Der Fall hatte im Frühling 2012 die Bevölkerung und die Behörden aufgeschreckt und die Gerüchteküche brodeln lassen. Einem Lehrer an einer Oberstufe in Wettingen wurde damals vorgeworfen, mit Schülerinnen eine Art „Strip-Poker“ durchgeführt zu haben. Der Lehrer wurde fristlos entlassen und die Staatsanwaltschaft Baden erhob Anklage. Sie warf ihm mehrfache Verletzung der Fürsorge- oder Erziehungspflicht, mehrfache sexuelle Handlungen mit Kindern sowie wiederholte Tätlichkeiten vor.

Voller Freispruch

Das Bezirksgericht Baden stellte das Verfahren gegen den Lehrer im Dezember 2014 in Bezug auf die Tätlichkeiten wegen Verjährung ein und von den übrigen Vorwürfen sprach es ihn von Schuld und Strafe frei. Die Schadenersatz- und Genugtuungsforderungen der Schülerinnen verwies das Gericht auf den Zivilweg. Als das Obergericht des Kantons Aargau dagegen erhobene Berufungen der Schülerinnen abwies, gelangten diese ans Bundesgericht.

Strip-Poker - Lehrer zurecht entlassen

Strip-Poker - Lehrer zurecht entlassen (September 2014)

Falsche Adresse

Die Richter in Lausanne sind nicht auf die Beschwerde eingetreten. Das Schulwesen stellt eine amtliche Verrichtung dar. Dementsprechend übt eine Lehrkraft an einer öffentlichen Schule mit ihrer Lehrtätigkeit eine öffentliche Aufgabe aus. Gemäss Aargauer Kantonsverfassung haften der Kanton und die Gemeinden für den Schaden, den ihre Behörden, Beamten und übrigen Mitarbeiter in Ausübung ihrer amtlichen Tätigkeit Dritten widerrechtlich zufügen. Die Schülerinnen müssen deshalb ihre Schadenersatz- und Genugtuungsklage gegen die Gemeinde Wettingen oder den Kanton Aargau erheben. Eine Klage direkt gegen den Lehrer vor Zivilgericht ist nicht möglich. Die Schülerinnen müssen die Gerichtskosten von 800 Franken bezahlen.