Für einmal sind es nicht historische Aufzeichnungen und Nachfahren, welche die Chronikgruppe in ihren Dättwiler Dokumenten XIII sprechen lässt. Es sind die eigenen Bewohner, die jetzigen Zeitgenossen einer besonderen Epoche.

Sie stellen auf sehr authentische und eindrückliche Weise ein prägendes Stück Entwicklungs- und Architekturgeschichte dar. Damit wird ein noch junger, aber unvergesslicher Abschnitt wieder lebendig gemacht, der erst vergangen ist.

Die Dokumente illustrieren das damalige Dättwil wenige Jahre nach der Eingemeindung im Jahre 1962 und den Weg zum städtischen Satelliten Badens. Der Geist einer revolutionären Ortsplanung, entstanden aus einer städtebaulichen Vision, die auf den Wachstumsvorstellungen jener Zeit basierte, wird ausführlich und exakt abgebildet. Denn vor rund 50 Jahren erfolgten in der Euphorie des Wachstums Berechnungen, die Dättwil einen Vollausbau um das Jahr 1980 mit 7200 Einwohnern voraussagten. Aus dieser Perspektive lancierte die Stadt Baden einen Ideenwettbewerb, aus dem das Siegerprojekt «Rosinante» des Planungsbüros Metron in Brugg hervorging.

Dättwil zählte damals 285 Einwohnerinnen und Einwohner. Obschon die Wachstumseuphorie bald gebremst wurde, setzte in Dättwil eine beeindruckende Entwicklung ein. Bis ins Jahr 2014 stieg die Bevölkerungszahl auf 3182, was einem Wachstum von über 1100 Prozent in 50 Jahren entspricht. In dieser Rasanz und Heftigkeit setzte sich die vorausgesagte Entwicklung jedoch nicht fort. Mit der geplanten Bebauung des Gebietes Galgenbuck wird aber Dättwil einen weiteren Wachstumsschub um gut 1000 Einwohner erleben.

«Wohnen, Waldrand, Tempo 30» heissen die Schlagwörter der Dättwiler Dokumente XIII, die sich eingehend der Entstehungsgeschichte der Überbauungen Rüteli, Drüteli und Schibler widmen, die dem Waldrand entlang in den leicht abfallenden Hang gesetzt wurden und das heutige Ortsbild prägen.

Der grossen Wohnüberbauung Rüteli, gezeichnet im Architekturbüro Egli Rohr und Partner, räumen die Dokumente ausgiebig Platz ein. Die sowohl städtebaulich als auch wohnarchitektonisch beeindruckende Siedlung setzte damals neue Massstäbe. Auch äusserlich erhielt sie durch die spezielle und aufeinander abgestimmte Farbgebung, die damals intensiv diskutiert wurde, eine spezielle Note. Die offen gestalteten und durch Halbtreppen gegliederten Wohnräume machen das Innenleben attraktiv, auch wenn die Bauweise heute mangels Behindertentauglichkeit kaum mehr so denkbar wäre. Viele Bewohner von damals kauften ihre Wohnungen und leben 40 Jahre später noch im Rüteli. Heute steht es wegen seiner gestalterischen Qualität als städtebaulich wertvolle Überbauung unter Ensembleschutz.

Ein weiteres Kapitel wird der imposanten Wohnüberbauung Schibler (über 100 Wohnungen) sowie der dazwischen liegenden Einfamilienhaussiedlung Drüteli, benannt nach dem Rüteli und deren Initianten – befreundete Doktores. Die drei Siedlungen liegen an der Pilgerstrasse, die während vieler Jahre zu heftigen Diskussionen Anlass gab. Über mehrere Jahre hinweg kämpften die Dättwiler dagegen, dass die Pilgerstrasse zum Autobahnzubringer oder Schleichweg wurde.

Verkehrsberuhigung war bereits in den späten 70er-Jahren ein Thema. Im Jahre 1979 erhielt die Pilgerstrasse als Vorreiterin die Beschränkung auf «Generell 50». Offiziell wurde Tempo 50 innerorts 1984 eingeführt. Als man täglich über 2100 Fahrzeuge gezählt hatte, ging der Kampf gegen den Verkehr weiter. 1987 wurde sie zur Quartierstrasse mit Tempo 30, danach baulich mit Badener Steinen ausgestattet. 1992 kam das Verbot für den Durchgangsverkehr.