Wettinger Einwohnerrat
Bauboom fördert Schulraum-Knappheit: Die angespannte Situation in Wettingen sorgte für Diskussionen

Noch vor fünf Jahren sah der Schulraumplanungsbericht in Wettingen keinen Handlungsbedarf bei Kindergärten und Schulen. Das hat sich inzwischen geändert - die Schülerzahlen wachsen schneller alles geplant. Der Einwohnerrat diskutierte den aktualisierten Bericht.

David Rutschmann
Merken
Drucken
Teilen
Der Einwohnerrat Wettingen tagt noch immer im Tägisaal in Wettingen - wie hier vor einem Jahr.

Der Einwohnerrat Wettingen tagt noch immer im Tägisaal in Wettingen - wie hier vor einem Jahr.

Sandra Ardizzone

Während vor fünf Jahren der erste Wettinger Schulraumplanungsbericht noch zum Ergebnis kam, dass «kurzfristig kein Handlungsbedarf besteht», wurde im aktuellen Monitoring zur Aktualisierung des Berichts ein anderes Bild gezeichnet: Die Schülerzahlen bewegen sich seit 2016 kontinuierlich eher im oberen Spektrum der Prognosen.

Das liegt nicht allein an der Siedlungsentwicklung in Wettingen. Stärker ins Gewicht fällt die erhöhte Anzahl an Bezirksschülern aus den Nachbargemeinden Würenlos und Neuenhof. Verstärkt wird der Platzbedarf durch den Lehrplan 21 – die Bezirksschule platzt bereits jetzt aus allen Nähten. Das Schulraum-Monitoring attestiert einen «dringlichen Handlungsbedarf».

Nach den Sommerferien wird ein Container bei der Bez den wachsenden Schülerzahlen Herr werden, ab 2022 soll ein Anbau Entlastung schaffen. Das Monitoring attestierte auch bei den Primarschulen und Kindergärten Handlungsbedarf. So legt der Bericht nicht nur die Schaffung von neuen Schulgebäuden und Kindergärten nahe, sondern auch die Wiedereröffnung des Kindergartens Hardmatt – dieser war erst 2020 wegen niedriger Schülerzahlen geschlossen worden.

«Experten haben sich verschätzt»

Die Ergebnisse des neusten Monitorings sorgten an der Einwohnerratssitzung vom Donnerstagabend für wenig Überraschung. Ärger herrschte dennoch. Einige Einwohnerräte fühlten sich vom Gemeinderat einmal mehr vor vollendete Tatsachen gestellt. «Die sogenannten Experten haben sich völlig verschätzt», befand zum Beispiel Orun Palit (GLP).

Die Mitte-Einwohnerrätin Lara Rüfenacht sagte:

«Wir hätten früher reagieren müssen.»
Lara Rüfenacht an der Einwohnerratssitzung vom 28. Januar.

Lara Rüfenacht an der Einwohnerratssitzung vom 28. Januar.

Rahel Bühler/Limmatwelle

Sie rechnete vor, wie der derzeitige Bau-Boom in Würenlos schon in einigen Jahren eine ganze Klasse mehr an der Bezirksschule in Wettingen bedeuten könnte. Auch in Wettingen würde die «rege Bautätigkeit den Platzbedarf noch verschärfen», merkte Gabriela Keller (FDP) an.

Dennoch nahmen alle Fraktionen den Bericht vorbehaltlos zur Kenntnis. An den Fakten, dass der Schulraum knapp wird, liess sich schliesslich nicht rütteln. «Wir erwarten jetzt mutige Vorlagen mit genügend Vorlaufzeit», mahnte SP-Einwohnerrat Alain Burger an.

Eine entsprechende Vision brachte die SVP-Fraktion ein: Die Bezirksschule abzureissen und durch ein Oberstufenzentrum zu ersetzen. Dann könnten die Primarschulen den frei werdenden Platz nutzen, während alle Oberstufen-Schüler in dasselbe Gebäude pendeln müssten – «aus unserer Sicht ist das für Oberstufen-Schüler zumutbar», sagte Einwohnerrätin Sylvia Scherer. Die umliegenden Gemeinden hätten das Prinzip Oberstufenzentrum bereits erfolgreich umgesetzt.

Die Idee bezeichnete Bildungsvorsteher Sandro Sozzi (Die Mitte) als «spannenden Input». Er stellte nicht nur einen baldigen Kreditantrag für die Bez-Erweiterung in Aussicht, sondern versprach auch, bis kommendes Frühjahr eine Machbarkeitsstudie zu präsentieren, welche die Entwicklungsmöglichkeiten des Schulraums evaluiert. Darin soll geklärt werden, wie neuer Raum für die Schulen geschaffen werden kann – etwa durch die Erweiterung der Schulkreise oder durch einen neuen Schulstandort.

«Eingangsbereich so teuer wie eine Einbauküche»

Weiter wurde im Einwohnerrat der 350'000-Franken-Kredit zur Sanierung des Altbaus an der Schartenstrasse 42 genehmigt. Finanziell schmerzlicher war für einige dennoch der halb so teure Kredit von 180'000 Franken zur Digitalisierung des Ausleih-Systems der Bibliothek Wettingen. Man konnte bei manchen Einwohnerräten den Eindruck erhalten, dass da eine protzige Luxus-Bibliothek entstehen soll. «Der Empfangsbereich wird so teuer wie eine Einbauküche», hiess es von Seiten der SVP. Die Fraktion stellte den Antrag, zumindest die für «Unvorgesehenes» eingeplanten 9000 Franken zu streichen.

Bis auf die GLP fanden sich für den Antrag allerdings keine Unterstützer. Beide Fraktionen enthielten sich grossmehrheitlich bei der Schlussabstimmung, die mit 33 Ja- zu 11 Nein- Stimmen ausging.