Covid-Krise

Wie Baden seine Kultur retten will: «Wir haben einen Coronatopf eingerichtet»

Eine von Dutzenden Kulturinstitutionen in Baden: Das Teatro Palino in der Rathausgasse.

Eine von Dutzenden Kulturinstitutionen in Baden: Das Teatro Palino in der Rathausgasse.

Die Schweizer Kulturstadt Nummer 1 hat eine Covid-Kasse eingerichtet: Institutionen in Not können Hilfe beantragen.

Baden zählt punkto Kultur zweifellos zu den attraktivsten Städten der Schweiz: Die «Bilanz» hat Baden im Städteranking 2019 in dieser Kategorie gar auf Platz 1 gesetzt – noch vor Zürich, Bern, Luzern oder Basel. Was bedeutet der neue Teil-Lockdown, der nur noch 50 Besucherinnen und Besucher bei Veranstaltungen zulässt, für das Leben in der Stadt?

Theaterfrau Stella Palino formuliert es so: «Zwar machen viele Institutionen in kleinerem Rahmen weiter, auch wir mit unserem Teatro Palino. Aber es ist klar: Es wird viel weniger kulturelle An­- ge­boten geben in Baden in den nächsten Monaten. Es hüllt sich ein grauer Nebel um die Seele der Stadt.» Aber die Kultur sei derart in den Menschen der Stadt verankert, «dass wir umso kräftiger und kreativer zurückkommen werden nach der ­Krise».

Der Stadtrat entscheidet von Fall zu Fall

Doch wie können die Dutzenden Kulturinstitutionen in Baden überhaupt überleben im gegenwärtigen Coronaregime, mit zum Teil viel tieferen Einnahmen? Stadtrat Erich Obrist (parteilos): «Klar ist: Kultur kann in Baden nicht kaputtgehen. Sie ist in den Menschen drin. Um die Institutionen und Kulturveranstaltenden müssen wir uns aber kümmern.»

Es sei im Interesse der ganzen Stadt und Region, dass möglichst viele Angebote auch noch nach der Coronakrise bestehen. «Darum hat der Stadtrat schon im Sommer reagiert, beim Budget für das Jahr 2021: Wir haben einen Coronatopf eingerichtet, von dem auch Kulturinstitutionen profitieren können», erklärt Obrist. Es sei schon im Sommer damit zu rechnen gewesen, dass die Pandemie wieder aufflammen werde. Der Stadtrat habe versucht, vorausschauend zu handeln.

Die Kulturbetriebe, die um Hilfe bitten, müssen beim Stadtrat einen Antrag stellen. «Es gibt aber nicht in jedem Fall auto­matisch finanzielle Unterstützung», erklärt Obrist. «Die Betriebe müssen 2021 ein Gesuch mit den nötigen Unterlagen wie Betriebsrechnungen, bereits gesprochenen und in Aussicht gestellten Unterstützungsleistungen einreichen.»

Der Stadtrat entscheidet von Fall zu Fall, ob und wie viel Hilfe gesprochen wird. Er will sich eine Gesamtsicht verschaffen, um so verhältnismässig entscheiden zu können. Es soll dort unter die Arme gegriffen werden, wo die Not am grössten ist und es ums Existenzielle geht. Erstaunlich: Die ­Covid-19-Hilfe wurde in der Budgetdebatte letzte Woche vom Badener Einwohnerrat ohne Widerstand durchgewinkt. «Selbst Sparfüchse waren nicht dagegen», sagt Obrist.

«Jetzt ist der Zeitpunkt da, die Töpfe zu öffnen»

Stadtammann Markus Schneider (CVP) erklärt: «Die Covid-­19-Kasse gibt es nicht nur für Kultur, sondern auch für andere Abteilungen.» Es handle sich um Gelder aus der Wirkungsorientierten Verwaltungsführung (WOV), «die wir in guten Zeiten auf die Seite gelegt haben; davon haben wir jetzt einen Teil zusammengezogen. Jetzt ist der Zeitpunkt da, das Geld zweckgebunden einzusetzen». In den Covid-19-Töpfen seien rund 1 Million Franken drin, sagt Schneider; es sei durchaus möglich, dass die Stadt noch mehr Geld einsetzen muss, um der Situation gerecht zu werden.

Zusätzlich zum Covid-19-Topf unterstützt die Stadt die Mieter von kulturell genutzten Flächen (sowie Gewerbetreibende) mittels des Badener Modells. Dieses wird mindestens bis Ende Jahr weitergeführt. Die Mieter legen hier die Betriebsrechnungen der letzten drei Jahre vor; prozentual zum Rückgang wegen Corona sinkt auch der Mietzins, welcher der Stadt bezahlt werden muss.

Dano Dreyer, Betreiber des Löschwasserbeckens – die Räumlichkeiten gehören der Stadt –, findet nur lobende Worte: «Das Badener Modell ist existenziell wichtig für uns. Einmalig, wie sich die Stadt Baden für ihre Mieter und die Kulturinstitutionen einsetzt. Ich wüsste nicht, was sie noch besser machen könnte.»

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