Rückblick
Wie Zweifel nach Spreitenbach kam – und Klein Christoph einen Sturz aus vier Metern überlebte

Die Ära Zweifel geht in die nächste Runde aber wir werfen noch einen Blick zurück. Wie startete der Schweizer Chips-Klassiker und wie wurde er zu dem, was er jetzt ist?

Sébastian Lavoyer
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Hans-Heinrich Zweifel an einer Hotel-Fritteuse, Ende der 50er-Jahre.

Hans-Heinrich Zweifel an einer Hotel-Fritteuse, Ende der 50er-Jahre.

zvg

Die ersten Kapitel der Schweizer Chips-Geschichte schrieb die Zweifel Pomy Chips AG in Höngg, Zürich, mit Hotel-Fritteusen und einer Handvoll Angestellten. Doch was brachte das bekannteste Chips-Unternehmen der Schweiz in den Aargau?

Als Hans Meier Anfang der 50er-Jahre erstmals Kartoffel-Chips in einer riesigen Feldküchen-Pfanne frittierte, kannte dieses Produkt in der Schweiz kaum jemand. Daran hatte sich bis zu seinem verfrühten Tod nicht viel geändert. Seine Chips-Produktion war klein. Und es war nur seinem Cousin, Heinrich Zweifel, zu verdanken, dass das Geschäft weitergeführt wurde.

Heinrich Zweifel war Moster und meinte: «Chips mached Durscht, Moscht löscht de Durscht.» So einfach war das. Und so übertrug er das Geschäft seinem Sohn, Hans-Heinrich, dem Mann, der Zweifel zu einer der berühmtesten Schweizer Marken machen sollte.

Mit Frisch-Service und der unverwechselbaren Zweifel-Karawane (bestehend aus zehn VW-Bussen) erlangte die junge Chips-Marke schnell schweizweite Bekanntheit.

Unter Hans-Heinrich Zweifel wurde die Produktion industriell. In einer ersten Phase in Höngg, doch schon bald war der Platz in Zürich zu knapp und Zweifel machte sich auf die Suche nach einem geeigneten Stück Land und Partnern für die Umsetzung der Expansionspläne. Fündig wurde Zweifel in Spreitenbach.

Eine Hochspannungsleitung ging vergessen

Doch Zweifel hat beim Kauf zwei wichtige «Details» übersehen. Kies-Weber aus der Region hatte auf dem Land ein Kiesausbeutungsrecht. Und über das Land führte eine Hochspannungsleitung. So lange diese dort wäre, könne man mit dem Bau unmöglich beginnen, sagte Zweifels Architekt, Andres Zeller. Doch die Gemeinde Spreitenbach reagierte so vorbildlich, dass Hans-Heinrich in seinem Buch «Chips-Geschichten» schreiben sollte: «Fantastisch, ich war begeistert!(...)Jedenfalls war ich angenehm überrascht, dass die Behörde flexibel reagierte. Das war eine sehr positive Erfahrung.»

Dem Kiesunternehmen ermöglichte Zweifel den Abbau von Kies beim Aushub und die Gemeinde übertrug Kies-Weber ein anderes Stück Land zum Abbau von Kies. Und bei der Hochspannungsleitung war sowieso eine Verlegung geplant wegen der neuen Autobahn, der A1, die dort durchführen sollte. Ein Beamter in Spreitenbach habe also vorgeschlagen, die Leitung ein Jahr früher zu verlegen. Zweifel müsse einzig für die zusätzlichen Kosten für die vorzeitige Verlegung aufkommen. Insgesamt habe er rund 15000 Franken dafür bezahlt, schreibt Hans-Heinrich in seinem Buch. Dafür startete die Produktion pünktlich und wie geplant am 26. Mai 1970, am Geburtstag von Hans-Heinrichs Vater Heinrich.

Ein Sturz aus der Höhe auf den nackten Beton

Christoph Zweifel, der heutige Geschäftsführer der Zweifel Pomy Chips AG, war zu Beginn öfters mit seinem Vater im Werk in Spreitenbach. Einmal habe er im Alter von drei Jahren unbedingt alleine eine Treppe hochlaufen wollen. In der Hand ein Spielzeugauto und die Gedanken in den Wolken. Er fiel aus drei, vier Meter Höhe auf den nackten Beton. Der Schock der Mutter war so gross, dass er die Geschichte immer wieder zu hören bekam. Doch er kam mit leichten Prellungen und dem Schrecken davon.

Überhaupt steht die Beziehung zwischen Zweifel und der Aargauer Gemeinde unter einem guten Stern. Das Unternehmen schätzt die gute Erreichbarkeit, die Autobahnnähe, die kooperativen Behörden. Auch darum hat man investiert. Über 40 Millionen Franken in den letzten Jahren in den Neubau, der eine Fabrikationslinie, ein Besucherzentrum, die Büroräumlichkeiten der Produktion sowie ein neues Personalrestaurant beherbergt.

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