Regionale Spezialklasse
Wie aus dem Rebellen Beni ein höflicher Teenager wurde

Beim 15-jährigen Schüler Beni fruchtete das Resozialisierungsprogramm. Er lächelt, sagt höflich «Guten Tag» und drückt sich während des Gespräches wortgewandt aus. Das soll ein schwieriger Schüler gewesen sein, ein Rebell?

Adrian Hunziker
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Sozialpädagoge Andreas Stutz arbeitete in der RSB intensiv mit Beni zusammen. ahu

Sozialpädagoge Andreas Stutz arbeitete in der RSB intensiv mit Beni zusammen. ahu

Beni (Name geändert) war ein Schüler, der mit der Schule und seiner Lehrerin nicht zurechtkam. Die letzte Chance, um einen Schulabschluss zu schaffen, war für den 15-Jährigen die neu geschaffene Regionale Spezialklasse in Baden RSB. «Bevor ich in die RSB kam, hatte ich keinen Respekt vor den Lehrern. Zudem war ich nicht fleissig und schwänzte die Schule», gibt Beni zu. Doch seiner Meinung nach hat auch die ehemalige Lehrerin zu einem schwierigen Verhältnis beigetragen. Er erzählt, dass er zwar viele Dinge falsch machte, aber auch für Fehler verantwortlich gemacht wurde, die er nicht begangen habe. Der Junge rastete aus und konnte sich nicht mehr beherrschen. So nahm seine Motivation, in die Schule zu gehen, immer mehr ab. Dies bemerkte auch sein Vater.

Motivation und Unterstützung

So kam Beni für die Maximaldauer von 20 Wochen in die RSB. «Zu Beginn war ich nervös, wie das wohl jeder ist. Doch es lief ziemlich gut, auch wenn ich zwischendurch ein Blackout hatte», sagt der Jugendliche. Doch die Heilpädagogin Cornelia Pfammatter und der Sozialpädagoge Andreas Stutz hatten immer Respekt vor ihm. Das war wichtig für Beni. So lernte er, Respekt vor anderen zu haben. Das bezeichnet der Jugendliche als wichtigsten Schritt, den er in der RSB machte: «Ich lernte, dass ich etwas erreichen kann, wenn ich mich dafür einsetze.»

 Der Sozialpädagoge Andreas Stutz putzt die Küche
7 Bilder
 Hier kocht der Sozialpädagoge jeden Tag zusammen mit einem Schüler
 Den Herd reinigt Andreas Stutz vorsichtshalber aber selbst
Regionale Spezialklassen in Baden RSB
 Heilpädagogin Cornelia Pfammatter an ihrem Lehrerpult
 Cornelia Pfammatter unterrichtet derzeit fünf «schwierige Schüler»
 Cornelia Pfammatter bei der Arbeit

Der Sozialpädagoge Andreas Stutz putzt die Küche

Adrian Hunziker

Und ihm wurde bewusst, dass Schule auch Spass machen kann und nicht nur Mittel zum Zweck ist. Beni schätzte speziell die täglichen Gefühlsrunden im Unterricht. Dabei können die Schüler gegenseitig ihr Befinden wahrnehmen. Sie merken, dass ihre Stimmungen wie das Wetter ständig wechseln. Diese Erkenntnis spielt eine entscheidende Rolle für den Aufbau der Arbeitshaltung der Schüler.

Beni begann je länger je mehr, über Dinge zu sprechen, anstatt auszurasten. «Frau Pfammatter und Herr Stutz machen eine gute Arbeit. Sie motivieren und unterstützen viel. Das stärkte mein Selbstvertrauen», schaut der 15-Jährige zurück. Er findet das System mit der RSB eine gute Lösung. Für ihn habe es sich gelohnt und «ich bin stolz darauf, dass ich bald meinen Abschluss habe. Ich danke auch Herrn Stutz und Frau Pfammatter. Sie haben mir sehr geholfen.»

Die RSB als Lebensschule

Dankbar ist ganz offensichtlich auch sein Vater. Er spricht von Glück, dass sein Sohn in die RSB aufgenommen wurde: «Als mein Sohn in der RSB war, hatten wir fast jeden Monat eine Sitzung mit den Verantwortlichen. Und sie sagten mir ins Gesicht, was Sache ist.» Für Benis Vater war die Unterstützung von Stutz und Pfammatter wie die einer Familie. «Mein Sohn lernte hier in der RSB, wie das Leben funktioniert. Für die Unterstützung und Motivation der beiden bin ich sehr dankbar.»

Auch der Sozialpädagoge Stutz empfand die Zusammenarbeit als sehr fruchtbar: «Benis Vater hatte immer ein offenes Ohr. Man konnte miteinander diskutieren.» Diese Zusammenarbeit sei sehr wichtig, denn die Vertrauensbasis auf der Erwachsenenebene müsse vorhanden sein, meint Stutz weiter. Er bestätigt zudem, dass er weiterhin den Kontakt zu Benis Familie pflegen werde. Das freut den Schüler wie auch seinen Vater. Und wenn alles klappt, beginnt Beni im Sommer eine Lehre als Detailhandelsfachmann.

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