Baden
Wie zwei holländische Weltenbummler nach Baden gekommen sind

Weshalb es zwei holländische Globetrotter von einer asiatischen Postkarteninsel in die Kleinstadt Baden verschlagen hat, ist eine erstaunliche Geschichte. Sie nimmt ihren Anfang im Februar auf einem Boot im Golf von Thailand.

Karin Renold
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«Carpe Diem»: Micheline Hinse und Greg van Laake geniessen den Tag im «Triebguet» und ihre Zeit in Baden.

«Carpe Diem»: Micheline Hinse und Greg van Laake geniessen den Tag im «Triebguet» und ihre Zeit in Baden.

Sandra Ardizzone

Seit 2014 weilten Greg van Laake und Micheline Hinse auf der kleinen Insel Koh Kut. Er arbeitete als Tauchlehrer, sie als Yogalehrerin. Kurz vor Ablauf ihrer Visa lernten sie im Januar 2016 einen Schweizer kennen: Der Mitinhaber der Frischluftbar Triebguet belegte bei Greg einen Tauchkurs. Auf hoher See kamen sie ins Gespräch.

«Seine Frau war zu diesem Zeitpunkt schwanger. Deshalb suchten sie für die Sommersaison Hilfe», sagt der 40-Jährige. Die beiden Badener und die beiden Holländer verstanden sich auf Anhieb prächtig. So entstand die Abmachung, dass Micheline und Greg von April bis Ende September in Baden arbeiten würden.

«Wir mussten Thailand sowieso verlassen. Die Schweiz war deshalb ein perfekter Abstecher für uns», erklärt die 42-Jährige. Seit letztem April wohnen die beiden nun in der Unteren Halde in Baden. Noch bis Ende September sind sie auf der anderen Flussseite im «Triebguet» anzutreffen.

Die schönste Strasse Badens

Der Grossteil dieses Abstechers in die Limmatstadt ist schon vorbei. Micheline und Greg fühlen sich hier mittlerweile aber zu Hause. Sie blickt vom «Triebguet» über den Fluss, vorbei an der Holzbrücke und zeigt auf die Altstadt.

«Unser Leben spielt sich einen halben Kilometer rund um unsere Wohnung ab. Wir wohnen an der schönsten Strasse in ganz Baden.» Hier befinden sich ihre Lieblingsbeiz Rebstock, verschiedene Cafés und natürlich ihr Arbeitsplatz. Sie spazieren oft der Limmat entlang und geniessen die Aussicht auf die Altstadt vom Schloss Schartenfels.

«Die Badener(innen) sind sehr ausgeglichen, fast nie gestresst. Sie empfingen uns mit einer ehrlichen Offenheit», so Micheline. Auf die Frage, ob sie denn etwas vermissen würden in der Limmatstadt, schauen sich beide für einen Moment an und verneinen. Sie würden sich überall mit den vorhandenen Möglichkeiten zufriedengeben, sagen sie. «Das ist Einstellungssache», fügt Greg an.

Fische zählen

Die beiden Globetrotter reden dabei aus Erfahrung. Greg brach mit 16 Jahren nach Alaska auf, mit 18 bereiste er Australien und ist seither unterwegs. 1997 wurde er Tauchlehrer und trat später auf der niederländischen Insel Saba in der Karibik eine Stelle als «Marine Park Ranger» an. «Eine meiner Aufgaben war es, Fische zu zählen», erzählt Greg schmunzelnd.

2002 lernten sie sich in Gregs Elternhaus in Holland kennen. Sie war damals Kunst- und Schauspiellehrerin. Zwei Jahre später zog sie zu ihm in die Karibik. Zusammen lebten sie sechs Jahre lang auf Saba und starteten verschiedene Projekte mit den Inselbewohnern. «Es gibt immer etwas Konstruktives zu tun», sagt Greg.

Carpe Diem

Irgendwann juckte es die beiden unter den Fingernägeln und sie brachen auf in Richtung Neuseeland. Es folgte eine Pazifiküberquerung auf dem Segelschiff und verschiedene Reisen in Südamerika. 2014 bewarb sich Greg um eine Anstellung als Tauchlehrer in Koh Kut. So sind sie auf der besagten thailändischen Insel Koh Kut gelandet.

Das war vor einem halben Jahr, nun ist ihr erstes Schweizer Abenteuer bald zu Ende. Doch das zweite lässt nicht lange auf sich warten, denn sie kommen im April zurück nach Baden: «Wir arbeiten nochmals eine Saison im ‹Triebguet›. Zum Glück ist es kein endgültiger Abschied», freuen sie sich.

Bis dahin steht den beiden Blondschöpfen die nächste Reise bevor. Wohin es im Oktober gehen soll, wissen sie aber noch nicht. Das ist ganz getreu ihrer Lebensphilosophie «carpe diem»: Geniesse den Tag.

Micheline und Greg schauen gelassen und positiv in die Zukunft. Sie möchten an einem Ort alt werden, wo sie eigenständig leben und ihre Erfahrungen an jüngere Generationen weitergeben können. Die Wohnungssuche für den Sommer 2017 in Baden scheint momentan die wohl einzige Sorge des sympathischen Pärchens zu sein.

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