Um den indonesischen Vulkan Anak Krakatau ist in den letzten Tagen wieder etwas Ruhe eingekehrt. Kurz vor Weihnachten war bei einem Ausbruch ein Teil der Kraterwand abgebrochen. Die Erdmassen rutschten ins Meer und lösten eine fünf Meter hohe Tsunamiwelle aus, die die Küsten der Inseln Sumatra und Java überschwemmte. Über 430 Menschen kamen dabei ums Leben, mehr als 14 000 wurden verletzt. Tausende Menschen in Indonesien sind seither obdachlos.

Einer, der den Anak Krakatau aus nächster Nähe kannte, war der Badener Robert Meier. Er war um 1930, als 32-Jähriger, Hoteldirektor im damaligen Batavia, der Hauptstadt von Niederländisch-Indien. Er flog als Passagier einer dreimotorigen Fokker mit 160 Stundenkilometern über den Vulkan, der damals gerade erst aus dem Meer emporwuchs. Das steht so in einem Erlebnisbericht, den Meiers Neffe Franz Streif gut aufgehoben hat. Darin heisst es: «Batavia, die Königin des Ostens, liegt unter uns. Noch ist kein Verkehr in den Strassen und alles ist wie ausgestorben. Alles noch in tiefster Ruh, als drohe nicht der Krakatau.»

Das Kind des Krakataus

Das Flugzeug hob an einem Sonntagmorgen um 6.10 Uhr vom Flugplatz ab. Als sich die Fokker dem Vulkan näherte, streckte Meier den Kopf aus dem Fenster: «Unsere Kiste neigt sich backbord zu und in einem zierlichen Bogen fängt sie an zu sinken. (...) Wir sehen vorerst nichts als eine grosse weisse Wolke, die sich turmhoch über den Wasserspiegel erhebt. Immer mehr ballt und formt sich etwas da unten, stösst nach oben, wie von einer Riesenhand geschoben und schon reicht die Wolke über uns hinaus.»

Der Anak Krakatau, das «Kind des Krakatau», ist der bis heute aktive Schlot im Krater des Vulkans Krakatau, der im August 1883 bei einer gewaltigen Explosion zerstört wurde und im Meer versank. Der Ausbruch war eine der gewaltigsten Eruptionen der jüngeren Geschichte und hatte Auswirkungen auf die ganze Welt. Die entstandene Flutwelle wurde bis nach Europa registriert. Rund um die Erde verfärbte sich der Himmel rot von der Asche.

Seit 1927 begann sich im zerstörten Krater auf dem Meeresgrund ein neuer Vulkankegel zu erheben. Robert Meier schreibt in seinem Bericht von 1930: «Zum Glück sind wir so an die 1800 Meter davon weg und hüten uns, näher ran zu kommen. Im Gegenteil, unser Pilot zieht eine 8 und der Schnittpunkt davon ist gerade vor der Wolke. Da – auf einmal scheint es aufzuhören. Die Gas- und Dampfwolke treibt ab in der entgegengesetzten Richtung und wir sehen die allerjüngste Insel der Erde vor uns liegen. Anak-Krakatau, Kind des Krakatau. Halbmondförmig, mit einem grossen Kratermunde an der östlichen Seite, liegt sie schräg unter mir. Es zischt und brodelt aus dem Hexenkessel.»

Die Eruptionen müssen gewaltig gewesen sein: «Ah ... da ... ein Gedonner und Getöse, das selbst das Heulen der Motoren übertönt und schon spritzt es einige hundert Meter in die Höhe. Eine Lavagarbe, rotglühend in Mocken und Brocken saust durch die Luft, fällt zischend und rauchend zurück auf die kaum einige Meter über den Wasserspiegel sich erhebende neue Insel und rund herum ins Wasser.»

Von Baden nach Batavia

Robert Meiers Neffe Franz Streif ist mit seinen Geschwistern in der Badener Kronengasse aufgewachsen. Er erinnert sich, wie sie als Kinder einmal in der Woche «bei Onkel Robert» im nahen Freihof baden durften. Meier war nach seiner Zeit in Indonesien nämlich nach Baden zurückgekehrt und bewarb sich 1939 als Verwalter im Badhotel Freihof. Die Hotelbranche durchlebte da eine schwierige Zeit: Auf die Stelle im Freihof bewarben sich nicht weniger als 129 Kandidaten.

Meier machte das Rennen und heiratete im selben Jahr die Badener Hauswirtschaftslehrerin Anna Peterhans. Da hatte er schon ein bewegtes Leben hinter sich: Aufgewachsen war Meier als Sohn des Malermeisters Robert Meier senior am Schlossbergplatz und an der Zürcherstrasse. Er besuchte in Baden die Primar- und die Bezirksschule, ab 1917 die Hotelfachschule in Luzern und arbeitete dann unter anderem im «Schweizerhof» in Bern.

Holländisch und Javanisch

1920 zog es Robert Meier nach Niederländisch-Indien. Auf Sumatra besorgte er zuerst die Administration einer grossen Teeplantage. Bald wurde er Chef de Réception im Berghotel Tosari auf Java, auf 1800 Metern über Meer. In der Hauptstadt Batavia, dem heutigen Jakarta, kam Meier 1923 ins prächtige «Hotel der Nederlanden», bevor er 1925 zweiter Direktor des «Hotel des Indes» wurde – eines der ältesten und renommiertesten Hotels in Asien.

Obwohl er Holländisch, Englisch, Javanisch und Malaiisch sprach: Erster Direktor konnte Meier nicht werden, weil er nicht niederländischer Staatsbürger war. So kehrte er nach Baden zurück und wohnte mit seiner Familie bis zur Pensionierung 1964 im Freihof, danach an der Austrasse. Als Ortsbürger war er Verwalter der Goldwandreben und als Mitglied der Kursaal-Kommission hatte er sonntags die Aufsicht über den Spielbetrieb im Casino. 1978 starb Robert Meier im Alter von 80 Jahren in Baden.