. «Wir sind es der Bevölkerung schuldig, transparent zu sein», erklärt Suter. Das heutige Gebäude sei rund 50 Jahre alt, jedoch in einem sehr schlechten Zustand. Der Neubau wird die Umgebung um den Kreisel, der Dorf-, Alberich Zwyssig- und St. Bernhardstrasse miteinander verbindet, markant verändern.

5. Beim Klosterbrühl mit rund 230 Wohnungen kann es nun weitergehen

Nach drei Jahren Stillstand kann es im Klosterbrühl – neben dem Stadion Altenburg – weitergehen. Auf dem 25'000 Quadratmeter grossen Grundstück sind für rund 100 Millionen Franken zirka 230 Neubauwohnungen geplant. Nun ist der dazu nötige Gestaltungsplan rechtskräftig. Patrick Bürgi, Präsident der Wohnbaugenossenschaft Lägern Wohnen, der Eigentümerin, freut sich sehr darüber: «Das Verwaltungsgericht hat kurz vor Weihnachten in unserem Sinne ein Urteil gefällt. Die Beschwerdeführer haben dieses nicht weitergezogen», zeigt sich Bürgi erleichtert.

So stellte sich die Baugenossenschaft Lägern Wohnen die neue Überbauung Klosterbrühl im Jahr 2018 vor. Nun geht sie noch einmal über das Bauprojekt.

So stellte sich die Baugenossenschaft Lägern Wohnen die neue Überbauung Klosterbrühl im Jahr 2018 vor. Nun geht sie noch einmal über das Bauprojekt.

Visualisierung: zvg

Nach dieser langen Zeit müsse nun aber das gesamte Projekt nochmals kritisch überdacht werden: «Die Eckpunkte und Rahmenbedingungen sind natürlich klar, das konkrete Bauprojekt müssen wir aber sicherlich noch einmal kritisch überprüfen. Entspricht es noch den heutigen Bedürfnissen? Stimmt der Wohnungsmix?», führt Bürgi aus. Es seien einige Jahre vergangen und die Bedürfnisse von Mieterinnen und Mietern hätten sich verändert.

Die Überbauung Klosterbrühl mit heute 127 Wohnungen ist die grösste Siedlung im Besitz von Lägern Wohnen. 2015 hatte man noch mit einem Baustart Ende Sommer 2017 gerechnet, diesen etwas später auf Anfang 2019 erhofft. Nun, Anfang 2021, wird erst einmal die Projektorganisation wieder hochgefahren und das nächste Ziel, das Baugesuch, anvisiert.

6. Beim Häfliger-Areal steht das Baugesuch bevor

Die frühere Druckerei Häfliger wurde im Oktober 2014 abgerissen. Seither steht das dortige Areal leer.

Die frühere Druckerei Häfliger wurde im Oktober 2014 abgerissen. Seither steht das dortige Areal leer.

Chris Iseli (Archiv/3.10.2014)

Beim Häfliger-Areal an der Kreuzung Land- und Staffelstrasse klafft schon länger ein Loch. 2014 wurde die Druckerei abgerissen, die dem Areal den Namen gab. Damals war die Verkehrserschliessung der grosse Knackpunkt. Der Kanton wollte keine direkte Zufahrt von der Landstrasse – einer Kantonsstrasse – her, weshalb der damalige Gemeinderat im Juni 2012 über das Häfliger-Areal und mehrere Nachbargrundstücke eine auf fünf Jahre beschränkte Planungszone verfügt hatte. Der Anschluss soll über die Staffelstrasse führen.

An der Staffelstrasse 62 steht heute noch eine Filiale der Post. Die Schweizerische Post hatte im November 2019 angekündigt, diese Filiale auf Dauer zu schliessen. Als Eigentümerin des Areals, auf dem sich die Post befindet und auf dem sich die Druckerei früher einmal befand, ist zwar die Immojar 1 AG mit Sitz in Würenlingen eingetragen, Auskunft gibt aber die Rimaplan AG. Das Immobilienunternehmen teilt mit, dass man sich im Baueingabeprozess befindet, also das Baugesuch vorbereitet wird. Geplant sind Miet- und/oder Eigentumswohnungen mit einem Anteil Gewerbeflächen. Wie viele Wohnungen es werden, wurde nicht mitgeteilt.

Das Areal hatte bis 2014 mehrmals den Besitzer gewechselt und jeder ein Projekt für Wohn- und Gewerbehäuser erarbeitet. 2012 hatte ein Wettinger Architekturbüro im Auftrag eines ausländischen Investors eine Modell-Überbauung mit zwei Gebäuden (siehe Bild unten) präsentiert. Das Kleinere an der Landstrasse, das Grössere dahinter. Als 2014 die Rimaplan übernahm, erklärte das Immobilienunternehmen, auf diesem Projekt aufbauen zu wollen. Eine Visualisierung ist unter Projekte auf der Website der Firma zu finden.

Das Bauprojekt auf dem Häfliger-Areal im Modellbau aus dem Jahr 2012. Dieses wurde noch im Auftrag eines früheren Investors ausgearbeitet, die Rimaplan AG hatte bei der Übernahme des Grundstücks aber erklärt, auf diesem Projekt aufzubauen. Seither sind aber viele Jahre ins Land gezogen.

Das Bauprojekt auf dem Häfliger-Areal im Modellbau aus dem Jahr 2012. Dieses wurde noch im Auftrag eines früheren Investors ausgearbeitet, die Rimaplan AG hatte bei der Übernahme des Grundstücks aber erklärt, auf diesem Projekt aufzubauen. Seither sind aber viele Jahre ins Land gezogen.

Dieter Minder

7. Gestaltungsplan für Bahnhofareal steckt noch fest

Beim Wettinger Bahnhofareal wird auf 35'000 Quadratmetern ein durchmischtes Wohn- und Gewerbequartier entstehen; zwischen Gleisanlagen, Güter- und Seminarstrasse. Geplant sind Wohnungen für 800 bis 1000 neue Einwohnerinnen und Einwohner wie auch ein Kindergarten. 10'000 Quadratmeter sind für das Gewerbe reserviert: für diverse Dienstleistungen, kleinere Shops, Gastronomie oder anderes Kleingewerbe.

Zu den Grundeigentümern des Areals gehören unter anderem die SBB Immobilien und die Post, die in den letzten Jahren gemeinsam mit der Gemeinde am neuen Gesicht beim Bahnhof gearbeitet haben. Während die für das Projekt nötige Teiländerung der Bau- und Nutzungsordnung inzwischen rechtskräftig ist, ist der Gestaltungsplan Bahnhofareal wegen einer Beschwerde noch beim Kanton hängig. Die Teiländerung wurde vom Einwohnerrat und der Gestaltungsplan vom Gemeinderat im September 2020 beschlossen.

«Solange keine Rechtssicherheit herrscht, kann es aber nicht weitergehen», sagt Gemeindeammann Roland Kuster. Erst wenn der Gestaltungsplan unter Dach und Fach ist, können die ersten Bauprojekte aufgegleist werden. Je nach dem könne es noch gut und gerne drei bis sieben Jahre dauern, bis die ersten Bagger auffahren.

8. Bis zu 200 Wohnungen beim Areal Baschnagel

Markant verändern wird sich in den nächsten Jahren das Bild beim Autocenter Baschnagel an der Landstrasse 151. Aktuell befindet sich das Areal Langäcker im Gestaltungsplanverfahren, erklärt die Bauherrschaft, die ACB Immobilien AG. Dort sollen dereinst 160 bis 200 Wohnungen und rund 1500 Quadratmeter Verkaufsfläche für das Autocenter entstehen. In den nächsten Jahren soll Baustart sein, konkretere Angaben können noch keine gemacht werden.

9. Alter Standort des Alterszentrums St. Bernhard weicht Wohnüberbauung

Hier wird auf 8500 Quadratmetern eine Wohnüberbauung entstehen. Die alten Gebäude werden rückgebaut.

Hier wird auf 8500 Quadratmetern eine Wohnüberbauung entstehen. Die alten Gebäude werden rückgebaut.

Sandra Ardizzone (15. Januar 2020)

Die Gebäude beim jetzigen Standort des Alterszentrums St. Bernhard, das im Frühling 2022 in den bis dann fertiggestellten Neubau im Langäckerquartier umzieht, werden einer Wohnüberbauung weichen. Gekauft hat das Grundstück im Juni 2019 eine Investorengemeinschaft, bestehend aus Gesellschaften der Wettinger KMP AG und der Badener Wetter Immobilien AG.

Auf den rund 8500 Quadratmetern entstehen etwa 26 Wohnungen, erklärt Philip Doka von Wetter Immobilien. «Aktuell sind wir im Gestaltungsplanverfahren. Die Vorstellung vor der Gemeinde ist für April vorgesehen.» Zum Verfahren gehören zu einem späteren Zeitpunkt auch eine öffentliche Mitwirkung und am Ende die Genehmigung durch den Kanton. Wie beim Klosterbrühl kann sich das im schlechtesten Fall über Jahre hinausziehen. Die Investoren hoffen aber darauf, dass die Wohnüberbauung an der Rebbergstrasse per Ende 2025 parat steht.

10. Das Areal der Gärtnerei Lägere Blueme und Pflanze steht länger leer

Das Ehepaar Walter-Angst gründete die Gärtnerei 1939. Im Mai oder Juni sollen hier die Gewächshäuser abgerissen werden.

Das Ehepaar Walter-Angst gründete die Gärtnerei 1939. Im Mai oder Juni sollen hier die Gewächshäuser abgerissen werden.

Sandra Ardizzone

Auf dem über 14'000 Quadratmeter grossen Areal der früheren Gärtnerei Lägere Blueme und Pflanze an der Schartenstrasse 149 in Wettingen – auf einer Fläche von rund zwei Fussballfeldern – soll künftig ebenfalls eine Wohnüberbauung stehen. Anfang März lag ein Baugesuch der neuen Grundstück-Eigentümerin Suva Immobilien auf. Erst einmal geht es aber nur darum, die Gewächshäuser rückzubauen – aus Sicherheitsgründen und um Vandalismus zu vermeiden. Sie sollen im Mai oder Juni abgerissen werden.

Stehen bleibt vorerst das Gebäude, in dem der Blumenladen noch immer aktiv ist, und es die nächsten Jahre wohl auch bleiben wird. Die Fläche bei den Gewächshäusern wird länger leer stehen. «Vorgesehen ist ein Gestaltungsplanverfahren mit anschliessender Baueingabe», sagte Mediensprecherin Simone Isermann kürzlich zu dieser Zeitung. Damit wird aber frühestens Anfang 2023 gerechnet. Das Projekt ist erst in der Entwicklungsphase, was mehrere Jahre beanspruchen wird.

Der Blumenladen bleibt die nächsten Jahre noch bestehen. Aber auch er wird verschwinden müssen, um der Wohnüberbauung Platz zu machen.

Der Blumenladen bleibt die nächsten Jahre noch bestehen. Aber auch er wird verschwinden müssen, um der Wohnüberbauung Platz zu machen.

Sandra Ardizzone