Festival des Arcs
Wieso sich die Ostaargauer Musikszene jährlich in Ehrendingen trifft

Das ‹Festival des Arcs› hat sich als ein fester Begriff in der Aargauer Musikszene etabliert. Wer verstehen will, wie Ehrendingen zu einem Hotspot der alternativen Kulturszene im Ostaargau werden konnte, muss seine Spurensuche beim Dorffest der Gemeinde im Jahr 2000 beginnen.

David Rutschmann
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Rund 1800 Menschen strömen jährlich in die Gipsgrube. Sie schätzen das Festival für die breite Musikauswahl und den Kindernachmittag. (Archivbild)

Rund 1800 Menschen strömen jährlich in die Gipsgrube. Sie schätzen das Festival für die breite Musikauswahl und den Kindernachmittag. (Archivbild)

Philippe Neidhart

Schwarz, rötlich, grünlich, grau – die verschiedenen Gesteinsschichten in der Gipsgrube bei Ehrendingen können so unterschiedliche Farbtöne annehmen, dass ein französischer Geologe mal von einem «arc-en-ciel pértifié», einem «versteinerten Regenbogen», gesprochen haben soll. Darauf spielt auch der Name des «Festival des Arcs» an, das am Wochenende in zwanzigster Auflage aufstrebende Musiker und Künstler auf die Wiese der Gipsgrubengenossenschaft bringt. Wo noch bis in die 70er-Jahre vereinzelt das Gestein abgebaut wurde, feiern heute jährlich 1700 bis 1800 Menschen – das entspricht mehr als einem Drittel der Gesamteinwohnerzahl der Gemeinde. Auch an diesem Wochenende werden ähnliche Besucherströme erwartet.

«Das ‹Festival des Arcs› hat sich als ein fester Begriff in der Aargauer Musikszene etabliert. Wenn Clubbesitzer einen unerwarteten Künstler buchen wollen, schauen sie sich an, wer auf unseren Bühnen spielt», sagt Martin Bürgin vom Organisationskomitee (OK) des Festivals. Wer verstehen will, wie Ehrendingen zu einem Hotspot der alternativen Kulturszene im Ostaargau werden konnte, muss seine Spurensuche beim Dorffest der Gemeinde im Jahr 2000 beginnen. Damals wurden Vereine und Parteien eingeladen, Attraktionen auf die Beine zu stellen. Die SP Ehrendingen-Freienwil wollte «programmatisch und musikalisch» einen Kontrapunkt setzen. Auf der Open-Air-Bühne der Sozialdemokraten spielten nebst des Musikschulensembles junge Bands aus der Region, die in ihren Texten sozialkritische Themen aufbrachten.

Die SP-Bühne beim Dorffest kam gut an, weshalb die Partei zusammen mit den drei Bands «Annunciaton», «Pablodali» und «Not Guilty» im Folgejahr ein zweites Ehrendinger Open Air organisierte. Da eine der beteiligten Bands ihren Proberaum bei der Gipsbaugenossenschaft bezog, konnte das Festival erstmals auf dem noch heute genutzten Gelände durchgeführt werden. Schliesslich ging das Open Air in Serie, 2003 erfolgte die Umbenennung in «Festival des Arcs». Während dieser Zeit wurde intern diskutiert, wie gross das Festival noch werden soll. Man entschied sich gegen Wachstum um jeden Preis, um vor allem auch weiterhin das beliebte, in die Natur eingebettete Gelände weiter bespielen zu können, und gegen ein Headliner-System, also «grössere» Musiker als Hauptprogramm einzuladen. «Wir wollen alle Bands und Musiker gleich behandeln», sagt Martin Bürgin. Das «Festival des Arcs» wurde über die Jahre zu einem Spielplatz für junge Musiker.

Zwar könne man keine hohen Gagen auszahlen, so Bürgin: «Aber wenn eine Band einmal bei uns auf der Bühne stand, will sie gerne wieder kommen.» Da das Festival auf Abwechslung setzt, müssen Künstler allerdings meist fünf bis sechs Jahre warten, bis sie wieder auf der Wiese der Gipsgrubengenossenschaft spielen dürfen. Die Organisatoren achten zudem darauf, dass kein Genre mehr als ein- bis zweimal vertreten ist. So können sich die Festivalbesucher auch in diesem Jahr von Reggae und Dub über Ambient Electronica und Oriental Psychedelic bis hin zu Metal, Battle Rap und vielen mehr auf eine Bandbreite an Musikstilen freuen.

Mit dem Festival wurde auch das Publikum älter. Bürgin: «Als die ersten Festivalverantwortlichen Eltern wurden, haben wir den Kindernachmittag am Samstag eingeführt. Dieser ist zu einem neuen Publikumsmagnet geworden.» Auf dem weiteren Rahmenprogramm des Festivals stehen Illustrationen, Schreibwerkstätten, Bewegungstheater, Wegwerfgedichte und Lichtshows. Dieses Gesamtpaket aus heterogener Musikauswahl, Alternativkultur, Kindernachmittag, nachhaltigem Konzept und naturbelassenem Gelände zieht letztlich jedes Jahr knapp 2000 Menschen nach Ehrendingen.

INFO

«Festival des Arcs»

In der Gipsgrube Ehrendingen: Freitag 21.06. ab 18 Uhr, Samstag Kindernachmittag ab 13 Uhr, Musikprogramm ab 17 Uhr.

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