Er wird geschmückt von eben diesen Tieren. «Es fällt mir auf, dass alte Spitznamen wieder vermehrt gebraucht werden», sagt Zehnder. Sei es im Kreiselschmuck oder als Name für einen Verein, die Leute besinnen sich wieder auf die – nicht immer schmeichelhaften – Bezeichnungen.

Städter ohne Übernamen

Das hat Zehnder bewogen, zu diesem Thema einen Kurs an der Volkshochschule Wettingen durchzuführen – bei den «Gumpifröschen» sozusagen. So heissen die Wettinger im Volksmund. Zum Kurs sind auch «Gugger» aus Fislisbach, «Wassermänner» aus Dättwil, «Chrotte» aus Wohlenschwil oder «Holzbirlibuebe» aus Staretschwil herzlich eingeladen. Wahrscheinlich wird auch der eine oder andere Badener dabei sein – diese müssen aber ohne Übernamen auskommen, denn Spitznamen waren vor allem bei den Dörfern verbreitet.

Wann die Namen entstanden sind, ist nicht ganz klar. Einige sagen, es habe sie schon immer gegeben. Andere sind überzeugt, dass sie sich erst mit der verstärkten Mobilität durch die Industrialisierung gebildet haben. «Indem man andere mit Spitznamen versieht, grenzt man sich ab und findet zu seiner eigenen Identität», sagt Zehnder. Diese gegenseitige Neckerei mag auch erklären, warum die Namen meist nicht sehr schmeichelhaft sind. In einigen Dörfern sind sie deshalb verschwunden. Kaum einer weiss noch, dass die Mülliger als «Mohren» (Muttersauen) bezeichnet wurden und es wäre auch kaum denkbar, dass ein solches Tier einen Kreisel schmückt.

Umkehr ins Positive

Einige Spitznamen haben eine positive Umdeutung erfahren. So erhielten die Würenlinger den Spottnamen «Teemöcke». Dies, weil sie sehr arm waren und ihr Brot in den Tee und nicht in die Milch tunken mussten. Anfang der 1970er-Jahre wurde die «Teemöckergugge» gegründet, die dem Namen eine positive Bedeutung gegeben hat. Auch in Neuenhof hat sich die «Schnägge-Bühne», ein Theaterverein, einen Namen gemacht.

Heute befasst sich kaum mehr jemand mit der Herkunft dieser Spitznamen. Es gibt auch kein Sammelwerk dazu. Patrick Zehnder hat alte Neujahrsblätter und andere Publikationen durchforstet und sich in seinem Umfeld umgehört. Ihn fasziniert die Geschichte der Region, denn sie bedeutet für ihn auch Identität. An seinem Kursabend soll deshalb auch Raum sein für die Geschichten der Teilnehmenden – vielleicht kommt da noch der eine oder andere bis jetzt unbekannte Spitzname dazu.

Ortsneckereien: Der Kurs mit Patrick Zehnder findet statt am Montag, 19.März, 18.30 bis 20 Uhr. Informationen und Anmeldung: www.vhs-aargau.ch