«Heute wurden gut zwei Tonnen Trauben angeliefert, die wir zu Rosé verarbeiten werden», sagt Christian Steimer. «Einen Teil davon mache ich erstmals in Eigenregie.» Allerdings ist das Keltern für den 30-Jährigen kein Neuland. Mit seinem «CS Pinot Noir Barrique» hat er sich nicht nur erste Sporen als «Kellermeister» abverdient, sondern letztes Jahr damit beim Wettbewerb «Goldener Aargauer Weingenuss» auch gleich den obersten Podestplatz geholt. Nicht genug. Er holte auch den Titel Schweizer Winzer-Meister 2016.

Anfang Jahr hat er den Betrieb von seinen Eltern übernommen. «Allerdings ist mein Vater noch mehrheitlich federführend», sagt der Junior. Das läge daran, dass er selber noch bei einem Winzer angestellt sei, um dort weitere Erfahrungen sammeln zu können. «Schritt für Schritt wird nun die Verantwortung an mich übergehen», betont er. Christian Steimer hat das Gefühl, dass es seinem Vater nicht leicht fällt, loszulassen. Paul Steimer, der den Betrieb 40 Jahre lang führte, sieht das anders. «Ich habe kein Problem damit. Mein Sohn hat neue Ideen, ich die Erfahrung.»

Steimer Weinbau wurde vor 76 Jahren vom Vater von Paul Steimer ins Leben gerufen. Der Vater starb früh. Wie damals üblich wurde es als eine Selbstverständlichkeit angesehen, dass der Sohn den Betrieb weiterführt. «Ich wurde ins kalte Wasser geworfen. Denn damals hatten wir nicht nur einen Rebberg, den es zu bewirtschaften galt, sondern auch einen Landwirtschaftsbetrieb», sagt Paul Steimer. Aus dem «müssen» wurde aber schnell ein «wollen». Sein Beruf sei längst auch sein Hobby.

Lästiger Bürokram

Der ganze Bürokram müsste jedoch nicht sein, meint er. Ausserdem sei der Konkurrenzdruck gross geworden. Längst würden die Wettinger nicht mehr nur Weine aus der Region, sondern aus aller Welt trinken. Neue Absatzmärkte mussten her. Trotz allem gibt es auch Schönes. Paul Steimer schätzt an seiner Arbeit die Abwechslung und das in der Natur sein. Drinnen arbeiten zu müssen wäre ein Graus für ihn.

Das sieht sein Sohn Christian genau gleich. Erst absolvierte der Junior eine Lehre als Landmaschinenmechaniker, danach die Lehre zum Winzer. «Ich merkte schnell, dass in der Werkstatt hocken nichts für mich ist. Aber im Weinbau kommen auch viele Maschinen zum Einsatz. Meine Erstausbildung kommt da sehr gelegen.» Christian Steimer konnte frei entscheiden, ob er in die Fussstapfen seines Vaters treten wollte. Er wollte. Und es macht ihn schon ein wenig stolz, dass der Betrieb nun auf ihn läuft.

Alles aus einer Hand

«Ab 2019 werde ich mehrheitlich hier sein und mich dann all den Aufgaben annehmen können.» Im Moment ist er froh, dass ihm sein Vater einen Grossteil der Arbeit abnimmt. Zudem bleibt seine Mutter Doris dem Familienbetrieb als Angestellte weiterhin treu. «Im Gegensatz zu meinem Mann bin ich nicht pensioniert und darf noch ein paar Jahre arbeiten», sagt sie schmunzelnd. Das freut den Junior, kommt doch einiges auf den Jungwinzer zu: «Für die Weinlinie wird es neue Etiketten geben. Andere Flaschen sind ebenfalls geplant. Es gibt weitere Ideen, die ich gerne umsetzen würde. Spruchreif sind sie noch nicht.»

Es schwingt ein Wermutstropfen mit, wenn Christian Steimer von der Zukunft spricht. Der geplante Erweiterungsbau am Lindenplatz konnte nicht umgesetzt werden, da das Haus neu unter erhöhtem Ortsschutz steht. Die Rote Trotte an der Rebbergstrasse in Wettingen hat ihre Kapazitätsgrenze zudem längst erreicht. «Ich möchte künftig alles selber keltern können, eventuell Lohnkelterungen übernehmen.

Eben alles aus einer Hand, von der Rebe bis in die Flasche», sagt er. «Unser Ziel ist es, in Wettingen einen geeigneten, neuen Standort zu finden. Wir arbeiten an Alternativen. Der Lichtblick fehlt aber noch», sagt der Junior. Was ihn und seine Eltern hingegen freut, ist die Tatsache, dass heuer eine gute Ernte eingefahren werden kann. «Wir sind froh, jedes Jahr aufs Neue auf zuverlässige Helfer bei der Traubenlese zählen zu können. Ohne sie ginge es nicht.» Sagts und macht sich auf, um im Rebberg nach dem Rechten zu sehen.