Sonnenblick
Wettinger Gemeinderat will Land des «Sonnenblicks» kaufen

Was soll aus dem Grundstück der ehemaligen Klinik Sonnenblick werden? Der Wettinger Gemeinderat will das Land kaufen, ein Partner soll die Liegenschaft erwerben.

Martin Rupf
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Ende Mai 2010 ging die Klinik Sonnenblick in Konkurs, nun will die Gemeinde das Land kaufen. martin rupf

Ende Mai 2010 ging die Klinik Sonnenblick in Konkurs, nun will die Gemeinde das Land kaufen. martin rupf

Solothurner Zeitung

Seit der Sonnenblick vor einem Jahr in Konkurs gehen musste, war es um die ehemalige Klinik ruhig geworden. Nun kommt Bewegung ins Spiel. Wie dem Bericht des Gemeinderates zum Postulat von Martin Egloff zu entnehmen ist, beabsichtigt der Gemeinderat, das Sonnenblick-Land zu kaufen.

Der Reihe nach: Der Wettinger Einwohnerrat Martin Egloff (FDP) und der Badener Einwohnerrat Peter Heer (FDP) hatten sich im letzten Sommer für eine regionale Lösung des ehemaligen Sonnenblicks stark gemacht. Sie forderten die Exekutive auf, zu prüfen, ob die Immobilien der Klinik Sonnenblick für Langzeitpflegedienstleistungen geeignet sei. Falls ja, sei zu prüfen, welche Anstrengungen zum Erwerb des Sonnenblicks durch die Gemeinde Wettingen gemeinsam mit der Stadt Baden zu unternehmen seien.

17000 Quadratmeter an bester Lage

Der Gemeinderat hat immer festgehalten, dass für ihn der Kauf des Sonnenblicks aus dem Konkursverfahren nicht infrage kommt. Das Gebäude sei zwar sehr gut erhalten, doch liege es sehr isoliert und sei mit öffentlichen Verkehrsmitteln sehr schlecht erschlossen. Kurz: Die Lage der Klinik sei gerade für Menschen ab 60 Jahren, die noch über eine gewisse Mobilität verfügen und die auch noch soziale Beziehungen pflegen, ungünstig.

Wenige Tage vor der Einwohnerratssitzung am Donnerstagabend hat sich die Ausgangslage dahingehend verändert, als die Hauptgläubigerin verschiedene Partner eingeladen hat, im Rahmen eines Freihandverkaufes Offerten einzureichen. «Auch wir wurden mit einer Verkaufsdokumentation bedient», sagt Gemeindeammann Markus Dieth.

Der Gemeinderat habe nicht lange gezögert, und sich entschieden, den Kauf des Grundstückes zu realisieren. «Bei einem Erwerb besteht für die Gemeinde die Möglichkeit, an bester Lage ein Grundstück von rund 17000 Quadratmetern für die zukünftige Entwicklung zu sichern und bei dieser Entwicklung wesentlich mitzuwirken», so Dieth. Verpasse die Gemeinde diese Chance, könnten allenfalls Nutzungen Einzug halten, die von der Gemeinde nicht als sinnvoll erachtet würden.

Kooperationen werden geprüft

Der Richtpreis für Land, Gebäude und Inventar liegt bei 7 Millionen Franken. Für das Grundstück müsste die Gemeinde zwischen 3 bis 4 Millionen Franken bezahlen. Der Gemeinderat will nun zusammen mit privaten Investoren, welche die Liegenschaft erwerben wollen, ein gemeinsames Kaufangebot prüfen.

Zwar sei der Gemeinderat immer noch der Auffassung, dass die Lage des ehemaligen Sonnenblicks für eine klassische Pflegeinstitution ungeeignet ist. Denkbar wäre aber eine Kooperation beispielsweise mit dem Regionalen Pflegezentrum Baden (RPB). «Im Haus Sonnenblick könnten etwa schwer pflegebedürftige Patienten, Beatmungspatienten oder Patienten der Akut- und Übergangspflege untergebracht werden», sagt Dieth. «Es sind aber auch andere Projekte wie etwa ein Hospiz denkbar», fügt Gemeinderätin Yvonne Feri an.

Unterstützung vom Einwohnerrat

Postulant Martin Egloff zeigte sich in der Ratsdebatte zufrieden mit der Antwort des Gemeinderates, regte aber an, sein Postulat noch nicht abzuschreiben. Auch Markus Maibach (SP) hält das Vorgehen für richtig. Aber: «Mir scheint, der Gemeinderat weiss noch nicht so genau was er will.» Es sei sicher nicht Aufgabe der Gemeinde, für einen privaten Investor Steigbügelhalter zu spielen.

Pius Benz (SVP) ergänzte: «Die SVP unterstützt den Landkauf. Wir verbinden damit aber die Hoffnung, dass Arbeitsplätze für Menschen aus der Region geschaffen werden.» Patrick Bürgi (CVP) fügte hinzu: «Wir stehen geschlossen hinter dem Gemeinderat.» Der Wert der Immobilie stünde nicht zur Diskussion, weshalb es sinnvoll sei, wenn die Gemeinde das Grundstück erwerben würde.

Mahnende Worte fand Marie-Louise Reinert (EVP): «Ich hoffe, die Gemeinde lässt sich bei den Verhandlungen nicht über den Tisch ziehen.»