Als ein 28-jähriger Mann vor fünf Wochen am Schlossbergplatz in Baden einer Frau helfen wollte, die von einer Gruppe junger Leute geschlagen wurde, richteten ihn die Schläger übel zu. Der Mann hatte einen hohen Preis für seine Zivilcourage bezahlt.

Dass solche Fälle künftig einen anderen Verlauf nehmen, darum ist die Präventionskampagne «HEH!» bemüht, welche die Stadtpolizei Zürich Anfang Jahr lanciert hat. Das Akronym «HEH» steht dabei für die Grundsätze Hinschauen, Einschätzen und Handeln. Aufgrund der engen Zusammenarbeit der Badener Polizeibehörde mit der Zürcher Stadtpolizei machte die Kampagne am Mittwoch mit einer Standaktion auf der Badstrasse in Baden Halt.

Badener Helfer in der Not wird zum Opfer

Badener Helfer in der Not wird zum Opfer – der Tele-M1-Bericht zum Fall vom Oktober

Als ein 28-Jähriger einer Frau, die von mehreren Männern geschlagen wird, helfen möchte, schlagen ihn die Übeltäter spitalreif.

Eingreifen oder Ausweichen?

Greife ich ein oder weiche ich aus? Wo hole ich Hilfe? Fragen wie diese gehen einem durch den Kopf, wenn man als Aussenstehender plötzlich mit Situationen von Gewalt, Diskriminierung oder Mobbing konfrontiert wird. «Der Wille, einzuschreiten, ist oftmals da, aber auch die Unsicherheit, wie man sich richtig verhalten soll», sagte Stadträtin Sandra Kohler (parteilos) an der Medieninformation zur Standaktion. Andreas Lang, Kommandant der Stadtpolizei Baden, sprach die Gratwanderung an, Selbstlosigkeit und Risikobereitschaft zu beweisen, ohne dabei sich selbst zu gefährden. Absicht der Kampagne ist es, angemessenes Verhalten besser zu schulen. Der direkte Kontakt der Polizisten mit Passanten sowie ein interaktives Rollenspiel an der Standaktion sollen dazu beitragen.

In Zusammenarbeit mit der Universität Zürich hat die Zürcher Stadtpolizei zudem ein Online-Tool entwickelt, bei dem die eigene Zivilcourage getestet werden kann. In verschiedenen Szenarien schätzen Teilnehmer ihr Bauchgefühl und ihr Entscheidverhalten ein. Der Vorteil: «Wer teilnimmt, erhält unmittelbar ein schriftliches Feedback, ob er gut oder schlecht reagiert hat», erklärte Kampagnenleiter Philipp Schläpfer. Dies liefere auch der Polizei Erkenntnisse, inwiefern die Bevölkerung über Zivilcourage Bescheid wisse.

Doch wie handle ich nun richtig bei Gewalt? Eine Patentlösung gebe es leider nicht, sagte Patric Nussli von der Stadtpolizei Baden. «Dafür sind die Szenarien viel zu verschieden.» Im Optimalfall sei die Lage bereits entschärft, ohne dass die Polizei habe eingreifen müssen. Entscheidend ist: «Wir wollen keine Helden, sondern vernünftig agierende Leute», so Nussli.

Ob und in welcher Form es mit der «HEH!»-Kampagne weitergeht, ist noch offen. Patric Nussli würde es begrüssen, wenn das Format an Schulen oder in die Jugendarbeit integriert würde. Heute findet in Baden die Fachtagung zur Schweizer Kriminalprävention statt. Nussli und sein Team werden ordentlich dafür werben, dass das Aufklären über Zivilcourage auch in weiteren Schweizer Städten zum Thema wird.