Baden
Wie Louis Dreyer in Sohn Dano den idealen Nachfolger gefunden hat

Wo in der Agentur das Mineralwasser mit Kohlensäure steht, musste der Junior dem Senior erst erklären. Ansonsten hat er den Betrieb nicht auf den Kopf gestellt. Dano Dreyer ist der neue Chef, doch Vater Louis ist mehr als nur geduldet.

Roman Huber (Interview)und Alex Spichale (Foto)
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Louis Dreyer (67) hat die Mach AG an Sohn Dano (36) übergeben und kann sich langsam aus dem Business zurückziehen.

Louis Dreyer (67) hat die Mach AG an Sohn Dano (36) übergeben und kann sich langsam aus dem Business zurückziehen.

Man kooperiert partnerschaftlich, oder vielmehr familiär. Denn der wichtigste Mitarbeiter des Juniorchefs ist nach wie vor «de Papi».

Dano Dreyer, seit 18. Juli sind Sie als geschäftsführender Inhaber der Mach AG im Handelsregister aufgeführt. Die Übergabe fand aber erst im August statt. Warum?

Dano Dreyer: Die Aktienübergabe war schon im Mai, mit der Kommunikation haben wir aber bis zum Stadtfest zugewartet.

Sie sind auch noch in der Badener Eventszene engagiert. Reduzieren Sie nun in diesem Bereich?

Dano: (schmunzelt) Nicht unbedingt. Nur: Die von mir aufgebaute Organisation («Nachtbrise», Anmerkung der Red.) funktioniert mittlerweile auch ohne mich.

Was hat sich für Sie verändert seit der Geschäftsübergabe?

Louis Dreyer: Die innerliche Gewissheit, dass die Übergabe jetzt ein Fakt ist. Auf diesen Punkt habe ich rund zehn Jahre hingearbeitet.

Und «äusserlich» – in der Realität?

Louis: Organisatorisch habe ich noch Problem, das reduzierte Pensum in der Agenda umzusetzen. Von 140 auf 60 Prozent zu reduzieren, ist eine Herausforderung.

Sie sind auch noch VR-Präsident?

Louis: In einer Übergangsphase, das haben wir bewusst so geregelt. Bei wichtigen Entscheiden diskutiere ich mit, aber aus der zweiten Reihe.

Sie die Hände weiterhin am Steuer?

Louis: Nein, eben nicht mehr. Mein Sohn ist seit drei Jahren in der Firma, eine relativ kurze Zeit. Die Geschäftsführung ist eine Aufgabe, die viel Erfahrung benötigt, auch mit langjährigen Kunden. In drei Jahren kann man nicht das gesamte Know-how erwerben, darum braucht es noch den Wissens-Transfer.

Ist der Junior-Chef froh, dass der Senior noch da ist?

Dano: Einerseits ja, ich profitiere von seiner Erfahrung. Andererseits muss ich hier alleine durch. Es wäre nicht gut, wenn man nicht spüren würde, wer jetzt am Ruder ist.

Louis: Falls Sie den Schatten des mächtigen Vaters ansprechen wollen: An der Wochensitzung montags in der Agentur bin ich nicht da, weil ich nicht dreinschwatzen will.

Sie ärgern sich also nicht über den dreinredenden Vater?

Dano: Im Gegenteil, ich hätte höchstens ein ungutes Gefühl, wenn er sich zu rasch zurückziehen würde.

Was ändert sich für die Kunden?

Dano: Das vordringliche Ziel ist, dass sich punkto Qualität der Beratung gar nichts ändert. Primär ändert sich, dass man jetzt mit dem Junior zu tun hat, der auch andere Ansichten haben kann.

In welcher Hinsicht?

Dano: Wir haben heute neue, schnelle Medien. Ich bin damit aufgewachsen. Das soll der Kunde spüren.

Louis: Ich habe zwar auch ein Facebook-Profil, doch da merke ich schon den Generationenunterschied.

Gibts künftig bei der Mach AG also mehr Marketing per Mobile als auf Weltformat-Plakaten?

Dano: Man kommt heute nicht um die neuen Medien herum. Doch die klassische Werbung bleibt Bestandteil unseres Handwerks.

Die Mach AG steht auch für nationale Kampagnen. Wie bleibt sie am Ball nach dem Führungswechsel?

Louis: Das war ein subtiler Prozess. Seit Eintritt von Dano in die Firma habe ich ihn mit den Kunden bekannt gemacht und so den Wechsel vorbereitet. Für einige Mandate habe ich mich weiter als zuständig erklärt. Für eine wichtige nationale Kampagne haben wir gemeinsam den Wettbewerb gewonnen, die Projektleitung liegt aber jetzt bei Dano.

Hat Sie das Marketing-Business schon immer interessiert?

Dano: Früher war es einfach das Business meines Vaters, ich wollte etwas Anderes. Dann habe ich den Bereich Marketing in der Bierbranche von Kundenseite her erlebt. Und dann hat es mich richtig interessiert.

Also keine von langer Hand geplante, familieninterne Übernahme?

Louis: Nein. Nach dem zweiten Fehlversuch einer firmeninternen Übergabe ist am Familientisch plötzlich der Name Dano gefallen. Dann hat er hat innert 14 Tagen zugesagt.

Stand er unter Druck?

Louis: Nein. Ich habe Dano sogar davor gewarnt, worauf er sich da einlassen würde.

Dano: Der erste Schritt kam sogar von mir selber.

Wurde vorher nie über eine solche Lösung diskutiert?

Louis: Wie bei jedem selbständigen Unternehmer wurde zu Hause am Familientisch über das Geschäft gesprochen. Da gibt es natürlich die versteckten Botschaften.

Also wurde das Thema nach den gescheiterten Anläufen aktuell?

Louis: Anlass war das Schlamassel nach dem zweiten Versuch.

Dano: Da habe ich gesagt, dass mich der Job interessieren würde – das wäre fünf Jahre früher noch nicht der Fall gewesen.

Sieh, das Gute liegt so nah, Goethe.

Louis: Ein schönes Sprichwort, aber bei einer familieninternen Nachfolge ist das nicht unbedingt so, es können Probleme entstehen.

Zum Beispiel bei Geschwistern die erbschaftliche Regelung.

Louis: Es ist so, dass eine solche Nachfolge von Beginn weg sauber geregelt sein muss. Dazu haben wir Treuhänder und Jurist beigezogen.

Haben Sie als Agentur in Baden heute noch eine Chance gegen Zürcher Konkurrenten?

Louis: Manchmal war es schwer, in einer Wettbewerbspräsentation gegen Zürcher Büros antreten zu müssen. Es gibt Kunden, die sich gerne mit einer Zürcher Agentur schmücken möchten. Letztlich zählt aber die gute Idee.

Mach AG ist eine kleine Agentur. Kann sie national konkurrieren?

Louis: Ja, das können wir. Es braucht heute viel Energie und Aufwand, um auf dem nationalen Markt mitmischen zu können. Dazu kommt, dass Firmenfusionen die Zahl der Mandate in den vergangenen Jahren schwinden liessen.

Wie rüsten Sie sich für die Zukunft?

Dano: Indem wir weiter für unsere Stärken einstehen und mit Neuem neue Kunden gewinnen.

Welche Stärken sind das?

Dano: Mach AG ist ein Full-Service-Agentur, die alles übernimmt, vom Konzept bis zur Umsetzung. Wir sind gut vernetzt, verstehen etwas von Kommunikation und können uns schnell auf neue Situation einstellen.

Stichwort neue Medien: Auf Online-Portalen muss man oft verärgert erst die Werbung wegklicken.

Dano: Das wird Teil der Zukunft bleiben. Die Anzahl Klicks im Internet sagt nichts darüber aus, ob dahinter ein kaufwilliger Kunde steckt.

Werbung wider Willen des Konsumenten?

Dano: Genau. Da müssen wir den Kunden richtig beraten, ob es ihm mehr schadet oder nützt.

L. Dreyer: Entscheidend wird ein guter Mix sein über neue und klassische Medien.

Also nicht primär neue Medien?

Dano: Auch diese müssen erst richtig genutzt werden. Der Börsenkurs von Facebook sagt viel aus. Bei Facebook lässt sich Werbung ausschalten Für den Unternehmer stellt sich die Frage, wie er dieses Gefäss nutzen soll. Hier liegt oft das Defizit.

Wie berät man da die Kunden?

Dano: Indem man täglich mit diesen Medien zu tun und das Know-how hat.

Was bringt Ihr Sohn für eine erfolgreiche Zukunft mit?

Louis: Den unternehmerischen Geist. Er hat mit eigenem Geld demonstriert, dass er die richtige Einstellung und eine gewisse Risikobereitschaft hat.

Was hat Ihnen der Vater mitgegeben?

Dano: Das hat im Elternhaus begonnen: Anstand und Respekt den Personen gegenüber.

Und im Business?

Dano: Mein Vater arbeitet akribisch genau, macht zu jeder Besprechung ein Papier. Dies zu tun hat mich manchmal genervt. Ich habe eher «hauruckmässig» gearbeitet. Heute weiss ich, dass seine Arbeitsweise richtig ist.

Wie denken Sie über die Zukunft?

Dano: Es wird härter, denn der Markt ist von Agenturen und Kommunikationsleuten übersättigt. Nur wer gut arbeitet, kann bestehen. Heute wissen zu wollen, was in drei Jahren sein wird, wäre anmassend.

Was stimmt Sie zuversichtlich?

Dano: Ich arbeite sehr gerne, weiss, die richtigen Mitarbeitenden um mich zu haben, und darf ein erfolgreiches Unternehmen weiterführen, das es seit 24 Jahren gibt – für weitere 24 Jahre.