Baden

Wie Adam zum Sioux-Häuptling wurde

Mit Masken-Basteln war die Fasnacht im Badener Kindermuseum bereits am Wochenende angekommen.

Kartons voller Kronkorken, Eierkartons, Stoffresten, Füllmaterialien, leere Kaffeekapseln, Filmdosen, Weichkäseverpackungen... Die Werkstatt im Souterrain vom Kindermuseum ist an diesem Samstagnachmittag ein Recycling-Hof im Kleinformat. Neben langen Tischen, auf denen Scheren, Leim und Farbstifte liegen, wartet Sara Kaysel, die Tochter von Museumsleiter Daniel, auf kleine Künstler, die aus all dem überflüssig Gewordenen Fasnachts-Masken basteln.

Eine Stunde wartet Sandra vergeblich – der sonnige Tag lockt allzu sehr ins Freie – doch dann kommt Adam, der in zwei Wochen den fünften Geburi feiern kann. Zielstrebig schnappt er sich ein Glas mit bunten Vogelfedern und ebenso rasch entscheidet er sich für einen runden Masken-Rohling aus Karton am Stecken. Die eckigen mit Gummiband zum vors Gesicht hängen, lässt er links liegen. «Ich mache einen Indianer», sagt er selbstbewusst, klettert auf einen Stuhl und zeichnet Nase, Mund und Zähne der Rothaut. Nun müssen Stirnband und Haare her – also runter vom Stuhl.

Eine Sisyphus-Arbeit, gekonnt abgekürzt
In der Kiste mit Stoffresten wird Adam mit einem Stück gelbem Seidenband fündig. Derweil hat Mami feine, gewellte rote Papierstreifen entdeckt – ein idealer Haarschopf. Adam schneidet das Band zurecht und drückt dann grosszügig auf die Leimflasche. Eine Sisyphusarbeit, die Adam mit Hilfe von Sara und Heissleim gekonnt abkürzen. Die Federn, farblich subtil arrangiert, setzen dem Ganzen die Krone auf – et voilà. Ist es Winnetou oder Old Shatterhand? «Nein – Adam!», tönt es dezidiert.

Inzwischen hat sich auch ein viereinhalbjähriger Armin mit tatkräftiger väterlicher Unterstützung an die Arbeit gemacht. Die siebenjährige Livia hat sich für einen eckigen Rohling entschieden, den oberen Teil aber mittels Schere sofort abgerundet. Gemeinsam mit Mami evaluiert sie sorgfältig die «Zutaten». Es wird entschieden, verworfen und schliesslich ein goldenes Karton-Dreieck montiert: Das Einhorn kann wachsen. Ein gelbes und ein rotes Südfrüchte-Netz, eine Caprice-des-Dieux-Schachtel, feine Stoffblüten folgen. Zum Schluss vollenden Tochter und Mutter mit kunterbunten Filzstiften das Werk, aus dem laut Livia nunmehr «eine Einhorn-Fledermaus» geworden ist.

Bald ist es 17 Uhr und das Museum schliesst. Nun muss die neunjährige Julia ihrer Stabmaske den letzten Schliff verleihen. Den Mund aus pinkfarbenem Glanzpapier war schnell ausgeschnitten. Die Frage ob Dreikönigs-Krone oder nicht hingegen fordert langes Überlegen und wird schliesslich verworfen. Am Ende macht sich Julia auf den Heimweg in Richtung Winterthur, im Gepäck eine junge Dame mit gelb-violetter Blume im roten lockigen Kopfhaar und Zöpfen mit goldenen Maschen.

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