Wettingen
«Wir wollen sicher niemanden erpressen»: Warum der Schulraum-Kreditantrag kurzfristig erfolgte

An der Parlamentssitzung ärgerten sich die Fraktionen über die kurze Vorlaufzeit des 1,3 Millionen-Kredits für ein Container-Provisorium beim Bezirksschulhaus Wettingen. Was Bauvorsteher Martin Egloff und Bildungsvorsteher Sandro Sozzi dazu sagten.

Claudia Laube
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Bereits auf das Schuljahr 2022/23 soll bei der Bezirksschule Wettingen ein Erweiterungsbau bezugsbereit sein. Bis dahin wird ein Container für mehr Schulraum sorgen.

Bereits auf das Schuljahr 2022/23 soll bei der Bezirksschule Wettingen ein Erweiterungsbau bezugsbereit sein. Bis dahin wird ein Container für mehr Schulraum sorgen.

cla

«Hau-Ruck-Übung», «ungenügender Vorlauf» oder «schon wieder mit einer Schulvorlage erpresst»: So lauteten die Vorwürfe der Fraktionen an die Adresse des Wettinger Gemeinderats, als sich letzte Woche die Diskussion im Parlament um den 1,3 Millionen Franken-Kredit für ein einjähriges Container-Provisorium bei der Bezirksschule drehte.

Dieses wird kurzfristig nötig, weil Wettingen auf das neue Schuljahr 2021/22 mit mehr Bezirksschülerinnen und -schülern rechnet als die Schulraumplanung 2019 vorsah. 31 Einwohnerrätinnen und -räte sagten zwar Ja und niemand stimmte dagegen, 18 enthielten sich jedoch ihrer Stimme.

Der Wettinger Gemeinderat und Bauvorsteher Martin Egloff

Der Wettinger Gemeinderat und Bauvorsteher Martin Egloff

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«Wir wollen sicher niemanden erpressen», sagt Bauvorsteher Martin Egloff (FDP). 2019 sei ein Auftrag für die Erarbeitung eines Projektwettbewerbs für das Gelände der Bezirksschule erteilt worden. Eine Machbarkeitsstudie habe sechs verschiedene Varianten umfasst, die detailliert angeschaut worden seien. «Das hätte in einem Architekturwettbewerb gegipfelt und wäre 2026 fertig geworden. Wir würden hier in diesem Fall nicht über ein Jahr Provisorium sprechen, sondern über fünf», sagte Egloff an der Einwohnerratssitzung.

«Im Juni 2020 haben wir die Reissleine gezogen. Wir haben einen Sparauftrag und diese Varianten waren extrem kostspielig.»

Deshalb wurden andere Varianten wie die Modulbauweise geprüft. Ein in dieser Art erstellter Anbau soll nun ab dem Schuljahr 2022/23 bei der Bezirksschule bezugsbereit sein, um längerfristig mehr Schulraum zu schaffen. Der Kredit zum Erweiterungsbau wird dem Parlament im Juni vorgelegt.

Am sportlichen Zeitplan für diesen Neubau zweifeln manche im Einwohnerrat. «Wir haben einen Terminplan eines Lieferanten von Modulbauten erhalten», erklärte Egloff. Ab Bestellung sei es möglich, in acht Monaten Schulräume in Modulbauweise bereitzustellen. Und auch wenn Egloff überzeugt ist, den Bau zeitlich zu schaffen, ergänzte er: «Den Vorschlag der CVP auf eine Verlängerung des Provisoriums auf zwei Jahre nehmen wir gerne entgegen.» Das wären 80 000 Franken für zehn Monate mehr.

Bis der Erweiterungsbau steht, wird das Schulraum-Problem nun mit dem Container-Provisorium auf dem Basketballplatz behoben, dem der Einwohnerrat am Donnerstagabend widerwillig grünes Licht gab. Das Baugesuch dafür soll bald aufliegen.

Bezirksschülerinnen und -schüler sollten nicht in Baden zur Schule müssen

An der Parlamentssitzung äusserte sich auch Bildungsvorsteher Sandro Sozzi (CVP) zu den Vorwürfen: «In der Planung 2019 steht ganz klar, dass wir auf das kommende Schuljahr 21/22 zusätzlichen Schulraum brauchen. Das war also keine totale Überraschung.» Rückblickend wurde aber festgestellt, dass man bei der Planung im Bezirksschul-Areal um rund ein Klassenzimmer danebengelegen sei. Das sei ärgerlich, dem Fehler werde nun aber während der Aktualisierung der Schulraumplanung auf den Grund gegangen. Diese sei nötig, um belastbare Zahlen zu haben. «Wenn wir den Kredit für den Erweiterungsbau jetzt schon vorlegen, hätten wir als Basis die 2019er Zahlen nehmen müssen und das wäre zu unsicher gewesen.»

Gemeinderat und Bildungsvorsteher Sandro Sozzi

Gemeinderat und Bildungsvorsteher Sandro Sozzi



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Er äusserte sich auch zur Frage der SVP, warum man nicht das Gespräch mit der Badener Schule gesucht habe, für eine befristete Auslagerung der Schülerinnen und Schüler. Sozzi räumte ein, das nicht getan zu haben, nicht nur, weil Baden die Kapazitäten für rund 120 Schülerinnen und Schüler mehr nicht habe, sondern vor allem aus logistischen Gründen:

«Stellen Sie sich vor, Sie müssten einem Teil der Wettinger Schüler mitteilen, sie müssen jetzt ein Jahr nach Baden in die Schule», das sei organisatorisch, administrativ und kommunikativ eine grössere Geschichte.

«Das wollten wir den Wettinger Schülern schlichtweg nicht antun.»

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