Baden
Winterlicher Eintopf mit Literatur, Musik und Entschleunigung

Vivianne Mösli und Charlotte Wittmer haben «Schnee Gestöber mit Musik» im ThiK uraufgeführt. Das Ganze erinnert an einen winterlichen Eintopf mit Kraut und Rüben, Härdöpfel und Wursträdli, dem es allerdings an Pfeffer und Salz fehlt.

Rosmarie Mehlin
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Das Theater mit Vivianne Mösli (l.) und Charlotte Wittmer erinnert an einen winterlichen Eintopf mit Kraut und Rüben sowie Wursträdli.zVG

Das Theater mit Vivianne Mösli (l.) und Charlotte Wittmer erinnert an einen winterlichen Eintopf mit Kraut und Rüben sowie Wursträdli.zVG

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Zwei Frauen sitzen auf einem alten Davoser-Schlitten, winterfest eingepackt in Schal, Mütze, Muff, Wolldecke. Kaum etwas regt sich. Irgendwann blicken beide Frauen synchron nach oben, dann in die Ferne. Das Publikum harrt. Langsam bewegt sich eine der beiden, kritzelt mit Kreide auf eine Schülertafel, stellt diese auf den Boden und da steht’s zu lesen: «Schnee Gestöber mit Musik».

Während draussen eisige Kälte klirrt, hat das Thik am Mittwoch zur Uraufführung einer «Ode an den Schnee» geladen, zusammengestellt, gesungen und gespielt von Vivianne Mösli und Charlotte Wittmer. Die Säulen des Abends bilden eine Collage literarischer Textfragmente unter anderem von Robert Walder, Adalbert Stifter, Orhan Pamuk, im Wechsel mit Liedern etwa vom Berner Troubadour Ruedi Krebs und der Jodlerin Christine Lauterburg.

Schnee-Forscherin bringt Pep

Das Ganze erinnert an einen winterlichen Eintopf mit Kraut und Rüben, Härdöpfel und Wursträdli. Ein kunterbuntes Gemisch, das man in kalten Tagen gerne geniesst. Nicht im Topf, sondern hier auf der Bühne, mangelt es dem Ganzen allerdings etwas an Farbe. Das liegt weniger daran, dass Schnee nun mal weiss ist, vielmehr fehlt es an Pfeffer und Salz. Die musikalischen Einlagen sind zwar erfrischend. Doch mit ihrem zarten Stimmchen und der faden Diktion vermag Vivianne Mösli der Kraft und Tiefe vielen der Texte nicht zu genügen. Charlotte Wittmer hält mit ihrer clownesken Art dagegen. Zwar nicht unbedingt als zweihändige Slow-Motion-Synchronmalerin von Eiskristallen, aber als heisshungrige Schnee-Forscherin und als Akkordeonspielerin bringt sie Pep auf die Bühne. Und streut, zwischen all die (Pseudo-)Poesie, auch ein bisschen Humor.

Der Schnee als Synonym für Entschleunigung in Ehren. Aber muss es gar so plakativ sein? Denn die beiden Akteurinnen, zusammen mit Regisseurin Claudia Carigiet, setzen das Thema nicht ausschliesslich mit Literatur und Musik um. Das wirkt über weite Strecken ermüdend, weil mitunter ach so gewollt originell daher kommt: Da wird über den Tod durch Erfrieren doziert, via ein knirschendes Radio über den Strassenzustand geredet, senken sich Federn, Papierfötzel, mit Akribie aus einer Art Watte gefertigte Kügelchen und schliesslich eine ganze Bettdecke auf die Bühne. Abwechslung bringt ein hübsches kleines Schattenspiel als Illustration zu den zitierten Fragmenten aus Stifters Erzählung «Bergkristall».

«Schnee*** Gestöber mit Musik» im Thik noch heute, 20.15 Uhr sowie am Sonntag, 1. Dezember, 18 Uhr.

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