Augenoptik
Winzige Badener Weltneuheit: die revolutionäre Kontaktlinse

Der Badener Imre Kovats revolutioniert die Herstellung von Kontaktlinsen. Geld verdient er damit keines.

Andreas Fahrländer
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Eine Folie, die auf dem Auge schwimmt: Imre Kovats mit einer Kontaktlinse.

Eine Folie, die auf dem Auge schwimmt: Imre Kovats mit einer Kontaktlinse.

Alex Spichale

«Wie fachsprachlich darf es sein?», fragt Imre Kovats beim Gespräch im Laden an der Rathausgasse und schmunzelt. Wir bitten ihn, mit möglichst einfachen Worten zu erklären, was er genau erfunden hat. Der 69-jährige Kovats ist seit über 40 Jahren Optiker in Baden. In seinem Geschäft «Kovats zum scharfen Aug» entwickelte er in den vergangenen sieben Jahren eine kleine, fast unsichtbare Weltneuheit: eine Standardkontaktlinse für die Korrektur von Hornhautverkrümmungen.

Für Laien klingt das ziemlich kompliziert. Für Augenoptiker bedeutet die Erfindung eine grosse Vereinfachung. Kontaktlinsen für Sehschwächen sind allen ein Begriff. Es gibt sie als Tages- oder als Nachtlinsen, als harte oder weiche. Sie liegen nicht direkt auf der Hornhaut des Auges auf, sondern schwimmen auf einem feinen Tränenfilm. Linsen, die eine Hornhautverkrümmung – den sogenannten Astigmatismus – korrigieren, müssen dagegen bisher für jedes Auge individuell angepasst werden. Eine Hornhautverkrümmung habe praktisch jeder Mensch, sagt Kovats. «Die meisten aber so schwach, dass man sie gar nicht korrigieren muss.» Die Hersteller müssen dennoch Hunderte verschiedene Linsen auf Vorrat haben. Damit könnte bald Schluss sein: Nach mehreren Jahren Forschung und Entwicklung hat Kovats eine Lösung für das Problem gefunden: die Symmetrie. So muss bei diesem System nicht mehr für jede Richtung der Verkrümmung eine Linse gemacht werden. Mit Kovats’ Erfindung kann die Anpassung und Herstellung von Kontaktlinsen mit Hornhautverkrümmung sehr stark vereinfacht werden.

Ein Patent war nicht möglich

Kovats hat seine Erfindung für eine Masterarbeit an der renommierten Ernst Abbe Hochschule in Jena zur Verfügung gestellt. Die Studie wurde im Anschluss im Wissenschaftsmagazin «Contact Lens and Anterior Eye» publiziert. Das Interesse sei gross in Fachkreisen, sagt Kovats. Die grossen Linsenhersteller interessieren sich allerdings noch nicht dafür. Der kleinere Linsenhersteller Falco im thurgauischen Tägerwilen, der nur individuelle Kontaktlinsen herstellt, hat bisher als einziger Produzent die neuen Linsen auf den Markt gebracht.

Patentieren lassen konnte Kovats seine Erfindung nicht, weil es vielmehr eine Idee als eine technische Entwicklung ist. «Und Ideen kann man eben leider nicht patentieren lassen», sagt Kovats lachend. Zuerst habe es ihn schon geärgert, aber die Freude am Beruf sei für ihn immer wichtiger gewesen als das Finanzielle. Umso mehr freut es ihn, dass er sein Geschäft an seinen Sohn weitergeben konnte. In Baden gibt es zwei Optikgeschäfte mit dem Namen Kovats. Sie haben eine lange, gemeinsame Geschichte. Imre Kovats’ Urgrossvater Karoly gründete 1870 «Kovats Optik und Spielwaren» in Hermannstadt in Siebenbürgen (damals im Königreich Ungarn, heute Rumänien). Er verkaufte Monokel und Zwicker. Korrekturen für Hornhautverkrümmung waren damals noch unbekannt. In der Spielwarenabteilung habe sein Urgrossvater vor allem Dampfmaschinen verkauft, erzählt Imre Kovats. Sein Grossvater Guido Kovats bot in erster Linie «Augengläser» an: Zwicker, Monokel und Lorgnetten. Imre Kovats’ Vater Harry kam schliesslich 1932 nach dem Studium in Jena nach Baden. Nach einiger Zeit am Bahnhofplatz wurden 1956 die Geschäfte an der Rathausgasse und an der Badstrasse eröffnet. «Kovats zum scharfen Aug» an der Rathausgasse führt heute Imre Kovats’ Sohn Manuel, den Laden an der Badstrasse sein Neffe Gabor Kovats. Nächstes Jahr will Imre Kovats ganz aufhören zu arbeiten. Wobei, ganz sein lassen wird er die Optik wohl auch dann nicht.

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