Baden
«Wie ein Schock»: So trotzen die Bauarbeiter am Schulhausplatz der sibirischen Kälte

Wenn Kälte vorherrscht, kann nicht jeder in die schützende Wärme flüchten. Wie halten es Angestellte, die draussen arbeiten müssen? Die AZ hat den Bauarbeitern am Schulhausplatz in Baden einen Besuch abgestattet.

Carla Stampfli
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Arbeiten bei eisiger Kälte auf der Schulhausplatzbaustelle in Baden Arbeiten bei eisiger Kälte auf der Schulhausplatzbaustelle in Baden
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Arbeiten bei eisiger Kälte auf der Schulhausplatzbaustelle in Baden Arbeiten bei eisiger Kälte auf der Schulhausplatzbaustelle in Baden
Arbeiten bei eisiger Kälte auf der Schulhausplatzbaustelle in Baden Arbeiten bei eisiger Kälte auf der Schulhausplatzbaustelle in Baden
Arbeiten bei eisiger Kälte auf der Schulhausplatzbaustelle in Baden Arbeiten bei eisiger Kälte auf der Schulhausplatzbaustelle in Baden
Arbeiten bei eisiger Kälte auf der Schulhausplatzbaustelle in Baden Arbeiten bei eisiger Kälte auf der Schulhausplatzbaustelle in Baden
Eisige Kälte auf der Schulhausplatzbaustelle in Baden
Arbeiten bei eisiger Kälte auf der Schulhausplatzbaustelle in Baden Arbeiten bei eisiger Kälte auf der Schulhausplatzbaustelle in Baden
Arbeiten bei eisiger Kälte auf der Schulhausplatzbaustelle in Baden Arbeiten bei eisiger Kälte auf der Schulhausplatzbaustelle in Baden
Arbeiten bei eisiger Kälte auf der Schulhausplatzbaustelle in Baden Arbeiten bei eisiger Kälte auf der Schulhausplatzbaustelle in Baden
Arbeiten bei eisiger Kälte auf der Schulhausplatzbaustelle in Baden Arbeiten bei eisiger Kälte auf der Schulhausplatzbaustelle in Baden

Arbeiten bei eisiger Kälte auf der Schulhausplatzbaustelle in Baden Arbeiten bei eisiger Kälte auf der Schulhausplatzbaustelle in Baden

Carla Stampfli

Die Kälte und die Bise peitschen gnadenlos ins Gesicht. «Wegen sehr starker Kälte ist der Grill bis auf weiteres eingestellt», heisst es auf dem Rost im Container-Dorf auf der Schulhausplatz-Baustelle in Baden. «Am Freitag haben wir noch grilliert. Das ist jetzt unmöglich. Der Grill bringt die nötige Heizleistung nicht mehr», sagt Bauarbeiter Patrick Hauser und reicht einem Kollegen ein paar Handschuhe aus dem Magazin. Auch Maschinen wie etwa der Dumper, ein Baustellenfahrzeug mit einer kippbaren Mulde, seien aufgrund der Kälte heute Morgen nicht mehr gestartet.

Seit gestern Montag hält die sibirische Kälte die Schweiz im Griff. Wie gehen Bauarbeiter damit um? «Wir müssen flexibel bleiben und unsere Kräfte dort einsetzten, wo es möglich ist», sagt Hauser. Chefbauleiter Michele Carrer fügt an, dass aufgrund der angekündigten Kältewelle bereits letzte Woche Massnahmen eingeleitet worden seien. «An mehreren Stellen haben wir die Plastik-Einhausungen mit Heizlüftern ausgestattet und so zusätzlich geheizt. Dadurch gefriert der Mörtel nicht», erklärt er.

Zudem würden derzeit vermehrt Arbeiten in der Tunnelgarage ausgeführt, wo es wärmer ist. Dennoch müssen aufgrund der Kälte einige Arbeiten verschoben und zu einem späteren Zeitpunkt gleichzeitig mit anderen ausgeführt werden, sagt Carrer. «Dank der eingeleiteten Massnahmen können aber Bauverzögerungen verhindert und Endtermine eingehalten werden.»

Nach Zwiebelsystem gekleidet

In der Tunnelgarage ist es tatsächlich etwas wärmer. Eine kleine Ölheizung sorgt hier dafür, dass die Luft nie unter zehn Grad fällt. «Zusätzlich haben wir die Tunnelgarage mit Plastikblachen in drei Abschnitte geteilt. So bleibt die Wärme besser erhalten», sagt Bauarbeiter Patrick Hauser. Lehrtochter Nadine Leibundgut ist froh, kann sie vor den eisigen Temperaturen geschützt die Mauer eines Schachts in der Tunnelgarage abtragen. «Es ist extrem kalt. Aber wenn man sich immer bewegt, geht es eigentlich ganz gut», sagt Leibundgut. Auch sei sie nach dem Zwiebelsystem gekleidet und trage Thermowäsche, was sehr hilfreich sei. «Bewegung und richtige Kleidung sind das Wichtigste», bestätigt Hauser, der ebenfalls mehrere Schichten anhat. Weil er aber jederzeit telefonisch erreichbar sein muss, trägt er keine Handschuhe. «Das ist nicht so schlimm. Denn letztlich gewöhnt sich der Körper an die Kälte.»

Einzig die Minuten nach der Mittagspause seien für alle sehr unangenehm. «Es ist wie ein Schock, wenn du nach einer Stunde in der Wärme wieder nach draussen gehen musst und dir die eisige Luft entgegen peitscht», sagt Hauser und verzieht das Gesicht. In diesem Moment beisse man einfach die Zähne zusammen. Helfen tue ihm dabei auch der Gedanke an den Feierabend: «Sobald ich zu Hause ankomme, lasse ich mir ein heisses Bad ein und wärme mich richtig auf.»

So halten die Menschen in Baden die frostigen Temperaturen aus:

Renate Samardzic (60) aus Klingnau «Da ich draussen arbeite, ist es besonders wichtig, warm angezogen zu sein. Ich trage Thermokleider und spezielle Schuhsohlen. Zusätzlich versuche ich, so gut es geht, in Bewegung zu bleiben. Nach der Arbeit will ich nur noch nach Hause.»
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Yannik Meier (25) aus Dottikon «Ich trage wirklich warme Kleidung, aber mit dem Wind ist es nicht auszuhalten. Da ich draussen arbeite, hat mein Unternehmen den meisten freigegeben. Man will nur noch drinnen sein und einen Kaffee oder Tee trinken.»
Philipp Wyss (47) aus Ennetbaden «Ich mag die Kälte sehr. Trotzdem freue ich mich auf den Frühling. Zum Glück haben wir aber erst jetzt zum Ende des Winters Minustemperaturen. Dadurch konnte sich der Körper wenigstens etwas an das kalte Wetter gewöhnen.»
Musli Asani (28) aus Hägglingen «Ich arbeite als Maurer, daher bin ich die Kälte gewohnt. Jetzt ist es aber so kalt, dass das Unternehmen, bei dem ich arbeite, mir drei Tage freigegeben hat. Bei diesen Temperaturen nützen selbst die Thermohosen, die ich anhabe, nichts.»
Samantha Crook (34) aus Baden «Bei diesen Temperaturen hilft nur warm anziehen und viel Tee trinken. Zum Glück arbeite ich im Büro, da ist es schön warm. Ich freue mich sehr auf den Frühling, dann kann man wieder viel mehr Dinge unternehmen.

Renate Samardzic (60) aus Klingnau «Da ich draussen arbeite, ist es besonders wichtig, warm angezogen zu sein. Ich trage Thermokleider und spezielle Schuhsohlen. Zusätzlich versuche ich, so gut es geht, in Bewegung zu bleiben. Nach der Arbeit will ich nur noch nach Hause.»

Daniela jeanneret