Neuenhof

Wie es der Tankwart zum Händler von Ami-Schlitten geschafft hat

Die Familie Matter in ihrer Garage in Neuenhof.

Die Familie Matter in ihrer Garage in Neuenhof.

Vor genau 70 Jahren stieg Erhard Matter, Gründer der Garage Matter AG an der Zürcherstrasse in Neuenhof, in die Autobranche ein: Im Alter von 14 Jahren arbeitete Matter als Tankwart in einem Betrieb im oberen Aargau und arbeitete sich zum Autoverkäufer hoch.

Während seiner Anstellung bei der ehemaligen Garage Léoni in Baden kam Erhard Matter mit den grossen amerikanischen Wagen in Kontakt. «Wir verkauften viele Wagen an amerikanische Manager, die bei der BBC arbeiteten», erklärt Matter. «Sogar Sidney Brown, dem Gründer der BBC, konnten wir ein Auto verkaufen», sagt er stolz.

Aller Anfang ist schwer

Während der Zeit bei der Garage Léoni entstand Matters Begeisterung für die amerikanischen Wagen. «Das Fahren von amerikanischen Wagen begründete eine völlig neue Fahrkultur. Auch waren sie für die damalige Zeit äusserst modern», erklärt er sein Faible für Chevrolet, Corvette und Cadillac. Als die Garage Léoni 1963 ihre Tore schloss, musste Matter sich neu orientieren. Deshalb beschloss er, sich selbstständig zu machen und Vertreter von amerikanischen Marken zu werden. Zusammen mit seiner Frau eröffnete er die Garage in Neuenhof. «Das war wie ein Sprung ins kalte Wasser, doch ich blieb immer optimistisch», meint Matter. Gesundes Selbstvertrauen war auch nötig, denn der Beginn war schwierig: Die Miete der Liegenschaft war hoch und der aufgenommene Kredit knapp. «Wir konnten uns zu dieser Zeit wenig leisten», meint Eva Matter.

Doch der Aufschwung kam: Mit der Übernahme der Toyotavertretung und dem Kauf der Liegenschaft stand der Betrieb auf sichereren Beinen. «1969 konnten wir im Kursaal Baden sogar die neusten japanischen Modelle ausstellen», verrät Erhard Matter mit einem Glänzen in den Augen. Trotzdem hatte das Unternehmen immer wieder mit Wirtschaftskrisen und dem schwankenden Dollarkurs zu kämpfen.

Lieber Autohändler als Fussballer

Trotzdem konnte sich das Unternehmen 50 Jahre lang bis heute behaupten und wird bereits von der zweiten Generation geführt. Dieter Matter, der die Betriebsführung 1990 übernahm, wuchs sprichwörtlich in der Garage auf. Obwohl er sich für Autos interessierte, hatte er zuerst andere Berufswünsche: «Ich wäre fast Profi-Fussballer geworden», sagt Matter, der in seiner Jugend für den FC Wettingen und für die Jugendnationalmannschaft kickte. Er meint aber selbstbewusst: «Ich habe hier die interessantere und sicherere Laufbahn eingeschlagen.»

Ami-Schlitten: Keine Spritschleuder

Heute vertreibt die Garage Suzuki, Opel sowie die klassischen Amerikaner Chevrolet, Corvette und Cadillac. Dass die «Ami-Schlitten», wie sie im Volksmund genannt werden, «Spritschleudern» seien, lässt Dieter Matter so nicht gelten: «Das war früher so. Die neuen Modelle verbrauchen aber nicht mehr Benzin als ähnliche Modelle anderer Marken.»

Unterdessen steht bereits die dritte Generation der Familie Matter im Betrieb: Matters Sohn absolviert eine Berufslehre, seine Tochter arbeitet neben ihrer Marketingausbildung in der Garage. Dieter Matter meint: «Das Geschäft wurde schnelllebiger. Doch wir machen weiter und schauen, was die Zukunft bringt.»

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