Baden
Wilder Wein statt Betonwahn: ­Die Wakker-Stadt Baden pflanzt hängende Gärten

Vertikale Grünflächen sollen in Baden gegen die Sommerhitze helfen – und einen Schandfleck in der Wakker-Stadt verschönern.

Andreas Fahrländer
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Eine der trostlosesten Ecken der Stadt soll schöner werden: Der Zugang zum «Blinddarm» beim LWB. Grüne Vorbilder: Das Musée du Quai Branly in Paris... ... und die Bosco-Verticale-Hochhäuser in Mailand.
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Grüne Vorbilder: Das Musée du Quai Branly in Paris...
... und die Bosco-Verticale-Hochhäuser in Mailand.

Eine der trostlosesten Ecken der Stadt soll schöner werden: Der Zugang zum «Blinddarm» beim LWB. Grüne Vorbilder: Das Musée du Quai Branly in Paris... ... und die Bosco-Verticale-Hochhäuser in Mailand.

Sandra Ardizzone (03.02.2020)

Die Wakker-Stadt Baden nimmt den Ball des Schweizer Heimatschutzes auf und investiert weiter in eine lebenswerte Innenstadt. Bei der Verleihung des renommierten Preises für einen guten Ortsbildschutz im Januar sagte Heimatschutz-Geschäftsführer Stefan Kunz, die Auszeichnung sei für Baden auch eine Verpflichtung. Jetzt plant der Stadtrat einen Schritt, der mit relativ geringem Aufwand viel bewirken dürfte: Die meterhohe, graue Betonmauer vor dem «Blinddarm», wo der Eingang zum «Löschwasserbecken» (LWB) liegt, soll ebenso begrünt werden wie die Fassade des städtischen Parkhauses an der Gartenstrasse.

Diese Nachricht dürfte vielen Badenerinnen und Badenern eine Freude machen. Die Ecke beim «Blinddarm» – seit gut 20 Jahren eingeklemmt zwischen Busrampe, SBB-Gleisen und Kantonsstrasse – war von Anfang an eine städtebauliche Fehlplanung. Das soll sich jetzt endlich ändern. «Mit zwei sorgfältig gestalteten und professionell gepflegten Vertikalbegrünungen im Stadtzentrum will die Stadt die Objekte sowohl optisch als auch von der Aufenthaltsqualität aufwerten», heisst es in einer Mitteilung.

Damit schlägt die Stadt Baden gleich mehrere Fliegen auf einen Schlag: Die voranschreitende Klimaveränderung bewirke eine zunehmende Hitzebelastung in Städten, die Pflanzen sollen zur Abkühlung und besserer Luft beitragen. Vertikale Begrünungen hätten aber auch ein grosses Potenzial als Gestaltungselement: «Sie schaffen Identität und sind ein Statement für eine nachhaltige und klimafitte Stadtentwicklung.» Die Kosten dafür sind noch offen, die Details müssen noch ausgearbeitet werden.

In die Höhe denken, wenn der Platz knapp wird

Pascale Contesse von der Stadtökologie erklärt: «Wir freuen uns sehr, dass der Stadtrat die Begrünung beschlossen hat. Das Grün ist nicht nur gut für das Stadtklima, sondern soll auch private Hausbesitzer und Bauherrschaften zum Nachmachen animieren.»

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Durch die zunehmende Verdichtung gebe es in der Innenstadt immer weniger Grünflächen in der Ebene. Hingegen gibt es noch viel Potenzial bei ungenutzten Hauswänden und Mauern. «Die beiden Flächen beim LWB und beim Parkhaus Gartenstrasse wurden absichtlich so gewählt, dass sie sichtbar sind in der Stadt und zum Nachdenken anregen», sagt Pascale Contesse. Die Stadtökologie hat auch schon eine interne Weiterbildung durchgeführt und dabei mit allen betroffenen Abteilungen weitere Möglichkeiten für Begrünungen ausgelotet.

Wie genau die «hängenden Gärten» bepflanzt werden, sei noch unklar. Die Mauer beim LWB gehört dem Kanton. «Hier werden wir wahrscheinlich mit einer vorgehängten, bepflanzten Fassade arbeiten», sagt Contesse. Dabei sei eben auch die Optik wichtig, schliesslich sei von vielen Seiten der Wunsch an die Stadt herangetragen worden, diese Ecke zu verschönern. Die Mieter respektive die Betreiber des LWB würden auf jeden Fall in die Pläne einbezogen, ebenso wie der Kanton.

Hopfen, Kletterrosen oder Hortensien

Beim Parkhaus Gartenstrasse werde es hingegen eine mit dem Boden verbundene Bepflanzung geben, die über einen Laubengang an der Fassade emporwachsen soll. Das ist kostengünstiger im Unterhalt. «Hier wäre eine Bepflanzung mit verschiedenen Efeu-Arten, Kletterhortensien, Kletterrosen, Hopfen oder Wildem Wein möglich», so Contesse.

Das ist ganz im Sinne des Erfinders: Die ursprüngliche Baubewilligung für das 1969 gebaute – und vor sieben Jahren mit einer Solaranlage ergänzte – Parkhaus sah eine begrünte Fassade vor. Nun dürften diese Pläne endlich Realität werden.

Die Stadt Baden übernimmt damit erneut eine Pionierrolle: 2018 wurden im Zuge der Schulhausplatz-Sanierung Wilder Wein und Efeu vor dem Portal des Schlossbergtunnels gepflanzt – anstelle von konventionellen Lärmschutzwänden.

Die Begrünung von Fassaden entspricht auch der Strategie des Bundesrats zur Anpassung der Städte an den Klimawandel. Denn: In den heissen Sommermonaten heizen sich die Innenstädte mit ihren Betonflächen und Glasfassaden viel stärker auf als das Umland. Um dem sogenannten Hitzeinsel-Effekt entgegenzuwirken, braucht es laut dem Bundesamt für Umwelt zwingend mehr Grün und mehr Wasserflächen in den Städten. Stadtbewohner können dabei genauso profitieren wie Hausbesitzer: Grüne Fassaden wirken im Sommer kühlend, im Winter wärmedämmend. Sie bieten Insekten und Vögeln Unterschlupf und helfen nicht zuletzt dabei, die Luft von Staub und Schadstoffen zu filtern.

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So sah es am Schulhausplatz im Juli 1814 aus. Der Abbruch des «Mellingerturms», des Oberen Tors am Cordulaplatz (damals hiess er noch Paradiesplatz), wurde 1874 wie ein Fest gefeiert. Der Durchbruch sollte Luft und Licht in die Altstadtgassen bringen.
So sah es vor der Bahnverlegung aus: Durch den engen Schlossbergtunnel fuhr seit 1847 die Spanischbrötlibahn nach Zürich. Die Häuser vor dem Cordulaplatz wurden beim Bau des Strassentunnels abgerissen.
Als die Dampflok noch über den Platz fuhr und die Schiebebarrieren von Hand geschlossen wurden: Eine Postkarte von Baden um 1900. Der Gasthof zum Glas (rechts neben der Bahn) brannte 1960 ab, die Reben am Schlossberg wurden zu Bauland. Der Obeliskenbrunnen steht jetzt wieder an seinem Platz.
Der Kurpark in Baden war auch schon 1890 ein lauschiges Plätzchen, das zum Verweilen einlädt.
Baden, die Holzbrücke und der Bergsturzkopf um 1906.
Baden von Süden im Jahr 1913. Im Vordergrund der rauchende Schlot der Firma Merker.
Diese Postkarte zeigt das ehemalige Landvogtei-Schloss um ca. 1915.
Baden mit Lägern 1913: Als der Lägernhang noch völlig unbebaut war.
Das Brauerei-Gasthaus Falken gab der Barriere ihren Namen. Das Hotel musste schon 1957 weichen. Die 1850 erbaute Brauerei wurde erst 2004 durch den Neubau ersetzt, in dem sich heute das Bezirksgericht befindet.
Ein letztes Mal fällt die Falkenbarriere: Die Bahn brachte Wohlstand und Arbeitsplätze nach Baden. Aber auch viele Stunden mühsamen Wartens. Die Erleichterung war deshalb gross, als von 1957 bis 1965 der «neue» Schulhausplatz gebaut wurde.
Verstopfte Weite Gasse im Jahr 1960 mit Velo- und Buskolonnen. Das abgebrannte Restaurant Glas erlaubt die Datierung. Am oberen Bildrand das Schulhaus, das dem Platz seinen Namen gab.
Der Tunnelbogen des alten Bahntunnels steht noch, der Strassentunnel durch den Schlossberg ist schon betoniert. Der Ennetbadener Fotograf Werner Nefflen kam 1962 gerade noch rechtzeitig, um diesen denkwürdigen Augenblick festzuhalten. Rechts montiert ein Arbeiter die Sprengladung.
Als es in der Altstadt noch Handwerker gab: Der Sattler Mühlebach hatte seine Werkstatt in der Weiten Gasse und arbeitete gerne draussen. Hier zusammen mit den Pferden der Brauerei Müller am Schulhausplatz.
Der Bahnwärter hat ausgedient: Im September 1961 wurde die «Bahnverlegung» vollzogen, zumindest von der Eisenbahn war der Schulhausplatz befreit. Sie fuhr ab dann durch den grossen Bahntunnel.
Baden um 1919: im Vordergrund die mittelalterliche Brückenstadt, das moderne Baden liegt links.
Verkehr anno 1961: Im Hintergrund sieht man die alte Cordulapost mit dem Bild des abgebrochenen Mellingerturms. Rechts daneben der legendäre Lebensmittelladen Moneta. Die beiden Häuser wurden 1984 durch die neue «Porta Moneta» ersetzt.
Blick auf das Bahnhofquartier 1919. Der Badener Bahnhof zählt zu den ältesten des Landes. Er wurde 1847 als Endstation der Spanisch-Brötli-Bahn eröffnet.
Blick von oben auf die Hochbrücke und das Kleinkraftwerk Aue zwischen 1918 bis 1937.
Eine Postkarte von 1923, die den Kursaal Baden zeigt.
Eine weitere Postkarte vom Kurpark Baden aus dem Jahr 1926.
Blick in die Halle II des BBC-Gebäudes im Jahr 1926.
Blick auf die Ruine Stein um ca. 1930.
Im Jahr 1930 war der Löwenbrunnen bereits 108 Jahre alt.
Eine Postkarte des Kursaales datiert auf das Jahr 1936.
So sah die Badener Altstadt 1942 aus.
Limmat abwärts von der neuen Hochbrücke im Jahr 1942.
Limmat aufwärts von der neuen Hochbrücke im Jahr 1942.
Die Badener Altstadt 1945. Der Strassenverkehr wurde erst später aus der Altstadt verbannt. In der Badstrasse (links im Bild) entstand 1972 im Zuge des Bahnhofumbaus die erste Fussgängerzone der Schweiz.
Die Badener Altstadt im Jahr 1945, links im Bild die Hochbrücke, die 1926 eröffnet wurde.
Blick auf die Schiefe Brücke 1949, die Baden mit Ennetbaden verbindet. Sie wurde 1874 eröffnet und ist seit 2006 für den motorisierten Individualverkehr gesperrt.
Das 1963/64 erbaute Thermalbad im Jahr 1969.
Hier wurde fast 40 Jahre lang fröhlich geplanscht – gegen Ende des 20. Jahrhunderts gerieten die Bäder in eine Krise.
Baden 1970 von oben aus süd-östlichem Blickwinkel. Im Bild: das Stadtzentrum, der Elektrotechnikkonzern Brown Boveri & Cie. (BBC, später ABB), die Hochbrücke und das Terrassenschwimmbad.
Baden 1980 von Südwesten. Im Bild: das Stadtzentrum, der Schulhausplatz, die Ruine Stein und der Schlossbergtunnel.
Baden 1980 von Osten. Im Bild: Die Altstadt, die Hochbrücke, die Limmat, rechts im Bild der Elektrotechnikkonzern BBC.
Baden 1987 von Westen. Im Bild: die Stadtkirche, das Stadtzentrum und die Kreuzung Schulhausplatz.
Ein Blick in die Mittlere Gasse im Jahr 1988.

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