«Wenn ich einen schlechten Tag hatte, komme ich beim Musikmachen wieder zur Ruhe», erzählt Beat Widmer, Präsident der Harmonie Turgi Gebenstorf. Seit sechs Jahren steht der Briefträger dem 27-köpfigen Musikverein vor, der 2014 aus einer Fusion der Dorfmusik Gebenstorf und der Harmonie Turgi entstand. Und spielt Tuba.

«Freude am gemeinsamen Musizieren», das Credo der Aargauer Blaskapelle, steht am Jahreskonzert 2017 in der Mehrzweckhalle Brühl in Gebenstorf auch auf der Menükarte. Es gibt Rindfleischvögel und Gemüserisotto. Die langen Festbänke sind bis auf den letzten Platz besetzt. Das sah vor ein paar Jahren noch anders aus.

«Als ich das erste Mal mit von Partie war, hatten wir etwas über 100 Leute im Publikum. Für den heutigen Abend sind 220 Personen angemeldet und viele kommen noch spontan dazu», erzählt Widmer erfreut. Hinter dem geschlossenen Vorhang werden nochmals einige Choräle geübt. Und schon da ist deutlich zu hören: Das Zusammenspiel der Bläsertruppe klingt sehr homogen. Dirigent Markus Schmid sorgt seit 2002 für Ruhe und Kontinuität im Verein, der seit 126 Jahren besteht und früher oft unter starken Schwankungen sowie fehlender Stabilität litt; bis er fast vollends einging. Davon ist am Unterhaltungskonzert keine Rede mehr. Höchstens das Konzertmotto «C’est la vie» nach einem Sommerhit des algerischen Sängers Khaled erinnert noch an das vergangene Auf und Ab, das gemäss Widmer «halt einfach auch zum Leben dazugehört».

Eine bunte Mischung

«Wir möchten schon locker rüberkommen, aber den Clown machen wir nicht», sagt Widmer dazu. Bei der Interpretation von «You can leave your hat on» setzten sich immerhin alle einen Hut auf. Moderatorin Nadja gibt zu den einzelnen Nummern interessante Kommentare. Zum Beispiel, dass der Erotikfilm «9 ½ Wochen», aus dem dieser Song stammt, im prüden Amerika anfänglich total floppte. Oder, dass die Titelmelodie «We have all the time in the world» zum James-Bond-Film «Im Auftrag ihrer Majestät» der letzte Song war, den Louis Armstrong einspielte, bevor er 1971 starb. Riesige Ambitionen, von der mittleren in die oberste Liga aufzusteigen, bestehen laut dem Präsidenten nicht. «Die Harmonie Turgi Gebenstorf macht Musik fürs Volk, bei der man mitklatschen und mittanzen kann. Für einen Platz in der 2. oder gar 1. Liga müssten wir weit mehr als einmal in der Woche proben. Diesen Zeitaufwand schaffen wir nicht.» Und Beat Widmer doppelt nach: «Der Spass geht bei uns immer vor.»