Baden
Wie die Ameise zum besten Freund wird – der «erste Libsig» ist da

Der Wortakrobat Simon Libsig liest aus seinem ersten Roman, «Leichtes Kribbeln», vor. Es handelt von der Wichtigkeit der kleinen Dinge im Leben – klein wie die Ameise, die Libsig zum Buch inspiriert hat und die darin als «Rocky» wieder auftaucht.

Barbara Scherer
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Der Badener Simon Libsig liest im «Royal» aus seinem ersten Roman, «Leichtes Kribbeln». Barbara Scherer

Der Badener Simon Libsig liest im «Royal» aus seinem ersten Roman, «Leichtes Kribbeln». Barbara Scherer

Barbara Scherer

Es herrscht rauer Wellengang. Das Meer schäumt, während die Schiffe sich mit schwerem Geschütz beschiessen – wild geht es zu und her in der Fantasie des Jungen Marc Morgan.

Was Marc sonst noch alles an einem Sonntagmorgen passiert, erzählt Simon Libsig in seinem Buch «Leichtes Kribbeln». Es handelt sich um sein erstes Buch, das der Dichter, Geschichtenerzähler und Slam-Poet am Samstagabend im «Royal» präsentiert. Mit den immerhin 147 Seiten seines Kurzromans geht der Autor sparsam um: Er liest den Zuhörern gerade mal 10 Seiten vor.

Mit viel Humor unterhalten

In blaues Licht getaucht steht Libsig auf der Bühne, das dünne Buch in der Hand. Vor ihm steht ein schönes altes Mikrofon, das den ganzen Abend ein leichtes, aber anhaltendes Rauschen von sich gibt. Libsig lässt sich von der kleinen Panne nicht irritieren und baut die Störung gleich ins Programm ein. Mit Anekdoten aus seinem Leben und gekonnter Wortakrobatik erzählt Libsig zu Beginn von der Entstehung des Buches. Viel Schweiss und Blut stecke in dem Werk, und unzählige Stunden des Suchens nach einer Geschichte. «Das hier, meine lieben Freunde, das ist kein Buch – das ist der erste Libsig», sagt er zusammenfassend.

Während der Lesung versteht es Libsig, die Pointen auszulassen, um den Zuhörer neugierig zu machen. Gelesen wird immer nur eine Seite, dann folgt eine Darbietung von Libsigs Wortgewandtheit. Die Stimmung im Saal ist gelöst, die Zuhörer geniessen den humorvollen Abend. Auch seinen Bühnenauftritt gestaltet Libsig fidel, zum Lied «Eye oft the Tiger» betritt der frischgebackene Buchautor heroisch die Bühne und sorgt für viele Lacher.

Inspiriert habe ihn eine kleine Ameise, die eines schönen Tages auf seiner Hose herumkrabbelte. Ebenso passiert es dem Buben Marc Morgan in der Geschichte – eine Ameise krabbelt auf seiner Hand. Diese lässt sich aber nicht abschütteln – unermüdlich wie der Boxer Rocky, nach dem der Junge die Ameise schliesslich benennt.

Libsig entführt den Leser in seinem Kurzroman in die Welt eines Kindes, das noch keine Freunde gefunden hat und dessen Eltern sich schon längst auseinandergelebt haben. Doch mit der kleinen Ameise ändert sich alles – denn die kleinen Dinge sind immer wichtiger, als es scheint. Ein Buch voller feinfühliger Pointen, das unterhält und durch seine Kürze auch für Lesemuffel geeignet scheint.