Spreitenbach
Wie aus dem Elektroingenieur ein Politprofi wurde

Am 26. Februar 2012 haben die Spreitenbacher Valentin Schmid (FDP) zu ihrem neuen Gemeindeammann gewählt. Am 29. Februar hatte Josi Bütler seinen letzten Arbeitstag. Nach einem Jahr zieht Schmid Bilanz.

Dieter Minder
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Valentin Schmid oberhalb von Spreitenbach.

Valentin Schmid oberhalb von Spreitenbach.

Emanuel Freudiger

Am 1. März 2012, also nur vier Tage nach der Wahl, hat Valentin Schmid das Amt angetreten. Mit seinem bisherigen Arbeitgeber, der Flughafen Zürich AG, konnte er eine Abmachung treffen, die ihm einen schrittweisen Übergang in den neuen Beruf ermöglichte. Jetzt ist er ein Jahr im Amt.

Herr Schmid, vor einem Jahr wurden Sie vom Elektroingenieur zum Berufspolitiker. Haben Sie von einer präzisen in eine unpräzise Branche gewechselt?

Valentin Schmid: Beides sind Berufe mit präzisen und unpräzisen Bereichen. Hohe Präzision in der Politik: Für die Gemeinden gelten Gesetze, die sehr hohe Präzision verlangen. In beiden Berufen ist die Projektarbeit ein grosser Teil der Tätigkeit, somit sind sie sogar vergleichbar. Projekte laufen grundsätzlich immer ähnlich ab.

Wie sieht eine durchschnittliche Arbeitswoche des Gemeindeammanns aus?

Am Montagabend ist jeweils Gemeinderatssitzung, also gilt es, vorher die Akten zu studieren. Die anderen Wochentage hängen stark von den Geschäften ab. Es ist keine Woche mit der anderen vergleichbar. Je nachdem finden zahlreiche Sitzungen statt. Jeden Morgen erhalte ich die Post, die an mich persönlich oder an den Gemeinderat gerichtet ist. Einiges davon kann ich selber bearbeiten, andere Briefe leite ich an die zuständige Abteilung weiter. Die gesamte andere Post wird durch die Abteilungen direkt erledigt.

Wie waren die ersten Monate in der Funktion als Gemeindeammann?

Ich habe eine sehr intensive Umstellung erlebt. Anfänglich war vor allem die Doppelbelastung eine Herausforderung. Im ersten Monat habe ich 20 Prozent in der Gemeinde gearbeitet und 80 Prozent für meinen früheren Arbeitgeber. Dann folgte ein Monat mit je 50 Prozent für beide Arbeitgeber und im letzten Monat war ich dann zu 80 Prozent in der Gemeinde tätig. Dabei war vor allem die hälftige Aufteilung eine sehr starke Belastung. In jenem Monat bin ich oft mehrmals am Tag zwischen Spreitenbach und Kloten hin und her gefahren.

Dann sind Sie am 5. März erstmals als Chef am Gemeinderatstisch gesessen?

Die ersten Gemeinderatssitzungen hat Vizeammann Stefan Nipp geleitet. Damit konnte ich auch den Ablauf einer solchen Sitzung kennenlernen. Überhaupt hat er im März noch sehr viele Pflichten übernommen.

In jenen Tagen waren sie auch frisch Chef der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Verwaltung, wie war das?

Als Spreitenbacher und von meinen bisherigen Tätigkeiten in der Gemeinde kenne ich die meisten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Gemeinde schon lange. Ich habe einen Rundgang durch die Verwaltung gemacht, um sie zu begrüssen. Anfang Juni habe ich dann noch ein Begrüssungsapéro durchgeführt.

Hat Valentin Schmid nun mehr oder weniger Freizeit?

Ich war früher schon für die Gemeinde tätig, zum Beispiel als Vizekommandant der Feuerwehr. Diese Funktion habe ich abgegeben, weshalb die Abendtermine eher frei geworden sind. Die Gesamtbelastung ist aber gestiegen. Im November und Anfang Dezember hatte ich keinen Abend frei, der Zeitaufwand war immens.

Die Arbeiten für einen Masterplan der Gemeinde sind angelaufen. Müssen die Einwohner starke Veränderungen erwarten oder wird eher die Entwicklung so fortgeschrieben, wie Spreitenbach in den letzten Jahren gewachsen ist?

Schmid: Wir müssen uns jetzt überlegen, wie Spreitenbach in 20 bis 30 Jahren aussehen wird. Unser Ziel ist, Spreitenbach in seiner heutigen Form zu halten und nicht sofortige Veränderungen einzuleiten. Niemand soll Angst davor haben, dass sein Haus nicht mehr vorgesehen ist. Der Masterplan wird die Grundlage für die revidierte Bau- und Nutzungsordnung, die 2018 vorliegen soll. Über allem steht die Frage: «Was macht Sinn?» Im Masterplan könnten wir beispielsweise aufzeigen, ob es in einzelnen Gewerbezonen Sinn macht, zusätzliches Wohnen zu erlauben.

Die Limmattalbahn ist so etwas wie das Licht der Hoffnung am Horizont. Von ihr versprechen sich die Politiker und Planer sehr viel. Besteht da nicht die Gefahr, dass andere Probleme ausgeschaltet oder vernachlässigt werden?

Die Limmattalbahn wird zu Veränderungen führen. Die Haltestelle Mellingen Heitersberg ist ein gutes Beispiel dafür. Die Limmattalbahn wird sich auch auf die Buslinien in der Gemeinde auswirken. Weil die Bahn aber erst ab etwa 2020 den Betrieb aufnehmen wird, können wir uns darauf vorbereiten.

In Spreitenbach steht die Umwelt- Arena, eine schweizweit, wenn nicht europaweit, einmalige Anlage. Wie kann die Gemeinde vom Wissen, das in der Umwelt-Arena vermittelt wird, noch besser profitieren?

Zuerst ist die Umwelt-Arena ein interessanter Bau mit sehr guten Ausstellungen. Wer bauen oder umbauen will, erhält dort viele Informationen. Ich wusste, bevor ich die Ausstellung gesehen habe nicht, dass es so viele Heizungssysteme gibt. So wird gezeigt, wie Wärme aus dem Duschwasser zurückgewonnen werden kann. Die Präsentation des Biogemüses mit kurzen Transportwegen eröffnet eine ganz neue Sicht auf energieoptimiertes Leben. Die Umwelt-Arena ist sehr wichtig für Spreitenbach, sie trägt ein neues Bild der Gemeinde, die auch Energiestadt ist.

Die Gemeinden Killwangen und Spreitenbach diskutieren ihre Zukunft in Facharbeitsgruppen. Wie sind die Gespräche angelaufen?

Ich habe aus den Facharbeitsgruppen sehr positive Rückmeldungen erhalten. Die Leute sind mit
grossem Elan an der Arbeit. Sehr sachlich werden die Themen in den paritätisch zusammengesetzten Arbeitsgruppen behandelt. Damit werden wir gute Grundlagen für die weiteren Entscheide erhalten. Ich selber bin auch Mitglied von zwei Facharbeitsgruppen und sehe damit, wie ernst die Mitglieder ihre Aufgabe nehmen.

Ein Jahr Gemeindeammann Valentin Schmid, welches Fazit ziehen Sie ganz persönlich?

Für mich ist es eine sehr interessante Tätigkeit, die mir gefällt. Ich habe für mich mit diesem Schritt die richtige Entscheidung getroffen.

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