Baden

«Wir müssen die Grossen und die KMU pflegen»

FDP-Stadtammannkandidat Roger Huber: «Hier oben auf der Baldegg spüre ich meine Wurzeln.» Emanuel Freudiger

FDP-Stadtammannkandidat Roger Huber: «Hier oben auf der Baldegg spüre ich meine Wurzeln.» Emanuel Freudiger

Stadtrat Roger Huber (FDP) will als möglicher Badener Stadtammann nebst der Wirtschaft auch «Wohnen im Alter» fördern.

Treffpunkt für das Interview ist die Baldegg. Diese Wahl ist nicht zufällig, denn unweit davon hat Roger Huber seine Jugendzeit verbracht. Hier, wo sich Badens Naherholungsgebiet für Jung und Alt befindet, durchstreifte er zuerst als Kind dann als Pfader den Wald. Dass er als zuständiger Stadtrat für die Liegenschaften der Ortsbürger die «Baldegg» sanieren und umbauen durfte, war für ihn etwas Besonderes.

Herr Huber, Sie haben hier auch den Spielplatz umgestaltet, was Ihnen als junger Vater wohl sehr am Herzen liegt.

Roger Huber: Ja, aber das war mir schon vor der Geburt unseres Sohnes wichtig. Wir haben ein neues Spielplatzkonzept entwickelt. Das Ressort Liegenschaften investiert seit meinem Amtsantritt kontinuierlich in die Verbesserung der Spielplätze.

Was bewegt Sie als Anwalt zur Kandidatur? Lohnmässig ist es ja kein Aufstieg.

Ich bin Badener durch und durch, hier geboren, hier befindet sich mein soziales, politisches und wirtschaftliches Netzwerk. Ich durfte als Stadtrat neun Jahre ein grosses Ressort führen und möchte jetzt meine Tätigkeit für diese Stadt verstärken. Mit der Erfahrung und dem beruflichen Hintergrund, den ich mitbringe, will ich Baden weiterbringen.

Wie weit wurden Sie von der FDP in diese Kandidatur gestossen?

Wer mich kennt, weiss, dass ich meinen Weg selber gehe. Ich habe schon früher, wenn auch nicht öffentlich, gesagt, dass mich dieses Amt reizen würde, wenn es einmal zur Disposition steht. Die Kandidatur ist eine logische Folge davon, was ich bis jetzt für die Stadt getan habe.

Eine gute getimte Karriere also?

In der Politik lässt sich die Karriere nicht leicht planen. Baden als Stadtammann mitzugestalten, ist eine einmalige Chance, die ich packen will.

Als es 2004 um die Nachfolge von Stadtrat Philip Funk ging, war Ihre Kandidatur nicht unumstritten.

Ich war fünf Jahre Einwohnerrat und Parteipräsident und politisch verankert. In der demokratischen Ausmarchung mit Peter Heer und Martin Zimmermann obsiegte ich.

Wo stehen Sie heute in der Partei?

Ich darf auf breite Abstützung zählen, weit über die Parteigrenze hinaus, was sich im Unterstützungskomitee widerspiegelt. Ich habe eine geschlossene FDP im Rücken. Martin Zimmermann und Peter Heer unterstützen meine Kandidatur voll.

Sie waren damals 30, nächstes Jahr werden Sie 40. Hat sich Roger Huber verändert?

Natürlich bin ich nicht mehr derselbe, allein altersbedingt. Das bringt die politische und berufliche Verantwortung, die ich trage, mit sich und die familiäre Situation. Ziele haben sich geändert, und man geht die Dinge anders an.

In Ihrem Beruf braucht es nicht explizit Führungsqualitäten, als Stadtammann schon. Ein Nachteil?

Als Stadtrat stehe ich einem Ressort mit rund 150 Mitarbeitenden vor. Ich bin es gewohnt, strategisch zu führen, und das tue ich mit den Abteilungsleitern im Team. Zudem sitze ich in verschiedenen Gemeindeverbänden. Auch da sind Führungsqualitäten gefragt. Ich holte mir einen grossen Erfahrungsschatz, zum Beispiel mit der Restrukturierung des Abwasserverbandes. Gepaart mit den Werkzeugen als Jurist, Verhandlungsgeschick und Vermittlungsstrategie bringe ich Fähigkeiten mit, die einem als Ammann sehr nützlich sein können.

Ihr Slogan «Ich möchte euer Stadtammann sein» kann auch etwas anbiedernd interpretiert werden?

Als Stadtammann muss man greifbar sein, ein Stadtammann für alle, mit der Fähigkeit, sich auch sozial zu engagieren. Der Slogan soll meine Nähe zu den Menschen ausdrücken.

Wo würden Sie neue Schwerpunkte setzen?

Ich sehe drei Punkte: Wir sind von den Unternehmen her etwas energielastig. Ich würde mit dem Auf- und Ausbau im Bereich Gesundheit, Wellness und Medizinaltechnik ein zweites Standbein im Wirtschaftsgrossraum Zürich forcieren. In den Bädern ist einiges angedacht, Synergien sind absehbar. Zweitens müssen wir uns die demografische Entwicklung vor Augen halten. Ich würde nebst den aufgegleisten Vorhaben wie Kehl und Strukturierung im Pflegebereich die strategischen Entscheide herbeiführen zugunsten von Wohnen im Alter und verbesserter Infrastruktur. Nicht dass die Stadt selber bauen soll, sondern Investoren gewinnt, die diesen Wohnraum bauen. Drittens: Der wichtigste Wirtschaftsmotor im Kanton, die Region Baden, soll weiterlaufen und geölt werden. Das heisst, wir müssen Grossunternehmen wie KMU pflegen, und die Verkehrserschliessung gewährleisten.

Es braucht günstigen Wohnraum.

Die Wohnungspreise sind in Baden in der Tat relativ hoch, darum sind wir für Doppelverdiener, die nicht zuletzt aus dem Kanton Zürich zu uns ziehen, sehr attraktiv. Es müssen aber auch Menschen mit niedrigeren Einkommen Wohnraum finden.

Wo?

Die Stadt besitzt selber rund 300 Wohnungen mit fairen Mietzinsen. Wir dürfen das Wohnproblem nicht auf die Stadt fokussieren, es ist etwas Regionales. Unser Leerwohnungsbestand ist zwar sehr klein. Doch unweit vom Zentrum, in Neuenhof, da stehen günstige Wohnungen leer. In der Innenstadt hat es wenig Platz.

Soll sich die Stadt für günstigen Wohnraum einsetzen?

Das tun wir mit der neu gegründeten Wohnbaustiftung gezielt im Brisgi. Ich bin jedoch klar gegen Subventionierung von Wohnraum nach dem Giesskannenprinzip. Zur Rolle der Stadt: Wir haben einen Immobilienmarkt, der die Preise gestaltet. Hier eingreifen zu wollen, wäre schwierig. Wichtig ist, dass wir unser eigenes Angebot auf dem aktuellen Preisniveau halten können.

Also muss die Stadt tatenlos zusehen, wie neue Kleiderläden öffnen?

Seitens der Stadt können wir höchsten die Immobilienbesitzer dazu anhalten, an einen guten Ladenmix zu denken. Doch oft kennen wir die Eigentümer nicht. In der Badstrasse liegt die Preisentwicklung an der Grenze des Erträglichen. Dafür haben wir eine erfreuliche Entwicklung in der Altstadt, wo auch Nischengeschäfte existieren können. Mit der Neugestaltung der Weiten Gasse leisten wir als Stadt einen Beitrag.

Im Metro Shop fehlt ein Laden, der auch sonntags offen hat.

Migros hat den kleinen Laden geschlossen, weil er nicht rentierte. Es ist nicht Sache des Stadtrats, der Privatwirtschaft Vorschriften zu machen. Ich beabsichtige auch nicht, selber ins Lebensmittelgeschäft einzusteigen, das kann Herbert Bolliger besser.

Löst das Schulhausplatz-Projekt das Verkehrsproblem oder braucht es den Baldeggtunnel?

Zuerst werde ich zusammen mit dem künftigen Vorsteher des BVU bemüht sein, dass das Projekt Schulhausplatz zeit- und kostengerecht realisiert wird. Dennoch müssen wir uns in dieser mehr als 100000 Menschen zählenden Region bewusst sein, dass es zu gewissen Zeiten keine freie Durchfahrt mehr geben kann. Am Schulhausplatz wollen wir eine klare Bevorzugung des Busses und eine gewisse Verflüssigung des motorisierten Individualverkehrs. Doch der Verkehr ist eine überregionale Angelegenheit, bei der wir zwar Mitsprache haben, aber nicht allein entscheiden können.

Und der Baldeggtunnel?

Ob er Baldeggtunnel oder anders heisst: Es braucht diese Entlastung. Aber im heutigen Planungsstand ist das Vorhaben sehr verbesserungswürdig. Das gilt vor allem betreffend Südrampe, dort muss die Anbindung ans Reusstal und die A1 überregional betrachtet und nachgebessert werden.

Die Stadt könnte autoarmes oder -freies Wohnen fördern und so einen Beitrag leisten.

Das ist aufgegleist, in der Innenstadt im Merker-Areal, im Areal Müllerbräu und im Galgenbuck – das wird weiter verfolgt. Wir beabsichtigen beim Bahnhof Dättwil Land zu sichern für den öV. Ich werde beim Nationalbahntrassee am Ball bleiben. Aber es ist so: Baden kann kein Verkehrsproblem alleine lösen. Hauptproblem ist die Anbindung des Rohrdorferberges und des Reusstals.

Sie sagten vorhin «kostengerechte Realisierung». Heisst das sparen – zum Beispiel beim Schulbau?

Unsere Prämisse ist klar, eine qualitativ hochwertige Schule vorweisen zu können. Wir wissen, dass das einiges kostet, und haben zusammen mit den betroffenen Gemeinderäten die entsprechenden Entscheide gefällt. Wenn man sich aber auf einen Kostenrahmen geeinigt hat, ist man als Stadtammann verpflichtet, dafür zu sorgen, dass dieser eingehalten wird.

Wie stehen Sie zum Thema Kooperationen und Fusionen?

Die gemeindeübergreifende Zusammenarbeit war für mich schon immer ein zentrales Thema. Bereits vor meiner aktiven politischen Zeit habe ich mich als Gründungsmitglied im Verein Stadtunion engagiert. Man muss in einer Region in jeglicher Hinsicht die möglichen Synergien nutzen.

Doch irgendwann stösst man mit Kooperationen an Grenzen.

Wichtig ist es, dort zusammenzuarbeiten, wo es Sinn macht. Leider ist die Fusion mit Neuenhof gescheitert. Doch wir dürfen den Kopf nicht in den Sand stecken, sondern müssen den Regionsgemeinden zeigen, dass wir für einen solchen Schritt bereit sind. Es ist aber Sache der Gemeinden, auf uns zuzukommen. Dies darf nicht nur aus einer finanziellen Notlage heraus geschehen. Ich denke, die Umfrage in Ennetbaden ist ein erstes Signal.

Das Nein zu Neuenhof kam aber aus Baden.

Meines Erachtens war es kein allgemeines Nein zu Gemeindezusammenschlüssen. Es braucht bei einem nächsten Schritt grosse Überzeugungsarbeit auf allen Seiten. Diese Arbeit würde ich als Stadtammann sehr gerne leisten.

Sie sind karrierebewusst. Werden Sie in 24 Jahren als Stadtammann pensioniert?

Wer mich kennt, weiss, dass ich auch wieder Mal eine Veränderung brauche. Bewusst habe ich nicht für den Grossen Rat kandidiert, denn ich möchte mich ganz auf das Amt des Stadtammanns konzentrieren. Sicher möchte ich mich wie meine Vorgänger später als Grossrat in Aarau für Stadt und Region einsetzen. Weiter sicher nicht, solange ich Stadtammann wäre, denn dieses Amt verlangt alle Kräfte seines Inhabers.

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