Quartiere in Baden
Wie Münzlishausen vom Weiler zum gehobenen Stadtquartier wurde

Münzlishausen stiess erst mit der Fusion mit der Gemeinde Dättwil zur Stadt Baden. Auf der Allmend gab es immer wieder hochfliegende Pläne.

Andreas Fahrländer
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Von der Villa mit Swimmingpool bis zur Genossenschaftssiedlung: Die Allmend ist ein Quartier mit vielen Einfamilienhäusern, aber dennoch durchmischt.
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Gute Seele im Quartiertreffpunkt: «Chrättli»-Geschäftsführer Timucin Demir.
Am Belvédère ziehen in diesen Tagen neue Bewohner ein. Hier wurde eine der letzten Landreserven der Stadt Baden bebaut.
Die neue Überbauung gibt viel zu reden im Quartier: wegen der besonderen Architektur, wegen der prominenten Lage und auch wegen der hohen Preise.
Das Quartier Allmend-Münzlishausen ist eines der wohlhabendsten von Baden. Seit einigen Jahren ziehen auch wieder viele junge Familien ins Quartier.
Auf der Allmend stehen auch das alte und das (frisch renovierte) neue Pfadiheim der Abteilung Hochwacht, das Jungwachtheim und der Tennisclub Baden.
Quartiervereinspräsident Nick Marolf ist in Münzlishausen aufgewachsen und nach einem Abstecher nach Rütihof mit seiner Familie wieder hierher zurückgekehrt.
Weil der Kindergarten im Eichtal aus allen Nähten platzte, wurde er vor gut zwei Jahren nach Plänen des Badener Architekturbüros Meier Leder behutsam saniert und erweitert. Jetzt gibt es auch eine Tagesbetreuung hier.
Nach 1940 gab es Pläne des renommierten Basler Städteplaners Hans Bernoulli, der aus der Allmend eine Gartenstadt machen wollte. Seine Pläne wurden nur teilweise umgesetzt, eine Gartenstadt ist trotzdem entstanden.
Dort wo früher der Eichtalhof stand, baute das Zürcher Unternehmen Mobag ab 1966 eine Mehrfamilienhaus-Siedlung, inklusive "Hochhaus". Architekt war hier der Neuenhofer Martin Staub.
Oberhalb des Eichtals, im Eichtalboden und am Rebacher sind in den letzten Jahrzehnten zahlreiche Terrassenhäuser entstanden. Zuvor wuchsen hier einst Reben, später weideten hier Pferde.
Wenn der Parkplatz auf der Baldegg an sonnigen Tagen überfüllt ist, geht es ab dem Eichtal nur noch mit dem 5er-Bus weiter. Sofern dieser nicht auch überfüllt ist...
Der Hof der Familie Suter ist eine Idylle hoch über der Stadt Baden. 2016 hat Niklaus Suter den Hof von seinen Eltern übernommen.
Seit einem Jahr weiden hier Damhirsche statt Mutterkühe. Die Hirschfleisch-Produktion ist wie der gesamte Hof bio-zertifiziert.
Vor rund 30 Jahren waren die Suters weit und breit die ersten Landwirte, die einen eigenen Hofladen einrichteten.
In Münzlishausen wachsen auch Äpfel, Birnen, Kirschen und Tafeltrauben.
Etwas versteckt in Münzlishausen liegt der alte Dorffriedhof am Waldrand. Der Weiler war bis 1962 ein Dorfteil der Gemeinde Dättwil.
In der Liegehalle auf der Baldegg wirten seit 2010 Annamarie und Thomas Burger. Sie bieten im Sommerhalbjahr Grilladen, Salate, Glace und hausgemachte Wähen an.
Die Liegehalle ist eine Oase der Ruhe: Hier sollen sich laut dem Pachtvertrag der Ortsbürger ruhesuchende Einwohner und Gäste erholen können.
Die Liegehalle wurde für die Badener Kurgäste gebaut, die hier auf ihren Spaziergängen einkehren und das prächtige Panorama geniessen konnten.
Wie die Liegehalle gehört auch das Restaurant Baldegg den Badener Ortsbürgern. Die erste Gastwirtschaft an diesem schönen Aussichtspunkt wurde 1837 vom Münzlishauser Bauer Othmar Suter erbaut.

Von der Villa mit Swimmingpool bis zur Genossenschaftssiedlung: Die Allmend ist ein Quartier mit vielen Einfamilienhäusern, aber dennoch durchmischt.

Chris Iseli

In Münzlishausen – auf 550 Metern über Meer und damit rund 170 Höhenmeter über der Stadt Baden gelegen – dürfte schon im Frühmittelalter eine erste Hofsiedlung entstanden sein. Die historischen Quellen dazu sind relativ rar. Der Ortsname wird erstmals im Kyburger Urbar von 1250 erwähnt. Von der Stadt aus führte damals eine kleine Strasse vorbei an der Höhenburg Stein über Münzlishausen und den Schwabenberg nach Gebenstorf.

Auf den historischen Aargauer Karten des Kupferstechers Scheurmann aus der Zeit der Kantonsgründung 1803 heisst das Gebiet der Allmend noch «Eichhalden». Hier sind nur drei einsame Häuser im Eichtal eingezeichnet. Im Weiler Münzlishausen entstehen in dieser Zeit die stattlichen Bauernhäuser der Familien Suter, die bis heute das Dorfbild prägen. Der heute kaum mehr gebräuchliche Ortsname Stoffelsberg für die Münzlishauser Anhöhe hiess im 19. Jahrhundert auch Sutersberg.

Gäste aus dem Grand Hotel

Obwohl Münzlishausen nicht zur Gemeinde Baden gehörte, war es bald ein beliebtes Ausflugsziel für die Badener und ihre Kurgäste: 1837 baut der Münzlishauser Bauer Othmar Suter auf der Baldegg die erste Gaststätte. Um 1900 gehört die «Baldegg» dem Besitzer des Badener Grand Hotels, Rudolf Bruno Saft.

Seine Erben verkaufen das Ausflugsrestaurant 1916 für 35 000 Franken den Ortsbürgern. Auch das 1857 erbaute Panoramarestaurant «Belvédère» auf der vorderen Allmend kauft Saft, als Ausflugsziel für seine mondänen Gäste. Die am Martinsberg geplante Standseilbahn kommt allerdings nie zustande. Dafür lässt der umtriebige Hotelier beim Schützenhaus am Belvédère um 1900 drei Ferienchalets bauen. Sie wurden später durch Neubauten ersetzt.

Die Allmend ist seit dem Mittelalter freies Wiesland, wie der Name sagt: Hier weidet das Vieh auf «allgemeinem» Gemeindeboden. Um 1903 wird im Gebiet Opfenau-Hägeler ein grosser Wildpark geplant. Er wird so nie gebaut. Auf der Landeskarte von 1940 ist die Ebene zwischen Belvédère, Eichtal, Hundsbuck und Österliwald noch völlig frei von Gebäuden. Der Eichtalhof steht inmitten von Weiden und Ackerland, das grossteils den Badener Ortsbürgern gehört.

Alle zehn Quartiere der Stadt Baden.

Alle zehn Quartiere der Stadt Baden.

Badener Tagblatt

Wildpark und Gartenstadt

Ab 1947 entwirft der renommierte Basler Architekt Hans Bernoulli im Auftrag der Ortsbürger den Idealplan einer Gartenstadt auf der Allmend. Das Strassennetz entsteht zwar grösstenteils nach Bernoullis Plänen – auf die geplante grosse Allee zwischen Allmendstrasse und Hägelerstrasse wird allerdings verzichtet. Das «Chrättli» wird zwar als Quartierladen und Ausgangspunkt der geplanten Allee gebaut.

Aber die Reihen- und Einfamilienhäuser entstehen nur zu einem kleinen Teil nach Bernoullis Ideen. Eine Gartenstadt ist die Allmend trotzdem geworden. Dort wo der Eichtalhof stand, baut das Zürcher Generalbauunternehmen Mobag ab 1966 eine Mehrfamilienhaussiedlung – inklusive «Hochhaus», wenn auch nur mit acht Stockwerken.

Politisch wachsen die beiden Quartierteile erst im 20. Jahrhundert zusammen: Die 1805 von der Kantonsregierung geschaffene Gemeinde Dättwil mit den Ortsteilen Dättwil, Rütihof und Münzlishausen wird 1962 mit der Stadt Baden verschmolzen. Das löst sowohl in Münzlishausen als auch auf der Allmend eine Bautätigkeit aus, die bis heute anhält.