Künten
Wider Erwarten ist sie keine Feministin der ersten Stunde

Die Politikerinnen Judith Stamm und Ursula Mauch haben zum 20. Jubiläum des Frauenmorgens über ihre Rolle als Frau diskutiert. Sie mussten sich vieles erkämpfen, was heute selbstverständlich ist.

Britta Gfeller
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«Ihr denkt nicht im Ernst, dass ihr Frauen gleich viel verdienen werdet wie wir?», wurde die erste Aargauer Nationalrätin Ursula Mauch von ihren Mitschülern am Technikum Winterthur gefragt. Trotzdem ist die Chemikerin keine Feministin der ersten Stunde, wie sie am Frauenmorgen erzählte.

Auch CVP-Politikerin Judith Stamm nahm die Benachteiligung anfangs hin. «Nach einem Praktikum am Gericht wollte man mich fest anstellen. Doch das ging nicht, da ich nicht die gleichen politischen Rechte hatte. Ich akzeptierte diese Tatsache.» Stattdessen nahm die studierte Juristin eine Stelle bei der Kriminalpolizei des Kantons Luzern als erste weibliche Polizeiassistentin an.

Eine der Ersten im Grossen Rat

Nachdem das Frauenstimmrecht eingeführt worden war, wurde Stamm als eine der ersten Frauen in den Grossen Rat gewählt. Damals mussten alle Parteien Frauen auf die Liste setzen. «Ich war in der Frauenbewegung nicht aktiv. Deshalb verstand ich nicht, weshalb man mich auf die Liste setzte.» Die Antwort der Parteikollegen: «Das Volk will keine Emanzen.» Am Anfang fühlten sich die Männer von den Frauen in der Politik verunsichert. Judith Stamm nahm das andere Geschlecht jedoch auch in Schutz: «Bis im Jahr 1988 war der Mann laut Eherecht verpflichtet, für die Familie zu sorgen. Viele Männer wurden mit diesem Rollenbild erzogen.»

Auch die Frauen waren nicht immer selbstsicher. «Wir sind oft zu bescheiden. Wir kämpften um einen einzigen Sitz im Bundesrat, statt für die 40 Prozent, die uns eigentlich zustanden», sagte Stamm. Als die erste Bundesrätin Elisabeth Kopp zurücktreten musste, waren die beiden Frauen erschüttert. «Ich habe fast geheult», sagte Mauch. Umso mehr freuen sie sich, dass Frauen im Bundesrat heute keine Seltenheit mehr sind.

Nichts kommt von selbst

Auch heute gäbe es Bereiche, in denen der Einsatz der Frauen verlangt wird. «Auf wirtschaftlicher Ebene ist die Gleichstellung noch nicht erreicht», sagte Mauch. Stamm fügte an: «In der direkten Demokratie können wir mitreden. Viele Frauen nehmen diese Pflicht nicht wahr.» Und Mauch sagte: «Wir mussten für vieles kämpfen. Dies ist heute nicht anders. Nichts kommt von selbst.»

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