Baden

«Wir wünschen uns das Licht zurück»: Kinder klingeln Advent wach – in der Stube

Die Stadt Baden hat mit dem traditionellen «Liechterwecke» die Vorweihnachtszeit eingeläutet. Wegen Corona zuhause vor dem Radio.

Über 3000 Kinder und Erwachsene laufen jedes Jahr am Badener «Liechterwecke» mit ihren Glöckchen in der abgedunkelten Weiten Gasse los in Richtung Schlossbergplatz. Dort stand in den vergangenen Jahren meist die Wettinger Märchenerzählerin Maria Magdalena Kaufmann auf dem Vordach des Kleidergeschäfts Globus, erzählte die Geschichte des Badener Lichts und lud die Kinder danach ein, mit ihren Glöckchen die Adventsbeleuchtung in der ganzen Stadt wach zu klingeln. In diesem Jahr musste die Stadt das «Liechterwecke» wegen der Coronapandemie aber in die Stuben der Kinder verlegen.

Die 1500 Glöckchen erhielten die Jungen und Mädchen nicht wie üblich in der Cordulapassage, sondern sie konnten sie seit einer Woche in den vier Spanischbrödli-Bäckereien Himmel, Beck Arnet, Moser’s und Linde zusammen mit einem Gutschein für ein Spanischbrödli abholen. Bereits am Nachmittag schaltete die Stadt auf ihrer Website den ersten Teil der Geschichte auf. In diesem Jahr erzählte der Slampoet Simon Libsig das Märchen des kleinen Mädchens, das mit ihrem Glöckchen die Stadt zum Leuchten brachte. Kurz nach 17.40 Uhr trug er den zweiten Teil der Geschichte via Radio Argovia vor. Gleichzeitig konnten die Kinder per Livestream auf der Facebook-Seite der Stadt mitverfolgen, wie die Weihnachtsbeleuchtung erwachte.

Einige wenige sind fürs Liechterwecke zum Schlossbergplatz gekommen.

Einige wenige sind fürs Liechterwecke zum Schlossbergplatz gekommen.

Mädchen in der Geschichte hat jetzt einen Namen

Aufmerksamen Zuhörern dürfte dabei aufgefallen sein, dass Simon Libsig im ersten Teil das Mädchen in der Geschichte Hanna nannte – und ihm damit zum ersten Mal einen Namen gab. «Das Märchen hat zwar einen vorgegebenen Rahmen, dennoch soll jeder Erzähler der Geschichte eine eigene Handschrift geben», sagt Thomas Lütolf, Leiter Standortförderung der Stadt Baden. So hatten auch Jürg Steigmeier in den ersten Jahren und danach Maria Magdalena Kaufmann die Geschichte auf ihre Art geprägt. «Dass Simon Libsig mit seiner starken Stimme und dem regionalen Dialekt das Märchen im Radio las, war für uns eine grosse Freude», sagt Lütolf.

«Der volle Mond schaute ihr dabei zu»

Jede Nacht sei die kleine Hanna hellwach im Bett gelegen, da sich vor ihrem Fenster immer etwas bewegte, erzählte Libsig. Jede Nacht rief sie laut nach ihrem Vater, der ihr eine Kerze brachte. «Damals gab es noch keinen Strom und draussen noch keine Laternen. Wenn die Sonne weg war, war es so dunkel wie im Füdli eines Rhinozeros», erzählte Simon Libsig im ersten Teil. Denn das Licht, sagte der Vater zu Hanna, müsse auch mal schlafen. «Aber dann könnte man es doch aufwecken?», meinte Hanna. «Wir Menschen können das nicht», entgegnete der Vater. «Aber du kannst es dir ja auf deinen Geburtstag wünschen.»

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In der Nacht vor ihrem achten Geburtstag sei Hanna in die Goldschmiede ihres Vaters geschlichen und habe das Glöckchen entdeckt, das der Vater für sie geschmiedet hatte. Sie nahm es mit in ihr Zimmer, stand ans Fenster und klingelte. «Der volle Mond schaute ihr dabei zu», erzählte Libsig. Sein Glitzern auf der Limmat vermischte sich mit dem Klang des Glöckchens. Sie begannen zu tanzen, das Licht und die Musik, durch die Kronengasse, bis zum Rebstock, weiter die Halde hinauf. «Die ganze Stadt begann plötzlich magisch zu leuchten», so Libsig. «Hanna hat ein farbiges, warmes Licht aufgeweckt und alles Dunkle ist verschwunden.»

Die grosse Ansammlung blieb aus

Im zweiten Teil der Geschichte, den die Kinder am Abend am Radio mithören konnten, folgte der eigentliche Höhepunkt: das «Liechterwecke». Um 17.30 Uhr dunkelten viele Geschäfte in der Weiten Gasse ihre Schaufenster ab, aber für einmal blieb die Strasse davor leer. Vereinzelt waren Familien mit Glöckchen anzutreffen. «Wir sind unterwegs zum Schlossbergplatz. Wenn es aber zu viele Leute hat, gehen wir in die Rathausgasse», sagte eine Mutter.

Aber auch auf dem grossen Platz blieb die grosse Ansammlung aus. Über die Lautsprecher eines Autos konnten die wenigen Familien vor Ort kurz nach 17.40 Uhr mithören, wie Simon Libsig sagte: «Heute wünschen wir uns das Licht zurück.» Zum Glück hätten alle wie Hanna ein Glöckchen. «Achtung, fertig, los», sagte Libsig, klingelte sein Glöckchen im Radio, und die Kinder auf dem Schlossbergplatz folgten seinem Beispiel. Ein paar Sekunden verzögert erleuchteten auch die rund 10'000 farbigen Lichter in der Stadt.

Mit dem «Liechterwecke» läutete die Stadt 2010 zum ersten Mal die Adventszeit und somit die wichtigste Einkaufssaison ein. Gemeinsam mit dem Handels- und Gewerbeverband City Com Baden und lokalen Künstlern entstand die Idee, mit einem Märchen die Kinder einzubeziehen. Die Geschichte vom Badener Licht entwarf die Badener Agentur Girod Gründisch. Die Badener Weihnachtsbeleuchtung stammt vom Lichtkünstler Willi Walter. Im Jahr 2014 wurde die Beleuchtung von Radio SRF sowohl von der Expertenjury als auch in der Publikumsabstimmung zur schönsten Weihnachtsbeleuchtung der Schweiz gekürt.

So schön war das Liechterwecke 2019:

Rund 1000 Kinder wecken gemeinsam das Badener Weihnachtslicht geweckt (November 2019)

Rund 1000 Kinder wecken gemeinsam das Badener Weihnachtslicht geweckt (November 2019)

Mit dem traditionellen Anlass wurde in Baden die Vorweihnachtszeit eingeläutet.

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