Wettingen
SVP und SP duellieren sich: Kampf um das Amt des Vizeammanns

Der amtierende Vizeammann Markus Maibach (SP) erhält mit SVP-Einwohnerrat Markus Bader an den Wahlen vom 26. September Konkurrenz. Während Bader den Wählerinnen und Wählern eine Alternative bieten will, möchte Maibach seine begonnene Arbeit gerne fortsetzen.

Claudia Laube
Drucken
Teilen
Wird an den Wahlen am 26. September der Status Quo beibehalten oder wird sich im Gemeinderat ein Wandel vollziehen?

Wird an den Wahlen am 26. September der Status Quo beibehalten oder wird sich im Gemeinderat ein Wandel vollziehen?

Bild: Severin Bigler

Nicht nur das Amt des Wettinger Gemeindeammanns ist an den Erneuerungswahlen vom 26. September umkämpft, sondern auch das des Vizeammanns. Seit dieser Legislaturperiode bekleidet Markus Maibach (SP) das Amt. Vor vier Jahren wurde er im zweiten Wahlgang gewählt, nachdem er im ersten Wahlgang gegen Konkurrent und Gemeinderatskollege Martin Egloff (FDP) nicht das absolute Mehr erreicht hatte.

Vizeammann Markus Maibach engagiert sich seit über 20 Jahren politisch für Wettingen.

Vizeammann Markus Maibach engagiert sich seit über 20 Jahren politisch für Wettingen.

Bild: zvg

Nun sieht sich der 62-Jährige erneut einem Widersacher gegenüber. Mit Markus Bader kandidiert ein erfahrener Einwohnerrat der SVP. Der 56-Jährige gehört seit 14 Jahren dem Parlament an. Genauso lange sass auch Maibach im Einwohnerrat, bevor er 2013 in die Exekutive gewählt wurde.

Noch vor seiner Wahl zum Vizeammann hatte Maibach 2017 das Ressort Finanzen übernommen. Eines, das bis dahin stets dem Gemeindeammann zugeteilt war und in Wettingen zu den brisantesten und komplexesten Themen gehört. Es ist aber auch nach vier bewegten Jahren immer noch ein Ressort, das Maibach mit Leidenschaft vertritt. «Mein Ziel war von Beginn weg, hier eine sachliche Diskussion zu führen», sagt er. Das habe zu Beginn auch gut geklappt, doch dann sei die Schuldendiskussion aufgekommen:

«Das Thema ist inzwischen
stark politisiert.»

Gerne möchte er die Diskussion in einer weiteren Amtsperiode wieder auf eine sachliche Ebene führen und in die gesamte Finanzplanung mehr Beständigkeit und Transparenz bringen.

Als Ökonom und Organisationsentwickler setzt sich der dreifache Vater und frischgebackene Grossvater beruflich seit über 35 Jahren als Politikberater für ein Zürcher Büro für eine «nachhaltige und umweltverträgliche Verkehrspolitik» ein. Den Sitz in der Geschäftsleitung der Firma gab er nach der Wahl zum Vizeammann ab. Beides zusammen ging nicht: «Meine jetzige Tätigkeit als Projektleiter ist sehr flexibel und gut vereinbar mit dem Vizeammann-Amt.»

Als solcher vertritt er Roland Kuster, wenn dieser nicht verfügbar ist. In einzelnen Fällen müsse er auch übernehmen, wenn der Gemeindeammann befangen sein könnte und es dann eine «neutrale Person mit Moderationskompetenz» benötige. Man müsse ein sattelfester Projektmanager sein und gut, gerne und viel kommunizieren. Auch sei der Vizeammann ein wichtiger Repräsentant der Gemeinde bei Anlässen in und um Wettingen. Dafür müsse man gerne netzwerken und ein Gespür für Menschen haben. «All das sind Eigenschaften, die ich mitbringe und dank meiner politischen Erfahrung weiterentwickelt habe.»

Maibach sieht sich nicht als klassischen Politiker. So ist das höchste Amt in Wettingen kein Ziel für ihn: «Die Funktion als Vizeammann passt ideal zu meiner Persönlichkeit», bekräftigt er. Auch seine Unabhängigkeit, also nicht geschäftlich in Wettingen verbandelt zu sein, hält er für perfekt in dieser Rolle. Der in Kloten aufgewachsene Maibach ist als einziger im Gemeinderat ein Hinzugezogener.

Markus Bader ist seit 14 Jahren für die SVP im Einwohnerrat. Er will nun die Seite wechseln.

Markus Bader ist seit 14 Jahren für die SVP im Einwohnerrat. Er will nun die Seite wechseln.

Bild: zvg

Bader stellt sich klar gegen die Limmattalbahn

Ein solcher wäre auch der in Basel aufgewachsene Markus Bader. Der Telematik-Teamleiter kam 1996 der Liebe wegen nach Wettingen und trat für eine rasche Integration in die Feuerwehr ein, wo sozusagen seine politische Laufbahn startete. Unter der Woche pendelt der langjährige Einwohnerrat zwischen Wettingen und seinem Arbeitgeber in Kaiseraugst.

Der vierfache Familienvater sagt zwar von sich, nicht gerne im Rampenlicht zu stehen, er sei aber auch keiner, der sich versteckt. Er beschreibt sich als offen, ehrlich und direkt: «Ich sehe mich als Teamplayer, bin umgänglich und kompromissbereit», sagt er. Auch sei er kein SVP-Hardliner und könne problemlos auch einmal eine konträre Einstellung vertreten. Dennoch ist es ihm wichtig, seine Partei im Rücken zu wissen, deren allgemeine Stossrichtung ihm voll und ganz entspricht.

Bader strebt eher nicht das Ressort Finanzen an, dieses gehört für ihn in die Hände des Gemeindeammanns. Ihm liegen die Themen Hoch- und Tiefbau sowie Schulentwicklung besonders am Herzen.

«Wettingen hat grosse Aufgaben vor sich, Schul- und Raumplanung werden mehr Platz einnehmen. Hier würde ich mich gerne einbringen.»

Ausserdem spricht er sich klar gegen eine mögliche Weiterführung der Limmattalbahn aus: «Vielleicht liegt das daran, dass ich in Basel aufgewachsen bin und die Trämli dort nur zu gut kenne», sagt er lachend. Nebst dass dafür Agrarland vernichtet werden müsste, gebe es einfach auch eine Schneise durch Wettingen. «Es sind noch viele Fragen offen und ich würde es begrüssen, wenn man bald schon die Meinung der Bevölkerung dazu abholt.»

Mit seiner Kandidatur will Bader den Stimmbürgern eine Alternative zum Status Quo bieten. Für ihn ist es aber in erster Linie wichtig, dass die SVP als zweitgrösste Partei Wettingens nach vier Jahren wieder in der Exekutive vertreten sein wird: «Die Wahl zum Vizeammann wäre das Sahnehäubchen.»

Aktuelle Nachrichten