Zu den möglichen Standorten für eine Asyl-Grossunterkunft im Kanton Aargau gehört auch das Gebiet Steiacher in Rütihof, einem Ortsteil von Baden. Der Widerstand in der Bevölkerung wächst: Vor wenigen Tagen hat sich die «Interessengemeinschaft 5406 Rütihof» gebildet.

Die Gründe gegen eine Asylunterkunft seien mannigfaltig, teilt sie auf ihrer Webseite mit: «Gemessen an der Einwohnerzahl von Rütihof mit rund 2400 Einwohnern wäre ein Asyl-Grossverteilzentrum für 150 bis 300 Flüchtlinge nicht verhältnismässig.» Rütihof verfüge nicht über die notwendige Infrastruktur – beispielsweise gebe es keinen Polizeiposten und nicht genügend öffentliche Plätze.»

Besitzer von nahestehenden Liegenschaften befürchten, der Wert ihrer Immobilie könnte sinken. «Rütihof wird sein Image als attraktives, familienfreundliches Dorf verlieren und als Flüchtlingsdorf wahrgenommen werden», heisst es auf dem Flyer der Interessengemeinschaft.

Was die Mitglieder der IG stört: Die Gemeinderäte der anderen möglichen Standorte haben sich zum Teil dezidiert gegen eine Unterkunft in ihrem Dorf ausgesprochen. Im November hatte der Kanton bekannt gegeben, er wollte acht Standorte genauer prüfen. Fünf davon befinden sich im Besitze der öffentlichen Hand: Küttigen, Rothrist, Obersiggenthal, Fislisbach sowie Baden-Rütihof.

«Eine Verbundsaufgabe»

Bereits Mitte Januar hatten zwei Einwohnerräte aus Rütihof eine dringliche Anfrage beim Stadtrat platziert. Sie kritisierten, der Standort widerspreche raumplanerischen Kriterien, die bei der Auswahl hätten zur Anwendung kommen müssen. An der Einwohnerratssitzung diese Woche nahm Badens Sozialvorsteherin und Frau Vizeammann Regula Dell’Anno (SP) Stellung zur Anfrage.

«Auf den verschiedensten Wegen haben wir Hinweise aus der Bevölkerung erhalten und die Bedenken mitbekommen, und wir nehmen sie durchaus alle sehr ernst.» Der Stadtrat habe die Bedenken alle dem Kanton mitgeteilt. «Wir möchten einen konstruktiven und lösungsorientierten Weg mit dem Kanton gehen», betonte Dell’Anno. «Und darum ist es uns wichtig, dass sowohl wir als auch der Kanton den Standort vertieft prüfen, und dass wir ergebnisoffen sind.» Die Unterbringung von Asylbewerbern sei eine Verbundsaufgabe, die Bund, Kanton und Gemeinden zusammen übernehmen müssten.

Weiter sagte Dell’Anno: «Es geht nicht zuletzt auch um finanzielle Fragen. Sie wissen, dass Gemeinden zu Ersatzvornahmen verpflichtet sind, wenn das Kontingent nicht erfüllt wird», sagte sie zu den Einwohnerräten.

«Aktuell wäre Baden ohne die Unterkunft im ‹La Cappella› rund 30 Personen unter diesem Kontingent. Bei einer aktuellen Ersatzvornahme von 110 Franken pro Person und Tag ergäbe dies eine Million Franken pro Jahr», rechnete die Stadträtin vor. Sowohl Stadt als auch der Kanton seien offen für weitere Lösungen und Vorschläge. Dell’Anno betonte an der Einwohnerratssitzung, dass noch kein Entscheid gefällt worden sei.

Mitten im Wohnquartier

Gegner einer Asylunterkunft in Baden-Rütihof haben Mitte dieser Woche ausserdem eine Petition gestartet – auf der Webseite «petitio.ch» (siehe Box). 328 Menschen haben sie bisher unterzeichnet. Die deutliche Forderung: «Der vom Kanton und dem Badener Stadtrat vorhergesehene Standort ist weder für die Bevölkerung noch für die Asylbewerber eine befriedigende Lösung beziehungsweise ein geeigneter Standort und muss deshalb mit aller Deutlichkeit abgelehnt werden.»

Das vom Kanton vorgesehene Land liege mitten im Wohnquartier, sei umgeben von Miet- Alters- und Eigentumswohnungen.» Ausserdem liege das neu gebaute Schulhaus nur knapp 200 Meter von der geplanten Asyl-Grossunterkunft entfernt. Und auch der Schulweg der Kinder vom Steiacher-Quartier führe unmittelbar an der Parzelle vorbei.