Baden

Wettinger Schülen holen den New Yorker Broadway nach Baden

Das Orchester, die Big Band und der Chor der Kantonsschule Wettingen auf der Bühne: Beim Dirigenten Cristoforo Spagnuolo (vorne) laufen die Fäden zusammen. Annika Bütschi

Das Orchester, die Big Band und der Chor der Kantonsschule Wettingen auf der Bühne: Beim Dirigenten Cristoforo Spagnuolo (vorne) laufen die Fäden zusammen. Annika Bütschi

Cristoforo Spagnuolo hebt den Taktstock – dann rauscht es nur so in der Ouvertüre zu George Gershwins «Crazy for you» (nach seinem Musical «Girl Crazy») gewaltig. Es knistert förmlich im Kurtheater Baden – und das auch die nächsten beiden Stunden.

Die Musik des 1937 mit 38 Jahren verstorbenen amerikanischen Komponisten George Gershwin fesselt bei jeder Begegnung. Sie hat Tiefgang, kommt aber unvergleichlich leichtfüssig und mit packendem Drive daher; sie war und ist stilbildend für Generationen von Jazzmusikern.

Gershwin ist einer der Grossen, der in vielen Genres zu Hause war und mit seinem Bruder Ira als Textdichter eine singuläre Gemeinschaft bildete. Wer ein Gershwin-Musical aufführen will, muss Empfindsamkeit für den süffigen, aber nie süsslichen Melos und stählerne Nerven im Umgang mit den rasant wechselnden, vertrackten Rhythmen an den Tag legen.

«Probieren wir das doch», hat sich die Kantonsschule Wettingen gesagt und mutig «Crazy for you» aufs Programm der Wettinger Sommerkonzerte (WeSo) gesetzt.

Die Bühne des Kurtheaters Baden ist wie geschaffen für eine konzertante Aufführung mit der Big Band, dem Orchester und Chor der Kantonsschule Wettingen sowie den Profi-Solisten Deborah Meister und Samuel Tobias Klauser, die das Liebespaar Polly Baker und Bobby Child verkörpern.

Das Duo passt hervorragend zu der «Crazy Band» an deren ersten Pulten Musiklehrerinnen und -lehrer der Kantonsschule sitzen. Sie liefern die ebenso verlässliche wie impulsgebende Basis für einen Höhenflug, den Cristoforo Spagnuolo mit Herzblut und Kalkül steuert.

Dieser Mann ist ein Phänomen. Dass er Profis und Nicht-Profis zusammenschweissen und zu Höchstleistungen anspornen kann, ist immer wieder zu erleben – wie etwa mit dem jüngst gegründeten «Stella Maris Orchestra». Doch diesmal liegt die Sache etwas anders.

«Crazy for you» zählt zu den Achttausendern der Musical-Literatur. Die Absturzgefahr beim Aufstieg ist gross; die Luft auf dem Gipfel dünn. Kommt hinzu: Sowohl das Londoner Westend wie der New Yorker Broadway sind heute nicht mehr fern. Das Publikum ist also musicalerprobt und hat dementsprechend hohe Erwartungen.

Die Wettinger lösen sie alle ein – ein Mirakel? Sicher. Aber eines, das auf der monatelangen, exzellenten Vorbereitung auf die Musical-Expedition beruht. Allein schon die Aufstellung von Big Band und Orchester (links) und Chor (rechts) zeigt, welche Sorgfalt beispielsweise auf die Balance gelegt wurde. Und vorne steht ein Musiker, dessen Dirigat derart aufmerksam und präzise ist, dass nichts schiefgehen kann.

Schön, wie Spagnuolo beispielsweise die minimen Temporückungen der Solisten auffängt; famos, wie er Gershwins sprühend-federnde Musik mit einem Impetus interpretiert, der auf alle – auch das Publikum – beflügelnd wirkt. Am Schluss gibt es eine Standing Ovation und orkanartigen Applaus für die Wettinger, die den Broadway nach Baden geholt haben. Fieberhaft suchen einige Besucher nach dem zweiten Aufführungs-Datum. Im Programmheft finden sie keines. Sollte es bei diesem einen Konzert bleiben? Das darf nicht sein!

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