Wer wie Chris Marolf auf der Badener Allmend aufgewachsen ist, kommt früher oder später in den Wald. Zum Beispiel als Pfadfinder. Um 1974 habe er zum ersten Mal an einem Orientierungslauf der Landjugend teilgenommen. Die Kopfarbeit mit Karte und Kompass fasziniert den 49-Jährigen bis heute.

Zum Laufen kam Marolf erst über Umwege. Seine berufliche Tätigkeit als Bauingenieur führte ihn für 20 Jahre nach Kalifornien. Im Silicon Valley fand er für seine eigene Firma nicht nur eine internationale und intellektuell anregende Umgebung. Chris Marolf entdeckte für sich persönlich das Marathonlaufen.

Und weil ein Marathon im ewig schönen Wetter der US-Westküste mit der Zeit eintönig wird, lief er fortan Ultramarathons. «Dabei liessen sich Ausdauerleistung und meine Begeisterung für die Berge kombinieren», sagt Marolf schmunzelnd.

Seine Erfahrungen bei der SAC-Sektion Lägern geben dabei die nötige Sicherheit im Gebirge. Denn Ultramarathons dauern oft eine ganze Woche und führen im Hochgebirge über mehrere Hundert Kilometer, von der Länge der Aufstiege ganz zu schweigen.

Auch Kinder vom OL-Virus befallen

Im Herbst 2009 entschied sich Chris Marolf mit seiner vierköpfigen Familie zum Umzug in die Schweiz. Grund: «Die Rückkehr in die Region Baden ermöglicht unseren Kindern regelmässige Kontakte zu den Grosseltern und zu anderen Verwandten«, sagt Marolf.

Er zieht nach vier Jahren in Baden-Rütihof eine positive Bilanz: «Die Kinder können sich in der Schweiz unabhängiger bewegen. Und man ist schnell im Grünen oder in den Bergen.»

Aus Interesse an Sport und Natur schloss sich Marolf 2010 der OL-Gruppe Cordoba an, die den ganzen Ostaargau abdeckt. Im Vergleich mit einem Ultramarathon sei ein OL-Wettkampf ein ungeheures Gehetze.

Es komme auf Sekunden an, statt auf Stunden, hält Marolf trocken fest. «Im Grunde genommen ist OL kompliziert. In kürzester Zeit müssen Unmengen von Informationen von der Karte und aus dem Gelände geordnet und verarbeitet werden. Das reizt mich. Und ich bin immer noch am Lernen.» Das gilt auch für die zwölfjährige Tochter Zoé und den elfjährigen Sohn Marc.

Ebenso neu ist die Mitarbeit von Chris Marolf in der Organisation eines OL-Wettkampfs. Wenn am nächsten Wochenende die weltbesten Orientierungsläuferinnen und -läufer nach Baden kommen, leitet er das Wettkampfzentrum mit 60 helfenden Händen, darunter jene seiner Familie.

Es bildet das Rückgrat für die 150 weltbesten Athleten und die 1500 Teilnehmer der beiden Publikumsläufe. Zugute kommt Chris Marolf bei dieser Aufgabe sein Engagement am letztjährigen Stadtfest beim Quartierverein Allmend-Münzlishausen. «Und natürlich der Einsatz in der Pfadi-Beiz 1980», fügt Marolf lachend hinzu. (pze)