Fest-Vorbereitungen
«Wir fördern diesen Gigantismus sicher nicht»: das Badenfahrt-OK im grossen Interview

OK-Präsident Adi Hirzel und Festgestalterin Eliane Zgraggen über das abstrakte Festmotto «Versus», den Verzicht auf den Umzug, immer aufwendigere Festbauen und wieso die gesperrte Hochbrücke auch der Sicherheit am grössten Aargauer Volksfest dient.

Roman Huber und Martin Rupf
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Adi Hirzel, OK-Präsident der Badenfahrt, und Festgestalterin Eliane Zgraggen auuf dem Kirchplatz in Baden.
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Eliane Zgraggen Die 41-jährige Eliane Zgraggen zeichnete schon für das Stadtfest 2012 als Festgestalterin verantwortlich. Die Künstlerin ist im künstlerischen und kulturellen Bereich im In-und Ausland tätig. Zgraggen wohnte lange Zeit in Untersiggenthal und lebt jetzt mit ihrer Familie in Wollishofen (ZH).
Adi Hirzel Der 48-jährige Adi Hirzel bildete schon am Stadtfest 2012 zusammen mit Marc Périllard das OK-Präsidium. Der Wirtschaftsanwalt ist Partner bei Blum&Grob Rechtsanwälte AG in Zürich. Adi Hirzel wohnt in Zürich und hat eine 17-jährige Tochter.
Badenfahrt-OK

Adi Hirzel, OK-Präsident der Badenfahrt, und Festgestalterin Eliane Zgraggen auuf dem Kirchplatz in Baden.

Sandra Ardizzone

Die letzte hektische Phase der Fest-Vorbereitungen steht ihnen beim Treffen für das grosse Badenfahrt-Interview ein bisschen ins Gesicht geschrieben. Kein Wunder, tragen doch Komitee-Präsident Adi Hirzel und Festgestalterin Eliane Zgraggen die Hauptverantwortung für das Gelingen der Badenfahrt 2017 und sind damit am meisten exponiert, sollte etwas schieflaufen. Wird es aber nicht, so die einhellige Meinung der Beiden.

In knapp einer Woche beginnt die Badenfahrt. Sind die Vorbereitungen im Fahrplan? Kommt alles gut?

Eliane Zgraggen: Aus Sicht der Festgestaltung zweimal Ja. Die Erstellung der OK-Bauten und der Installationen ist im Plan. Es ist alles aufgegleist – bis auf das Unbeeinflussbare.

Adi Hirzel: Nach meiner Einschätzung waren auch die Beizenbauten der Vereine noch nie so fortgeschritten wie bisher. Da und dort gibt es zwar noch Diskussionen um Abstände, weil Differenzen zwischen Plan und Projekt bestehen, doch wir lösen alles. Und wir funktionieren wie immer bestens (Hirzel zeigt auf Eliane und sich). Bis jetzt gibt es nichts Unlösbares.

Als das Festthema «Versus» vor zwei Jahren bekannt wurde, löste das es eine Kontroverse aus. War die Themenwahl richtig?

Zgraggen: «Versus» hat auch für das Komitee am Anfang abstrakt gewirkt. Es geht um Gegensätze und Gegenüberstellungen. Bis 1977 war immer der Verkehr ein Thema. Wichtig ist, dass das Thema von den Vereinen mitgetragen wird. Und das ist uns geglückt. Es hat eine lustvolle, differenzierte Auseinandersetzung stattgefunden.

Hirzel: Zuerst dachten wir im Herbst 2014, vor Baubeginn am Schulhausplatz, tatsächlich an den Verkehr. Doch dieses Thema ist abgegriffen. In «Versus» kann man alles einpacken, was Baden beschäftigt: das ist nebst dem Verkehr auch die Politik. Darunter lässt sich alles subsumieren.

Die Badenfahrt von A bis Z:

A wie Anreise Autofahrer müssen mit Einschränkungen auf dem gesamten Festgebiet rechnen, deshalb reist man am besten mit den öffentlichen Verkehrsmitteln an. Die Regionalen Verkehrsbetriebe Baden-Wettingen, die Postauto AG und die SBB verdichten und verlängern ihr Fahrplanangebot während der Badenfahrt. Dabei wird der Festpass während der Festzeiten sowie eine Stunde davor und danach als Fahrausweis anerkannt. Er gilt in 17 Zonen der A-Welle: 530, 531, 532, 533, 550, 551, 552, 560, 561, 562, 563, 565, 570, 571, 572, 573, 574.
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Auf dem unteren Bahnhofplatz steht das «Bistro de la Presse». Dahinter: die «Countdown-Beiz» mit Festradio.
Daniel Cortellinis stille Badenfahrt
Patti Basler Festrednerin Patti Basler, Bühnenpoetin, Autorin und Kabarettistin
Eliane Zgraggen ist für die Festgestaltung zuständig. KATRIN HAUNREITER
F wie Festpass Der Festpass ist für Besucher ab 16 Jahren obligatorisch. Er berechtigt zum Eintritt für sämtliche Veranstaltungen, Konzerte und Beizen. Ein 1-Tages-Pass kostet 15 Franken und ist am jeweiligen Festtag oder als Spezialbillett an allen A-Welle-Automaten und SBB-Verkaufsstellen, bei badenmobil am Bahnhof Baden, beim Postauto-Fahrpersonal sowie in allen Bussen im Tarifverbund der A-Welle zu kaufen. 10-Tages-Festpässe kosten 45 Franken und sind bei folgenden Verkaufsstellen erhältlich: Info Baden, Stadtbüro, badenmobil, Regionalwerke Baden, bei den Gemeinden Ehrendingen, Ennetbaden, Neuenhof, Obersiggenthal, Wettingen, bei den Poststellen in der Region, in der Hilfsmittelwelt in Wettingen sowie bei der Vita Drogerie AG in Baden. Ebenfalls an diesen Verkaufsstellen zu kaufen ist der Gönnerpass für 100 Franken.
G wie Grösstes Fest im Kanton Seit der ersten Durchführung im Jahr 1923, die des Europäischen Friedenskongresses im Jahre 1714 gedachte, hat sich die Badenfahrt mit rund einer Million Besuchern zum grössten Volksfest im Aargau entwickelt. Die Stadt befindet sich seither – mit einigen Ausnahmen – alle zehn Jahre in einem Ausnahmezustand, in dem die besondere Gastfreundschaft sowie die Fest- und Lebensfreude gelebt wird.
Das Feuerwerk als Höhepunkt.
Die Badener Brauerei Müllerbräu Baden wird für die ganze Getränkelogistik verantwortlich sein.
J wie Jungfernfahrt durch den Bustunnel Die Spanischbrötlibahn macht einen Teil des Schulhausplatzes erlebbar und bietet eine Rundfahrt durch den neuen Bustunnel an – inklusive Halt an der Vereinsbeiz «Fahrbahr». Mit dem Bauwerk, dem Kernelement des Millionen-Projekts Schulhausplatz, werden Busse, die vom Bahnhof stadtauswärts fahren, neu über die Bahnhofstrasse durch die Tunnelgarage Richtung Mellingen oder Wettingen geleitet. Diese Busführung erlaubt es, dass der stadtauswärtsfahrende Verkehr zwischen öffentlichem und motorisiertem Individualverkehr getrennt sowie die Weite Gasse vom Busverkehr entlastet wird.
K wie Kapazität von Mobilfunkantennen Um zu garantieren, dass Festbesucher nicht offline sind, wird für die Badenfahrt eigens die Mobilfunkkapazität erhöht. Die drei Anbieter Swisscom, Sunrise und Salt stellen während der zehn Festtage zusätzliche Antennen auf.
Lunapark an der Badenfahrt
M wie Maja Hürst Die 1978 geborene Künstlerin hat den Wettbewerb für Kunstplakate gewonnen und zeichnet somit für den visuellen Auftritt der Badenfahrt 2017 verantwortlich. In Zusammenarbeit mit der Festgestaltung hat sie auch drei Badenfahrt-Kunstdrucke kreiert. Die Siebdrucke im A2-Format bilden das Festgebiet mit den sechs Untergebieten und deren Themata ab, wobei jedem Untergebiet eine Farbe zugeordnet ist. Die Kunstwerke sind bei info Baden erhältlich.
N wie Nächtigen In Baden gibt es zahlreiche Übernachtungsmöglichkeiten, darunter Hotels (Hotel Limmathof im Bild), Residenzen, Jugendherberge oder B&Bs. Eine Liste finden Sie auf der Website der Stadt Baden (www.baden.ch). Dort sind auch Badenfahrt-Packages erhältlich, bei denen die Tickets, mit anderen Worten die Festpässe, inbegriffen sind.
O wie "offizieller Badenfahrt-Song" Die drei Badener Bands Al Pride, Pedestrians und Frank Power haben – passend zum Motto «Versus» – das gleichnamige Lied produziert. Mitgewirkt hat auch Roman Camenzind, der bekannte Produzent aus der Schweizer Hitszene. Der Song besticht durch elektronische Beats, dabei viel Offbeat beziehungsweise Reggae-Rhythmen und dazu souliger Gesang. Erhältlich ist er in den Stores von iTunes, Apple Music, Google Play, Exlibris und Spotify. «Versus» feierte am 15. Juni auf Radio Argovia seine Weltpremiere. Erstmals live zu hören wird er aber für die Festbesucher erst am Samstag, 19. August, sein.
Mit der App hat man das Programm der Badenfahrt immer zur Stelle.
Q wie Quartiervereine Sie sind auch an der Badenfahrt mit ihren Festbeizen und zahlreichen Helferinnen und Helfern präsent, zum Beispiel die Quartiervereine Altstadt, Meierhof, Kappelerhof, Chrüzliberg oder Limmat rechts.
Mehrwegbecher sollen Abfall vermeiden.
S wie Sicherheit Die Stadtpolizei Baden, die von der Regionalpolizei Wettingen-Limmattal unterstützt wird, hat verschiedene Sicherheitsmassnahmen beschlossen. Jedoch wird nicht über alle öffentlich gesprochen, wie der stellvertretende Kommandant im Juli gegenüber der az sagte. Was feststeht: Es wird Zufahrtssperren geben, zudem wird die Polizei Präsenz markieren und Personenkontrollen durchführen. In erster Linie kümmert sich das Korps um Fälle von Kleinkriminalität, bei einem Grossereignis würde die Kantonspolizei den Lead übernehmen. Zum Thema Sicherheit gehört auch eine Präventionskampagne. Dabei werden Festbesucher beispielsweise daran erinnert, das eigene Getränk nicht unbeabsichtigt zu lassen, damit keine Substanzen wie K.-o.-Tropfen beigefügt werden können.
Das Toilettenmodul mit Bar von Mr. Loo an der Badenfahrt.
U wie Unterhaltung Mit drei Musikbühnen – die grosse Bühne im Graben, die Blues- und Jazzbühne auf dem Bahnhofplatz sowie die alternative Bühne beim Tränenbrünneli –, dem traditionellen Freilichtspektakel, den über 90 Festbeizen und zahlreichen weiteren Lokalitäten bietet die Badenfahrt ein volles Programm an Konzerten, Spektakeln, Theatern und vieles mehr.
V wie Versus So lautet das Motto der Badenfahrt 2017. Es greift das kontrastreiche Stadtleben auf und lädt zum Spiel mit Badens Gegensätzen ein. Oben die laute und hektische Schulhausplatzbaustelle vs. unten der idyllische Flussraum, die moderne Industriestadt vs. die verträumte Altstadt. Die Gegensätze treten auch in den Untergebieten des Festgebiets auf und bilden drei Versuspaare: Nord vs. Süd, Oben vs. Unten, Alt vs. Neu
W wie Wetter Die Badenfahrt ist ein Strassenfest, bei dem die Besucher von Festbeiz zu Festbeiz und von Spektakel zu Spektakel ziehen. Man kann nur hoffen, dass Petrus mitmacht. Doch auch wenn es regnen sollte, wird das Wetter der Stimmung keinen Abbruch tun. Es lebe der Badener Geist.
Die Badenfahrt ist ein Mittel der Seelenheilkunde.
Y wie Yeah cool Kinder und Jugendliche erhalten in der Aue ein eigenes Festgebiet. Jungwacht und Blauring verwandeln den Parkplatz neben dem Lunapark in eine grosse Erlebniswelt mit dem Namen «Viu versa». Im Zentrum steht dabei das Atelier, in dem die Kinder ihre kreative Ader entdecken und experimentieren können. Für Unterhaltung sorgen unter anderem auch eine Kinder- und Jugendbühne sowie ein Spielplatz.
Z wie Zeiten Freitag, 18. und 25. August, wird von 18 bis 4 Uhr morgens gefeiert, am Samstag, 19. und 26. August, von 11 bis 4 Uhr. Am Sonntag, 20. und 27. August, findet die Badenfahrt von 11 bis 24 Uhr statt. Am Montag, 21. August, und Dienstag, 22. August, sind die Festzeiten von 18 bis 24 Uhr festgelegt. Am Mittwoch, 23. August, sowie am Donnerstag, 24. August, von 18 bis 2 Uhr

A wie Anreise Autofahrer müssen mit Einschränkungen auf dem gesamten Festgebiet rechnen, deshalb reist man am besten mit den öffentlichen Verkehrsmitteln an. Die Regionalen Verkehrsbetriebe Baden-Wettingen, die Postauto AG und die SBB verdichten und verlängern ihr Fahrplanangebot während der Badenfahrt. Dabei wird der Festpass während der Festzeiten sowie eine Stunde davor und danach als Fahrausweis anerkannt. Er gilt in 17 Zonen der A-Welle: 530, 531, 532, 533, 550, 551, 552, 560, 561, 562, 563, 565, 570, 571, 572, 573, 574.

Juri Junkov

«Versus» lässt alles offen, da musste man ja alle Verein ins Boot holen ...

Hirzel: Das ist sicher eine nette Nebenerscheinung. 1982 war es beim Thema Illusionen ähnlich.

Anderes Thema: Die Neugestaltung des Schulhausplatzes: Wie ging man mit dieser Ungewissheit im Festgebiet um?

Zgraggen: Der Schulhausplatz war schwierig ins Festkonzept zu integrieren, darum haben wir vielmehr darum herum geplant.

Gibt es darum auch keinen Umzug oder hat man sich vom Umzug generell verabschiedet, weil man die Vereine nicht noch zu mehr Engagement verpflichten wollte?

Hirzel: Nebst dem Riesenaufwand für die Festbeizen den Vereinen noch zweimal an den Sonntagen einen Umzug zuzumuten, wäre zuviel geworden. Das signalisierten auch einige Festbeizer. Und die unsichere Situation bei der Baustelle am Schulhausplatz erleichterte uns den Entscheid, auf den Umzug zu verzichten.

Zgraggen: Wir verfolgten lange ein kombinierte Variante mit einem Festspiel und einem Umzug. Wir wollten auch niemanden zu einer Umzugsteilnahme zwingen. Der Umzug ist aber sicher nicht für immer gestorben. Wenn wir das Thema künftig wieder aufnehmen, müssen wir uns überlegen, wie man die Teilnahme anders lösen könnte.

Immerhin lockten Umzüge jeweils an den Sonntagen viel Publikum. Der Festpassverkauf füllte damit die Kasse.

Zgraggen: Wir sind überzeugt, dass wir die Menschen mit dem attraktiven Bühnenbetrieb und den Streitplätzen, wo man sich spielend begegnen kann, nach Baden holen werden.

Hirzel: Wir werden so viele Besucher haben, dass man kaum mehr vorwärts kommen wird. Davor habe ich sogar Respekt.

Eliane Zgraggen und Adi Hirzel

Die 41-jährige Eliane Zgraggen zeichnete schon für das Stadtfest 2012 als Festgestalterin verantwortlich. Die Künstlerin ist im künstlerischen und kulturellen Bereich im In- und Ausland tätig. Zgraggen wohnte lange Zeit in Untersiggenthal und lebt jetzt mit ihrer Familie in Wollishofen ZH.

Der 48-jährige Adi Hirzel bildete schon am Stadtfest 2012 zusammen mit Marc Périllard das OK-Präsidium. Der Wirtschaftsanwalt ist Partner bei der Blum&Grob Rechtsanwälte AG in Zürich. Adi Hirzel wohnt in Zürich und hat eine 17-jährige Tochter.

Wird die Badenfahrt Opfer ihres Erfolgs? Der zunehmende Gigantismus steht auch unter heftiger Kritik. Sollte das Komitee nicht Gegensteuer geben?

Hirzel: Wir haben wenig Einfluss darauf, welchen Aufwand die Vereine zu betreiben bereit sind. Auch wenn einige immer mehr oder höher hinaus wollen – wir fördern diesen Gigantismus sicher nicht.

Zgraggen: Es ist auch nicht unser Ziel, immer grösser und aufwendiger zu werden. Wir beurteilen die eingereichten Beizenprojekte auch nicht nach solchen Gesichtspunkten.

Bei Festbauten wie etwa der Raketenbeiz auf dem Schlossbergplatz fällt es schwer, dies zu glauben.

Hirzel: Hätten wir dieses ehrgeizige Projekt einer Gemeinde etwa abklemmen wollen? Selten haben so viele Aussengemeinden mitgemacht. Wir müssen es auch so sehen. Es hat aber sehr viele andere, auch kleinere Festbeizen. Und Hand aufs Herz: Wo sonst gibt es denn so eine spektakuläre Festbeiz?

Aufbauarbeiten für die Badenfahrt
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Hoch über der Limmat ragen die Holzbauten des OKs über den Rand der Hochbrücke.
Die Aussicht auf die Badener Altstadt ist prächtig.
Rien ne va plus auf der Hochbrücke: Seit dieser Woche ist sie für den Individualverkehr in beide Richtungen gesperrt.
Nur noch Busse und Velos dürfen bis zum Ende der Badenfahrt über die Hochbrücke fahren.
Die Zimmerei Meier aus Endingen baut den 111 Meter langen Pavillon des OKs auf der Brücke auf. Entworfen haben ihn die 2x2 Architekten aus Lenzburg von OK-Mitglied Peter Heusler.
Freie Sicht auf Wettingen: Die Hochbrücke wird zum Fussgängerparadies.
Neben der Sebastianskapelle auf dem Kirchplatz steht die Sandsibar der Cordulazunft.
Die Sandsibar hat schon Aufrichte gefeiert: Auf dem Kirchplatz soll bald ein Hauch von Afrika wehen.
Hinter der Stadtkirche stehen die Buden bereit.
Auf dem hinteren Kirchplatz liegt eines von vier zentralen Getränkelagern der Müllerbräu.
Die Raketenstation Universall der Gemeinde Ehrendingen ragt am Schlossbergplatz in die Höhe.
Von der obersten Plattform aus kann man auf 31 Metern Höhe die Aussicht über die Stadt geniessen.
Auf dem unteren Bahnhofplatz wächst die Blues- und Jazzbühne empor.
Statt dem Springbrunnen auf dem Bahnhofplatz sprudeln bald die Drinks im Bistro de la Presse.
Der Theaterplatz ist noch unverbaut, das Baumaterial steht bereit.
Im Graben entsteht die Beiz der Schrottbuebe.
Hier riecht es wie in der ganzen Stadt nach frisch verarbeitetem Holz.
Im Kurpark steht schon die Tribüne für das grosse Festspiel Universus. Nächste Woche beginnen hier die Generalproben unter der Regie von Philipp Boë.
Am Limmatufer neben dem Landvogteischloss entsteht das Piccolo Paradiso des Vereins Paradogma.
Die steilste Beiz der Badenfahrt: Am Hang neben der Hochbrücke rechts der Limmat baut der Verein Leviathan.
Das Terrassenhaus, das hier entsteht, bietet einen ganz anderen Blick auf die Stadt Baden.
Im Stohlergut proben die Chropfchrötte aus Wettingen schon auf ihrer Schrottboden-Alp.
Garantiert ohne Fipronil: Eine Wand aus Eierschachteln auf der Schrottboden-Alp.
Schrott, wohin das Auge schaut.
Polygon und Fantoche: Am Hang über dem Tränenbrünneli entstehen gleich mehrere Beizen und Bühnen.
Die Gerüstbauer der Firma Nüssli waren kreativ und haben hier kurzerhand in den Goldfischteich hinein gebaut.
153 Stufen von der Limmat bis zum Kurpark: Eine provisorische Treppe bietet während der Badenfahrt eine Alternative zum überfüllten Limmatlift.
Auch von hier hat man eine prächtige Aussicht über die Stadt.
Im Kafi Royal und bei der Alternativen Bühne beim Tränenbrünneli werden an der Badenfahrt Flüchtlinge und Asylsuchende mitarbeiten.

Aufbauarbeiten für die Badenfahrt

Badener Tagblatt

Aber der Gigantismus ist im OK sicher auch thematisiert worden?

Hirzel: Das OK hat lediglich festgestellt, dass wir bezüglich Professionalität und Aufwand einen Punkt erreicht haben, über den es nicht mehr hinaus gehen sollte. In Zukunft sollten wir eher wieder zurückschrauben.

Mit dem Gigantismus wird auch das Thema Sicherheit präsenter: Ist Ihnen als OK-Präsident noch wohl, wenn Sie an die Sicherheit der Festbesucher denken?

Hirzel: Eine gute Frage, die ich mir auch schon gestellt habe. Meine Antwort: Es wäre mir nicht wohl, wenn wir nicht alle notwendigen Abklärungen gemacht und die entsprechenden Vorkehrungen getroffen hätten. Die Sicherheitsauflagen haben uns die Profis auferlegt, das Ressort Sicherheit der Stadt ist im OK vertreten.

Die Risiken – Stichwort Terrorgefahr – sind aber seit den letzten grossen Festen grösser geworden.

Hirzel: Das ist so. Und wir haben auf die neue Bedrohungslage reagiert und dürfen guten Gewissens in diese Badenfahrt gehen. Im Übrigen haben die Erfahrungen uns immer wieder gelehrt, dass die soziale Kontrolle selten so gut funktioniert wie an einer Badenfahrt. Gemessen an der Publikumszahl gibt es in Baden einen Bruchteil von Zwischenfällen.

Sie schlafen also gut.

Hirzel: Wir können nie alles ausschliessen, doch wir haben alles Erdenkliche getan. Ich schlafe gut. Wir haben beispielsweise die Hochbrücke gesperrt. Damit haben wir die Sicherheit erhöht und gleichzeitig eine zusätzliche Festzone geschaffen, trotz aller kritischen Stimmen.

Was ist eigentlich das Ziel des Komitees? Die beste Badenfahrt aller Zeiten?

Zgraggen: Inhaltlich ist es für uns die kulturelle Ausgewogenheit; es gibt sehr viel Feinstoffliches neben dem kommerzielle Anteil.

Hirzel: Es geht nicht um die beste Badenfahrt. Sie soll einfach gut sein und Freude bereiten, dem Publikum wie allen, die engagiert sind. Im Zentrum steht für uns die Qualität wie etwa keine Firmen- und Werbeauftritte an der Badenfahrt.

Was bringt eine Badenfahrt dem Komitee eigentlich finanziell?

Hirzel: Alle Mitglieder arbeiten ehrenamtlich. Eliane hatte am Schluss einen Fulltime-Job. Darum haben wir mit ihr eine Vereinbarung für eine Entschädigung, so, wie man es früher mit Festgestalter Marco Squarise hatte.

Auch bei einer guten Badenfahrt verdient das Komitee also nichts?

Hirzel: Nein, jedem ist es bewusst, dass es kein Geld zu verdienen gibt, das war immer so und soll so bleiben.

Das Komitee hat keine Nachwuchssorgen?

Hirzel: Es ist eine Ehre dabei zu sein. Andere OKs haben Mühe, ihr Chargen zu verteilen. Wir müssen Leute ablehnen. Sicher gibt es ein OK-Schlussfest. Wenn der Gewinn gross ist, richten wir Spenden aus und bilden Reserven.

Mit welchen Zahlen rechnet das Komitee bei dieser Badenfahrt bei den Einnahmen?

Hirzel: Wir budgetierten Einnahmen von 5 bis 6 Millionen Franken. Das geben wir aber auch aus. Die Einnahmen setzen sich zu je einem Drittel aus Sponsorenbeiträgen, Beizenabgaben und Bändeli-Verkauf zusammen.

Ist der Vorverkauf gut gelaufen?

Hirzel: Der Vorverkauf lief gut. Aus jetziger Sicht werden wir eine schwarze Null schreiben können. Es lag uns auch viel daran, die Badenfahrt nicht zu «verkommerzialisieren». Der Erfolg hängt nun vom weiteren Festpass-Verkauf ab.

Muss man also mit aggressivem Festpass-Verkauf am Fest rechnen?

Hirzel: Was heisst aggressiv? Wir können und wollen die Festgebiete nicht abriegeln. Doch wir werden strenger kontrollieren als 2012. Dazu sind Teams begleitet von Securitas-Leuten im Einsatz. Die Fest-Bändeli sind für die Festbesucher obligatorisch. Man muss bedenken: Für ein Bändeli erhält man einen hohen Gegenwert. Das geht vom Festbesuch, den Konzertbesuchen bis zur Möglichkeit, den öffentlichen Verkehr inkl. Nachtzuschlag zu benutzen.

Könnte das Wetter noch Spielverderber sein?

Hirzel: Das Wetter ist nicht einmal so matchentscheidend, wenn es nicht zehn Tage durchregnet. Aber es sieht ja mittelfristig gut aus.

Was, wenn Sie am Schluss mit einer halben Million in der Kreide sind?

Hirzel: Das wird hoffentlich nicht passieren. Einen Konkurs könnten wir abwenden, weil ja noch Reserven bestehen. Doch wir sind auf Kurs.

Reden wir noch kurz über kritische Punkte. Am Stadtfest wurde zum Beispiel die wenig attraktive Badstrasse mit den vielen Ständen kritisiert. Wird das besser?

Zgraggen: Darauf haben wir ein spezielles Augenmerk gelegt. Wir haben gestalterisch Einfluss genommen und auch die öffentlichen Restaurants wurden dazu animiert, das Thema in der Gestaltung ihrer Beiz aufzunehmen.

Hirzel: Wir haben die besten Essstände ausgewählt. Es gibt keinen Jahrmarkt mehr. Die Stände sind auch besser platziert.

Vereine reklamierten, dass Alkohol an den Ständen zu Dumpingpreisen erhältlich war – auf Kosten der Festbeizen.

Hirzel: Es sind Kontrollen angekündigt. Und: An den Ständen gibt es keinen harten Alkohol. Es kann nicht sein, dass dort «Caipi’s» billiger verkauft werden als in einer schönen Fest-Bar.

Und wie steht es mit dem «Soundbrei» im Festgebiet?

Zgraggen: Für einige Festgebiete haben wir Sitzungen mit den Festbeizern einberufen, so weiss jeder, was links und rechts läuft und es konnten Absprachen getroffen werden.

Hirzel: Wir haben immer aus Fehlern gelernt und gehandelt. Wer jedoch als Innenstadtbewohner die Badenfahrt nicht liebt – auch diese Menschen muss man verstehen –, der wird zehn Tage lang ein Problem haben.

Das Thema Reservationen sorgte im Vorfeld auch für rote Köpfe.

Zgraggen: Die Reservationen werden sich selber regulieren. Sie sind sicher für Familienangehörige der Festbeizen-Betreiber ein guter Weg, einmal das Fest geniessen zu können.

Hirzel: Wir haben das Thema angefasst. Jetzt besteht erstmals Transparenz. Wir werden es aber genau anschauen und kontrollieren.

Wann und wo begegnet man dem Präsidenten und der Festgestalterin an der Badenfahrt?

Zgraggen: Für mich ist das Gebiet Kurpark speziell wichtig, auch der Theaterplatz mit seiner kulturellen Dichte. Ich werde die Schriftsteller begleiten, die für das Badenfahrt-Buch schreiben werden. Dann werde ich alle Beizen besuchen, damit ich sie auch bewerten kann.

Hirzel: Möglichst in jedem Festgebiet! Mich interessiert besonders, ob die Erwartungen in die vielen Projekte erfüllt wurden, schliesslich sind 50 000 Franken bei der Jurierung zu vergeben. Natürlich werden wir auch beobachten, wo während des Fests etwas verändert werden muss. Ich werde sicher 10 Tage lang nicht vor Festschluss ins Bett gehen. Jetleg nachher hin oder her.

2022 steht wohl das nächste Fest an – mit Ihnen im OK?

Hirzel: Im Vordergrund steht jetzt erst mal die Badenfahrt. Danach muss ich dann mal auslüften. Nach zwei Jahren werde ich eine Lagebeurteilung machen. Es wird im Komitee sicher Wechsel geben, neue Gesichter bringen neue Ideen, so muss es auch sein.

Zgraggen: Ich spreche sicher nicht jetzt über die Zukunft. Ich bin aber sicher nicht Badenfahrt-müde!

Hirzel: Wir werden uns wohl monatlich wieder zu einem Stamm treffen. Das ist das Schöne im Vergleich zu jährlichen Festen. Man muss nicht gleich wieder mit der neuen Planung beginnen.

Keine Angst vor einem Konkurrenzverein, der sich um Badenfahrt bemühen will?

Hirzel: Viel Vergnügen! Ohne finanzielle Mittel, Start mit Null, am Anfang viele Vorleistungen. Wir haben die Kasse, die Erfahrung. Kreativität und Engagement sind aber immer erwünscht, dann würden wir eventuell mit einer Konkurrenz zusammenarbeiten.

Eliane Zgraggen, Warum muss man zwischen dem 18. und 27. August unbedingt nach Baden kommen?

Zgraggen: Es ist das eindrücklichste Fest, das ich kenne. Kein anderes Fest in der Schweiz ist damit vergleichbar, vielleicht auch weil es nur alle fünf respektive zehn Jahre stattfindet. Allein darum lohnt sich ein Besuch.