Wettingen
Erfolgreicher Einstand für neuen künstlerischen Leiter: Zwei junge Ausnahmekünstler sorgen für Höhepunkt

Der 72. Zyklus der Wettinger Kammerkonzerte wurde am Sonntag mit einem Konzert des Cellisten Christoph Croisé und des Pianisten Albert Cano Smit eröffnet.

Elisabeth Feller
Drucken
Teilen
Cellist Christoph Croisé und Pianist Albert Cano Smit ziehen das Publikum im Margeläcker-Saal in Bann.

Cellist Christoph Croisé und Pianist Albert Cano Smit ziehen das Publikum im Margeläcker-Saal in Bann.

zvg

Der Margeläcker-Saal praktisch voll; das Programm von einer Üppigkeit, die man sich nur so erklären kann: Künstler, Publikum und Organisatoren sind nach einer Zeit gerade den Kulturbereich massiv einschränkender Coronamassnahmen ausgehungert nach Musik. Also darf es für einmal eben mehr sein als üblich. Für Ivo Haag, den neuen künstlerischen Leiter der WKK und Madlen Donadio, die neue Präsidentin des WKK-Vereins, ist der Auftakt in die 72. Saison der Wettinger Kammerkonzerte (WKK) jedenfalls geglückt.

Binsenwahrheit: Künstlerinnen und Künstler sind auf die feinen Schwingungen, die sie vom Publikum im Konzert erreichen, angewiesen. Fehlen diese wie in den vergangenen Monaten, entfällt das Wichtigste. In Wettingen mangelt es an Schwingungen zwischen dem Publikum und dem Cellisten Christoph Croisé sowie dem Pianisten Albert Cano Smit aber nicht. Dergestalt beflügelt, stürzt sich das Duo in ein Programm, das mit Werken von Robert Schumann, Richard Strauss, Pjotr Iljitsch Tschaikowsky, Gabriel Fauré und Frédéric Chopin ein überwiegend romantisches ist.

Einzige Ausnahme: Die Sonate «4 Cities» des Zeitgenossen Fazil Say, die mit einer rhythmischen Verve sondergleichen vier türkische Städte musikalisch charakterisiert. Ein richtiger Knaller; sozusagen das Tüpfelchen auf dem i eines Programms, das zwei Musiker zeigt, denen es um konzentrierten Ausdruck, unmittelbare Lebendigkeit und poetische Erfüllung geht.

Dieses Duo ist ein Gewinn

Feinfühlig legen die beiden den schwärmerischen Geist in Schumanns Fantasiestücken op. 73 offen; aufregend spielen sie Strauss' Sonate F-Dur: ein Jugendwerk, das laut Croisé auf die Strauss-Oper «Der Rosenkavalier» verweist; spannend entwickeln sie auch Chopins Introduction et Polonaise brillante op. 3. Diese Herz-Schmerz-Musik wird bei Croisé und Smit zu einem energiegeladenen, leuchtenden und zugleich brillanten Charakterstück, in dem sich – anders als in früheren Zeiten – Violoncello und Klavier gleichberechtigt begegnen.

Ein eingespieltes Duo: Cellist Christoph Croisé und Pianist Albert Cano Smit.

Ein eingespieltes Duo: Cellist Christoph Croisé und Pianist Albert Cano Smit.

zvg

Wer Christoph Croisé zuhört und zusieht, entdeckt einen Musiker, der mit seinem Instrument regelrecht verschmilzt: natürlich, ausdrucksstark und innig zugleich. Zu Croisés variablem, zwischen kernig und weich changierendem Ton gesellt sich der schlanke von Albert Cano Smit, der auf jede Schattierung seines Partners sofort reagiert. Auch das zeigt: Dieses Duo ist ein Gewinn. Deshalb möchte man ihm bei den Wettinger Kammerkonzerten wieder begegnen.

Mehr Infos unter www.w-kk.ch.

Aktuelle Nachrichten