Einwohnergemeinde
Wettingens Rechnung schliesst nur dank rigorosem Sparkurs positiv ab

Die Gemeinde Wettingen hat ihre Ausgaben deutlich reduziert. Die Rechnung 2013 schliesst dadurch mit einem Ertragsüberschuss von rund einer halben Million Franken. Obwohl die Verantwortlichen bei den Steuereinnahmen zu optimistisch budgetierten.

Dieter Minder
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Finanzverwalter Martin Frey (links) und Gemeindeammann Markus Dieth präsentieren die Gemeinderechnung 2013.

Finanzverwalter Martin Frey (links) und Gemeindeammann Markus Dieth präsentieren die Gemeinderechnung 2013.

Jiri Reinert

«Wir haben einen Verlust vermieden, und damit unser Ziel erreicht», sagt Gemeindeammann Markus Dieth bei der Präsentation der Rechnung 2013 der Einwohnergemeinde. Sie schliesst bei einem Umsatz von 108,9 Millionen Franken mit einem Ertragsüberschuss von 542 855 Franken ab.

Die Rechnung 2012 der Einwohnergemeinde schloss mit roten Zahlen. Dabei zeigte sich, so der Gemeinderat, dass der für 2013 budgetierte Nettoaufwand mit 51,7 Millionen Franken rund 5 Prozent sein dürfte. «Deshalb haben wir für das Jahr 2013 konkrete Sparmassnahmen eingeleitet», sagt Dieth.

Mit diesen konnte der Nettoaufwand 2013 um rund 6,74 Prozent auf verkraftbare 48,5 Millionen Franken reduziert werden. «Es war wichtig, dass Massnahmen ergriffen wurden, bevor das Geld ausgegeben war», sagt Finanzverwalter Martin Frey. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Verwaltung tragen mit einer Nullrunde für 2014 bei den Löhnen an die Genesung der Finanzen bei.

Steuern zu optimistisch budgetiert

2013 hat die Gemeinde 51,2 Millionen Franken Einkommens- und Vermögenssteuern eingenommen. Das entspricht einem Minderertrag gegenüber dem Budget von rund 2 Millionen Franken oder 3,7 Prozent. Dieses Steuerergebnis ist, so der Gemeinderat, im Wesentlichen auf zu hohe Vorjahreswerte und Prognosen zurück zu führen. «Wir hatten die Steuereinnahmen zu optimistisch budgetiert», sagt Dieth.

Gegenüber 2012 liegt der Steuerertrag aber immerhin rund 3,6 Millionen Franken höher. Darin ist die Steuerfusserhöhung um 3 Prozentpunkte per 2013 enthalten. «Sie brachte uns rund 1,7 Millionen Franken ein», sagt Dieth. Höher als erwartet waren auch die Erbschafts- und Schenkungssteuern sowie die Grundstückgewinnsteuern. Letztere sind ein Indiz für eine anhaltend gute Baukonjunktur in der Gemeinde.

Die Nettoinvestitionen liegen bei 7,66 Millionen Franken. Davon konnte die Gemeinde 6,1 Millionen Franken selber finanzieren. Der Eigenfinanzierungsgrad erreicht damit 79,6 Prozent. Momentan befindet sich die Gemeinde in einer Investitionsphase. Dabei fliesst sehr viel Geld in den Schulbereich: Im Margeläcker werden die Schulhäuser aufgestockt und eine Dreifachturnhalle ist geplant und das Schulhaus Zehntenhof muss durch einen Neubau ersetzt werden.

Das weitere Grossprojekt, die Sanierung des Sport- und Erholungszentrums Tägi wird politisch vorbereitet. Ende 2013 waren die Schulden der Gemeinde auf rund 29 Millionen Franken angestiegen. Dies ist auf die aus den Investitionen resultierenden Finanzierungsfehlbeträge zurück zu führen. Im Finanzplan 2013 bis 2017 waren für 2013 Schulden von 30,7 Millionen Franken prognostiziert. Dies entspricht einer Nettoschuld von 1342 Franken pro Einwohner.

Insgesamt 5 Millionen verwendete die Gemeinde für Abschreibungen. Dabei handelt es sich um 3,35 Millionen Franken vorgeschriebene Abschreibungen und 1,66 Millionen auf dem Bilanzfehlbetrag des Jahres 2012. Eine weitere Konsequenz aus der finanziellen Situation: «Für das laufende Jahr wurde eher zurückhaltend budgetiert», sagt Finanzverwalter Frey.

Gut reagiert

Ein Kommentar von Dieter Minder

Der Gemeinderat und die Verwaltung haben auf die roten Zahlen im Rechnungsjahr 2012 reagiert und dies, wie sich im Rechnungsabschluss 2013 zeigt, absolut richtig. Sie haben ein Sparprogramm lanciert und damit die Ausgaben um rund 2,3 Millionen Franken gesenkt. Deshalb kann der Gemeinderat jetzt einen positiven Rechnungsabschluss präsentieren. Alle Verwaltungsbereiche mussten ihre Ausgaben nochmals unter die Lupe nehmen und einiges streichen. Sie haben damit bewiesen, dass sie mit dem ihnen anvertrauten Steuergeld haushälterisch umgehen.

Für die Politiker ist der Fall aber auch ein deutliches Signal. Die Entscheide, die zum negativen Ergebnis 2012 führten, wurden in früheren Jahren gefällt. Die jahrelange Politik des tiefst möglichen Steuerfusses rächte sich 2012. Ein erstes Mal wurde der Steuerfuss bereits per 2013 erhöht, um 3 Prozentpunkte. Eine weitere Erhöhung auf das kommende Jahr, auf 95 Prozent, ist angesichts der Investitionen unabwendbar.

ZVG