Baden
Wie erhalten über 50-Jährige ihre Jobchancen?

Fachleute diskutierten über den Handlungsbedarf bei über 50-jährigen Arbeitnehmern und zeigten auf, dass gute Berufsaussichten bis ins Rentenalter möglich sind – aber nur mit permanenter Weiterbildung.

Irene Hung-König
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Theo Wehner (rechts) referiert über die Flexibilität der älteren Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer. René Bossard (links) und Thomas Buchmann (Mitte) hören zu.

Theo Wehner (rechts) referiert über die Flexibilität der älteren Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer. René Bossard (links) und Thomas Buchmann (Mitte) hören zu.

Irene Hung-König

Die Frauen und Männer auf den Plakaten lächelten, darunter standen gross gedruckte Zahlen. Passanten staunten beim Vorbeigehen: «Dieser Mann ist doch nicht erst 28 Jahre alt?», entfuhr es ihnen. Beim näheren Hinsehen wurde klar: Die 28 steht für die Anzahl Berufsjahre. Die Plakate warben für «Verborgenes Gold statt altes Eisen». Das Regionale Arbeitsvermittlungszentrum Baden lud am Donnerstagabend in den Meierhof nach Dättwil, um die Problematik für über 50-jährige Arbeitnehmende auf Stellensuche zu diskutieren.

Regierungsrat Urs Hofmann erklärte, weshalb die kantonale Kampagne «Potenzial 50plus» lanciert wurde: «Unsere Arbeitslosenstatistik ist auf einem Auge blind, weil ältere Arbeitnehmende nicht mehr als arbeitslos, sondern ausgesteuert gelten.» Die Kampagne brauche es auch, weil ältere Arbeitnehmer oft sehr lange auf Stellensuche seien.

Zwei Beispiele aus seinem Umfeld zeigten, wie schwierig die Arbeitssituation ist: Hofmann traf an einer Klassenzusammenkunft auf zwei Kollegen, die seit einem Jahr arbeitslos waren: «Sie waren zu anderen Menschen geworden.» Daneben standen solche, die sich danach sehnten, mit 60 Jahren endlich in Pension zu gehen. Sie seien beruflich erfolgreich und stünden deshalb unter enormem Druck.

Theo Wehner, Professor für Arbeits- und Organisationspsychologie an der ETH Zürich, lieferte in seinem Referat «Arbeiten bis 70 – zwischen Wunsch und Wirklichkeit» Anmerkungen aus arbeitspsychologischer Sicht. «Gesundheit ist wichtig, jedoch spielt die Zufriedenheit im Beruf eine grosse Rolle bei der Frage, ob sich die Menschen bis zum Rentenalter arbeitsfähig fühlen», analysierte er.

«Ü50 werden nicht eingestellt»

An der Podiumsdiskussion im Meierhof fragte Moderator Volker Strohm den Präsidenten des aargauischen Gewerbeverbands Kurt Schmid, ob seine Mitglieder – die Firmen – die Ursache des Problems seien. «Nein, ganz und gar nicht. Ich bin überzeugt davon, dass die Leute im Kanton Aargau bei einer Entlassung nicht einfach sprichwörtlich ‹auf die Strasse gestellt› werden», entgegnete Schmid.

Der Leiter des kantonalen Amts für Wirtschaft und Arbeit, Thomas Buchmann, sagte: «Die über 50-jährigen Arbeitnehmer werden oft gar nicht eingestellt.» Das Fazit fiel eindeutig aus: Alle anwesenden Arbeitgeber und Personalfachleute waren sich einig, dass eine permanente Weiterbildung die Essenz des langfristigen Erfolgs auf dem Arbeitsmarkt sei. «30 Jahre im selben Betrieb zu arbeiten, ist heute keine Referenz mehr», sagt Kurt Schmid abschliessend.