Stetten

«Wir schotten keine behinderten Personen ab»

Die Sozialpädagogin Maya Streich hilft Menschen mit Behinderungen.

Die Sozialpädagogin Maya Streich hilft Menschen mit Behinderungen.

Die Sozialpädagogin Maya Streich arbeitet im Wohnheim «Götschihof» im zürcherischen Aeugstertal. Sie organisierte ein Wochenende für Personen mit Schwerstbehinderungen in Stetten.

Frau Streich, worin liegt die grösste Schwierigkeit bei der Planung eines solchen Wochenendes?

Maya Streich: Bei der Unterkunft. Mehrere wichtige Punkte müssen dabei beachtet werden. So sollte die Unterkunft preisgünstig sein, da die Schwerstbehinderten nur IV-Rente beziehen; sie sollte rollstuhlgängig sein; die Sanitäreinrichtung muss angepasst sein. Ausserdem muss die Möglichkeit bestehen, die Medikamenten zu kühlen. Zudem sollten keine Kajütenbetten vorhanden sein.

Und was gibt es bei einem Restaurantbesuch zu beachten?

Im Vorfeld muss abgeklärt werden, ob wir überhaupt erwünscht sind, denn nicht alle Wirte wollen Personen, die sabbern und teilweise komische Geräusche von sich geben im Restaurant haben – was auch verständlich ist. Dann sollte auch das Restaurant rollstuhlgängig und preisgünstig sein.

Gibt es viele geeignete Tagesausflugsmöglichkeiten in der Region?

Leider nein. Würde ich privat im Aargau Ferien machen, würde ich mir ein Schloss ansehen – was mit den Schwerstbehinderten nicht geht. Ich habe im Vorfeld verschiedene Optionen geprüft und bin auf das Hallenbad in Mellingen gestossen. Dort hat es eine behindertengerechte Einrichtung. Auch das Kloster Gnadenthal ist eine Option.

Brauchte es für ein solches Wochenende nicht eine halbe Armee an Betreuern?

Im Götschihof gibt es eine interne Regel, die besagt, dass man für drei bis vier behinderte Personen zwei Betreuer braucht. Da wir mit vier Personen unterwegs waren, waren wir zwei Betreuer. Für die Restaurantaufenthalte kam jedoch noch eine dritte Betreuungsperson dazu, da wir drei der behinderten Personen das Essen eingeben müssen.

Zwei Betreuungspersonen für vier Schwerstbehinderte – ist das nicht anstrengend?

Ja sehr. Das Anstrengendste an solchen Wochenendaufenthalten ist, dass wir auch in der Nacht präsent sein müssen. Die meisten schlafen zwar die ganze Nacht durch; wir Betreuer machen aber regelmässige Einlagekontrollen.

Warum nehmen Sie diese Anstrengung überhaupt auf sich?

Im Götschihof gehen wir nach dem Normalisierungsprinzip. Das heisst, wir schotten die behinderten Personen nicht ab, sondern unternehmen mit ihnen normale Sachen wie Theaterbesuche oder ein Picknick am Zürichsee – auch ein Wochenende weg zu gehen, gehört für mich dazu.

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