Baden

Gambler kommen auch in Coronakrise ins Grand Casino – so werden hier die Schutzmassnahmen umgesetzt

Gespannt auf die kleine Kugel schauen ist mit Masken unproblematisch.

Gespannt auf die kleine Kugel schauen ist mit Masken unproblematisch.

Casinos ist es erlaubt, auch nach 23 Uhr offen zu haben. Im Casino Baden gibt es strenge Auflagen, um die Hygiene- und Abstandsregeln einzuhalten, damit mit Geld, nicht aber mit der Gesundheit gespielt wird.

Ein Mercedes hält beim Valetservice an. Mehrere Männer steigen aus dem Auto, der Fahrer übergibt einem Angestellten mit Schutzmaske seine Schlüssel. Die Männer in Anzug verschwinden hinter der Drehtür, eine Glasscheibe nach der anderen, während der Wagenmeister das luxuriöse Auto neben vier weiteren Vertretern der ehrwürdigen deutschen Marke parkiert.

Beim Haupteingang des Grand Casino Baden fühlt sich also fast alles so an, wie die an Bahnhöfen präsenten Werbeplakate suggerieren: Teure Autos, schwarze Fracks, leuchtende Augen von Spielern, die auf den grossen Gewinn in den Innenräumen hoffen.

Vielversprechende Plakate

Vielversprechende Plakate

Beim Eingang fühlt sich ebenfalls vieles an wie üblich. Schon vor dem allgegenwärtigen Contact-Tracing zeigte man da einen Ausweis. Das ist gesetzlich vorgeschrieben. Und nach bald neun Monaten Pandemie merken wir beim Betreten des Erlebnisortes kaum noch, dass alle Masken tragen.

Die Plexiglasscheiben, welche die Croupiers schützen, die Spielautomaten trennen, die Desinfektionsflaschen: Diese Bilder sind mittlerweile so familiär, dass man sie kaum noch wahrnimmt.

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Casinos sind wie Museen und dürfen offen bleiben

Und doch ist das «business» für die Casinobetreiber nicht «as usual.» Anders als Restaurants und Bars durften Casinos offen bleiben, was bei vielen in der Gastrobranche für Unverständnis sorgte, wie die «Basler Zeitung» oder «20 Minuten» vergangene Woche berichteten. Gemäss der «Basler Zeitung» stufen die Behörden die Casinos weder als Gastrounternehmen noch als Veranstalter ein, weil die Bewegungsmöglichkeiten grösser seien – ähnlich wie bei Museen. Casinos müssen aber auf Getränkeausschank und Essen nach 23 Uhr verzichten.

Gleichwohl berichtete die BaZ von «Zocken bis in den Morgenstunden» im Grand Casino Basel, von mangelnden Sicherheitsabständen und von zahlreichen Besuchern, die nach der Schliessung der Restaurants und Bars ins Grand Casino einströmten.

Ein letztes Bier im Casino

Solche Szenen können sich die Betreiber des Badener Casinos nicht vorstellen. «Unter normalen Umständen ist es schon so, dass Leute nach der Schliessung von Bars und Restaurants ein letztes Bier bei uns nehmen», erklärt Patrick Konzack, Chief Gaming Officer. Aber seit den strengeren Massnahmen von Bund und Kantonen sei es nicht mehr vorgekommen; für Gelegenheitsbesucher, die hinkämen, um den Ausgang nach Club- und Barschliessung zu verlängern, ist das Casino durch die Einschränkungen wenig attraktiv. «Es bleiben vor allem spielaffine Menschen nach Ende des Ausschankes», erklärt Konzack.

Patrick Konzack, Chief Gaming Officer

Patrick Konzack, Chief Gaming Officer

An diesem Mittwoch kann von Andrang jedenfalls nicht die Rede sein. Menschen verteilen sich an den Spielautomaten mühelos, die Plexiglasscheiben trennen sie von unbesetzten Maschinen. In den unteren Etagen sind ganze Reihen leer, geziert mit einem Sticker auf dem Bildschirm: «Dieses Gerät wurde frisch gereinigt.» Wer eine Maschine benutzt, muss den Kleber wegnehmen – ein Hinweis an das Reinigungsteam, den Platz nach dem Verlassen des Kunden zu reinigen.

Teils sind ganze Reihen Automaten leer.

Teils sind ganze Reihen Automaten leer.

Keine Pokerfaces mit Schutzmasken

Die Auslastung unter der Woche ist gemäss dem Spielverantwortlichen Konzack fast wie an gewöhnlichen Wochentagen, am Wochenende zeige sich vor allem der wahre Rückgang der Kundschaft. Patric Keller, der für den Sicherheitsdienst zuständig ist, erklärt, dass die Anzahl Besucher limitiert wird. Die Ein- und Ausgänge werden erfasst, so wissen die Betreiber jederzeit, wie viele Leute sich im Casino aufhalten.

Patric Keller, Bereichsleiter Betriebs- und Sicherheitsdienst

Patric Keller, Bereichsleiter Betriebs- und Sicherheitsdienst

Ist eine Grenzmenge überschritten, lassen sie niemanden mehr ein. Obschon er froh um die Nichtschliessung des Betriebes ist, bedauert Konzack schon einen «empfindlichen Rückgang der Kundschaft». Entsprechend sitzen bloss vereinzelt Menschen am Blackjack-Tisch. Über dem Croupier blinken elektronische Zahlen: 117 000 Franken für den Mega-Jackpot. Um den zu gewinnen, sind vier Asse in der Hand notwendig. Der Betrag war im Casino noch nie so hoch.

Pokern wegen Sicherheitsabständen nicht möglich

Anders als bei den Blackjack- und den Texas-Holdem-Tischen steht ein ganzer Bereich leer: die Pokertische. Konzack erklärt, dass man darauf verzichten musste. «Normalerweise sitzen zehn Spieler an einem Tisch. Mit weniger Teilnehmenden macht es wenig Sinn, zu pokern, und hier konnten wir die Sicherheitsabstände nicht einhalten.» Dabei hätten wir fast erwartet, nun Spieler mit Schutzmasken zu beobachten, die ihre Pokerface vergeblich abzulesen versuchen.

Mit dem Gästerückgang sinkt auch der Umsatz. Zudem wurden im Rahmen des Schutzkonzeptes sieben neue Positionen geschaffen, die mit bestehenden Mitarbeitenden besetzt wurden. Konzack macht sich mittelfristig jedoch keine Sorgen um das Casino. Es gebe noch keine zuverlässige Datenlage, die einen dauerhaften Übergang der Kunden auf Onlinegaming während der Pandemie zeige. Das erklärt Konzack damit, dass ein Casino viel mehr als die Gelegenheit zu spielen anbiete: «Wir verkaufen kein Produkt, sondern eine Atmosphäre.»

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Wer übrigens jetzt hofft, sich an die 117'000 Franken im Pot heranzuwagen, den müssen wir leider enttäuschen: Zwei Tage nach unserem Besuch zog ein Kunde vier Asse.

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