«What Rules»
«Wir passen nicht in eine Box»: Junge Wettinger Band veröffentlicht ihr erstes Album – mit prominenter Hilfe

Eine Frau, vier Männer und jede Menge Moët: Diese Wettinger Kantischüler möchten hoch hinaus. Wovon die Band träumt und wie es für sie weitergeht.

Sharleen Wüest
Drucken
Teilen
Sie möchten den Ton angeben. (v.l.n.r. Benjamin Opderbecke, Till Bieri, Beri Kayikci, Armando Chappuis und Jonas Rohrer)

Sie möchten den Ton angeben. (v.l.n.r. Benjamin Opderbecke, Till Bieri, Beri Kayikci, Armando Chappuis und Jonas Rohrer)

Lea Huser

Berivan «Beri» Kayikci sitzt lässig auf dem Areal der Kantonsschule Wettingen. Neben ihr Band-Kollege Jonas Rohrer. Der Tisch ist leicht nass, die Umgebung kalt. Das scheint den beiden nichts auszumachen. Sie erzählen freudig von ihrer Zeit an der «Kanti», der Ort, an dem ihre gemeinsame Reise begann. Beri Kayikci greift in ihre Jackentasche. «Nach drei Jahren haben wir endlich etwas handfestes», sagt sie mit Blick auf die CD in ihrer Hand.

Die beiden sind Teil der fünfköpfigen Band «What Rules». Beri Kayikci ist Frontsängerin und Rapperin, während die Jungs für Musik sorgen. Jonas Rohrer spielt Schlagzeug, Till Bieri Gitarre, Benjamin Opderbecke Synthesizer und Gitarre und das Küken der Gruppe, Armando Chappuis, Bass. Sie sind alle zwischen 18 und 20 Jahre alt. Seit drei Jahren musizieren sie zusammen und haben jetzt ihre erste EP «Roll The Dice» veröffentlicht. Für die beiden der schönste Moment ihrer gemeinsamen Zeit: «Heute ist das Finale, alles kommt nach langer Arbeit zusammen», sagt Drummer Rohrer.

Pedestrians helfen der Band

Zwei Jahre und viel Arbeit hat die Band in ihre EP «Roll The Dice» investiert. Sie hätte planmässig schon im Herbst erscheinen sollen – wurde coronabedingt zwei Mal verschoben. Von der Verschiebung hat sich die Band nicht unterkriegen lassen, im Gegenteil. Auf den Sozialen Medien posten sie zum Release-Tag fleissig. Damit sind sie nicht die Einzigen: Auch Reggae-Pop-Band Pedestrians aus Baden gratuliert zum Release. Die Musiker hatten ebenfalls Jahre zuvor an der Kanti zueinandergefunden und bereits kurz darauf schweizweite Musikwettbewerbe gewonnen. Pedestrians-Schlagzeuger Sascha van den Berg zeigte Interesse daran, die junge Band zu unterstützen und produzierte ihre EP.

Drei Bandmitglieder mit Pedestrians-Schlagzeuger Sascha van den Berg (links).

Das Album enthält fünf Lieder – drei davon sind bereits alte Bekannte. Die Band ist stolz, denn ihre erste Single «Moët» wurde auf der Plattform Spotify bereits 36'000-mal gestreamt. «Moët» ist eine Hymne auf das gute Leben. Ein Ohrwurm, der Lust zum Tanzen macht. Die Band zeigt sich im Musikvideo in eleganter Kleidung und grossen, weissen Sonnenbrillen. Sie sind cool und gut gelaunt und geben vor allem den Ton an. Der komplette Gegenpol dazu ist ihr Song «On The Run». Das Video erzählt die Geschichte einer jungen Frau, die das Leben aufgeben möchte. Zwischen poppigen Liedern und tiefer Bedeutung: In welches Genre passt die Band? «Wir passen nicht in eine Box. Am besten nennt man unsere Musik einfach What Rules», erwidert Jonas Rohrer.

Eine der beiden neuen Songs «Keep it to yourself» wehrt sich gegen die Monotonie auf den Sozialen Medien. «Bei einem schönen Sonnenuntergang veröffentlichen dutzende von Leuten Bilder auf den Sozialen Medien. Auf Snapchat sehe ich dann nur noch orange», meint Beri Kayikci und ergänzt: «Behaltet die Bilder für euch.»

«Moët» ist eine Hymne auf das gute Leben.

Youtube

Auch sonst wird Diversität im Leben der Band grossgeschrieben. «Wir stellen die Regeln selber auf, wir regieren», sagt die Sängerin und nimmt dabei Bezug auf den Bandnamen. Als einzige Frau in der Band möchte sie ein Zeichen setzen: «Ich habe eine tiefere Stimme und bin vor allem umgeben von Jungs.» Das sei in der Musikbranche eher eine Seltenheit. Kayikci ergänzt:

«Ich möchte die Box sprengen und Türen für junge Mädchen öffnen.»

Ob sie sich in der Band jemals unwohl fühlte? «Auf keinen Fall! Nur schon der Gedanke daran, dass sich Frauen in reinen Männergruppen oft unwohl fühlen finde ich schade.» Das sehen auch die Jungs so. «Ganz egal, wer die Band verlassen würde, es wäre nicht mehr dasselbe», bestätigt Jonas Rohrer. Die Sängerin ergänzt: «Alles was wir brauchen ist einander.» Das sei der 20-Jährigen vor allem während der Pandemie bewusst geworden. Als Sängerin konnte sie es nicht bei einem Gedanken belassen und schrieb das Lied «All I need». Sie singt: «The way you treat me right, like I'm the only key (Deutsch: Die Art, wie du mich richtig behandelst, als wäre ich der einzige Schlüssel)». Eine Hommage an die platonische Liebe zwischen Kollegen.

Beri: «Eine Leidenschaft lässt man nicht im Stich»

Ein klassisches Liebeslied ist im Repertoire der Band nicht zu finden – noch nicht. «Wir waren schon wieder im Studio. Es könnte bereits nächstes Jahr neue Lieder von uns geben», erzählt Rohrer. Die beiden schmunzeln, das hätte wohl noch ein Geheimnis bleiben sollen.

Bereits in einer Woche sind Abschlussprüfungen, vier der fünf Bandmitglieder breiten ihre Flügel aus. Nur Bassist Armando Chappuis hat noch zwei Jahre Kanti vor sich. Sorgen um die Zukunft der Band machen sie sich keine: «Das ist erst der Anfang. Wenn man eine Leidenschaft hat, lässt man sie bestimmt nicht im Stich.» Die Band möchte weiterhin in Wettingen proben. Rohrer verschlägt es nach St.Gallen für ein Wirtschaftsstudium, Kayikci wird in Basel Psychologie studieren. Doch beide träumen von der Musik. «Eine Tournee durch die Schweiz wäre super», sagt der Drummer. Kayikci stimmt ihm zu und ergänzt:

«Es wäre schon geil von der Musik leben zu können. Man lebt nur einmal und sagen zu können, dass man seine Leidenschaft verfolgen durfte wäre mega.»

Für eine helle Zukunft müsse man immer einen Plan B haben – Psychologie Studium also. Doch vorerst werde der Erfolg mit Freunden und Familie gefeiert: «Mit Moët natürlich.»

Aktuelle Nachrichten