Wettingen/Neuenhof
In desolatem Zustand: Beliebte «Gwagglibrugg» muss saniert werden

Der Zustand der Paul-Fischer-Brücke, die Wettingen und Neuenhof gehört, sei bedenklich. Deshalb wird die wohl älteste bestehende Drahtseilbrücke der Schweiz noch dieses Jahr saniert - und soll auch gleich unter Denkmalschutz gestellt werden.

Claudia Laube
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1863 gebaut, in den 80er Jahren zum letzten Mal saniert: Die Paul-Fischer-Brücke zwischen Wettinger Klosterhalbinsel und Neuenhofs Klosterrüti.

1863 gebaut, in den 80er Jahren zum letzten Mal saniert: Die Paul-Fischer-Brücke zwischen Wettinger Klosterhalbinsel und Neuenhofs Klosterrüti.

Barbara Scherer (2017)

Die Paul-Fischer-Brücke, welche die Wettinger Klosterhalbinsel mit der Damsau auf Neuenhofer Boden verbindet, ist in einem «desolaten Zustand». Dies schreibt der Wettinger Gemeinderat in seinem neuesten Rechenschaftsbericht.

Das Ingenieurbüro Bänziger und Partner war deshalb mit der Zustandserfassung und Beurteilung beauftragt worden und kam zum Schluss, dass der Zustand der im Volksmund «Gwagglibrugg» genannten Brücke bedenklich ist. Diverse Schäden seien vorhanden und deshalb Massnahmen nötig. Saniert werden müssen die Holz- und Seilkonstruktion, sagt Gemeindeammann Roland Kuster (Die Mitte CVP Wettingen) auf Anfrage. Der Kredit dafür sei bereits im Budget 2021 enthalten. Die Kosten werden mit Neuenhof geteilt.

Die nötigen Arbeiten werden von der kantonalen Denkmalpflege und der Fachstelle für historische Verkehrswege Schweiz begleitet. Im gleichen Zusammenhang soll die Brücke auch unter kantonalen Denkmalschutz gestellt werden.

«Historisch sehr wertvoll»

Bei der «Gwagglibrugg» handelt es sich mit grosser Wahrscheinlichkeit um die älteste noch bestehende Drahtseilbrücke der Schweiz, wie im Online-Inventar der Kantonalen Denkmalpflege Aargau nachzulesen ist. «Die erdverankerte, unversteifte Hängebrücke ist in ihrer Konstruktionsweise ein spätes Beispiel der ersten Drahtbrückengeneration und deshalb als historisch sehr wertvoll einzustufen.»

Heute seien alle grösseren schweizerischen Hängebrücken verschwunden, nur der Neuenhof-Wettinger Steg, 45 Meter lang, und die 1878 erstellte «Passerelle des Neigles» in Fribourg würden noch die ursprüngliche Tragkonstruktion aufweisen.

Initiiert wurde der Brückenbau 1863 durch Johann Wild, Gründer der Wettinger Spinnerei, um den Arbeitern seines Textilunternehmens, die im Kosthaus in der Klosterrüti oder in den angrenzenden Gemeinden wohnten, den Umweg über die weiter flussaufwärts gelegene Holzbrücke zu ersparen.

Anfang der 1980er Jahre war die Brücke in so einem schlechten Zustand, dass sie vor dem Abbruch stand. Doch Paul Fischer, langjähriger Neuenhofer Gemeindeammann, hatte alle Hebel in Bewegung gesetzt, die Brücke zu erhalten. Die Gemeinden Wettingen und Neuenhof übernahmen und sanierten sie.

«Seinem beharrlich-überzeugenden Werben sowohl in Wettingen wie Neuenhof ist die Weiterexistenz des beliebten Stegs zu verdanken»,

berichtete das BT im Jahr 2005, als die Gwagglibrugg zu seinen Ehren in Paul-Fischer-Brücke umgetauft wurde. Fischer war zwei Jahre zuvor gestorben.

Seit 2005 heisst die Gwagglibrugg neu Paul-Fischer-Brücke. (17.06.2005)

Seit 2005 heisst die Gwagglibrugg neu Paul-Fischer-Brücke. (17.06.2005)

Elisabth Feller