Baden
Wie immer sind am Ende alle Tot - zumindest bei Shakespeare

«Good girl – bad girl» feierte im C4T Premiere Elisabeth Seiler überzeugte in der One Woman Show zu Shakespeares «King Lear».

Katia Röthlin
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Elisabeth Seiler beeindruckt durch ihr Schauspiel. kru

Elisabeth Seiler beeindruckt durch ihr Schauspiel. kru

Klein ist der Raum. Schwarze Wände, schwarze Tische, schwarze Stühle, ein langer Holztisch mit Stühlen, ein Holzpodest. Kerzen brennen. Das Publikum sitzt auf roten Kissen, die überall im Raum verteilt sind. Auf Zetteln an den Wänden stehen Ausschnitte aus Shakespeares «King Lear».

Elisabeth Seiler betritt den Raum. Sie ist ganz in Schwarz gekleidet, trägt schwere Stiefel an den Füssen. In den Armen wiegt sie eine Puppe, singt ihr leise ein Gutenachtlied, schreitet durch den Raum, nimmt von ihm Besitz.

Konzentriert und ernst

Die rund 25 Premierengäste – mehr haben im C4T an der Kronengasse nicht Platz – werden sofort in ihren Bann gezogen. Die Atmosphäre bleibt während der rund eineinhalb Stunden der Vorstellung hoch konzentriert, es wird nicht gesprochen, selten gelacht.

Elisabeth Seiler hat sich – in Zusammenarbeit mit dem Regisseur Bert De Raeymaecker – ein schwieriges Stück vorgenommen. «King Lear» von William Shakespeare zeigt die Tragik einer Familie auf, die geprägt ist von Machtgier. Wie immer bei Shakespeare sind am Ende alle tot. Die Frage muss erlaubt sein: Schafft es eine Frau im Alleingang, diese grosse Geschichte glaubwürdig und fesselnd zu erzählen?

Elisabeth Seiler schafft es. Spielend wechselt sie zwischen den verschiedenen Persönlichkeiten hin und her, verkörpert mal den herrschenden King Lear, der langsam zum Wahnsinnigen wird, dann wieder die intriganten Schwestern Goneril und Regan oder die ehrliche Cordelia. Geschickt verwebt sie die einzelnen Szenen, in dem sie Teile der Geschichte dem Kind in ihren Armen erzählt. Durch die Intimität des Raumes wird das Publikum in die Geschichte hineingezogen, ohne aktiv Teil davon zu sein.

Nur noch lustige Stücke

Nach der Premiere sind die Zuschauerinnen und Zuschauer sichtlich beeindruckt. Elisabeth Seiler ist etwas überwältigt: «Ich habe immer in einem leeren Raum geprobt. Den Raum jetzt so voll zu sehen, hat mich umgehauen.» Berührt nimmt sie die Gratulationen ihrer Gäste entgegen und verspricht: «Jetzt mache ich nur noch lustige Stücke.» Sie habe bereits eine Idee für ein eigenes Stück: «Bis jetzt hatte ich einfach noch keine Zeit, es aufzuschreiben.»

«Good girl – bad girl»

Freitag, 26. April, und Samstag, 27. April, jeweils 20 Uhr im C4T, Kronengasse 4, Baden. Reservationen: Bert De Raeymaecker, 076 396 03 31 oder bertderaeymaecker@gmail.com.

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