Das Gesicht des Römerquartiers könnte sich in den nächsten Jahrzehnten stark verändern. Heute ist das Geviert zwischen Parkstrasse, Dammstrasse und Bahngleisen eine kleine «verbotene Stadt»: Hier liegt der Hauptsitz des Stromkonzerns Axpo, der für die Öffentlichkeit bisher kaum zugänglich war. Wie das Quartier in Zukunft einmal aussehen soll, liegt jetzt in den Händen der Badenerinnen und Badener.

Die Stadt und die Axpo haben einen Entwurf für einen neuen Gestaltungsplan vorgelegt. Der Entwurf ist bei der Abteilung Planung und Bau im «Roten Turm» einsehbar. Bis zum 26. September läuft ein öffentliches Mitwirkungsverfahren, an dem sich jedermann mit Vorschlägen und Ideen für die Zukunft beteiligen kann.

Der Zweck des neuen Gestaltungsplans ist eine bauliche Verdichtung des Axpo-Areals unter Berücksichtigung des städtebaulichen und kulturhistorischen Kontexts. Das langfristige Ziel sei es, hier mehr Arbeitsplätze an einem Ort zu konzentrieren. Dafür sollen «gut gestaltete Neubauten» entstehen können sowie ein «parkartiger Freiraum von hoher Qualität». Nicht zuletzt soll die Neugestaltung des Areals der Durchlässigkeit für Fussgänger dienen.

Ein Campus in der Stadt

Jarl Olesen, Leiter der städtischen Abteilung Planung und Bau, sagt: «Wir begrüssen den Gestaltungsplan. Die Verdichtung, die Schaffung von Arbeitsplätzen und die Öffnung der Grünflächen nahe beim Kurpark sind gut für die Stadt.» Im Richtkonzept ist das höchste Gebäude in der Mitte der neuen Überbauung vorgesehen, nach aussen hin wird sie niedriger. Das sei auch gut für das Quartier, sagt Olesen.

Bisher habe die Nachbarschaft nicht mitreden können, dazu habe sie jetzt Gelegenheit. Die neue Anlage könnte eine Art Campus werden und soll durchgehend begrünt sein. «Was ebenfalls ein Gewinn für die Stadt ist, ist ein öffentlicher Fuss- und Veloweg den Bahngleisen entlang, von der Haselstrasse bis zu den Verenaäckern, die auch neu überbaut werden sollen», sagt Olesen weiter. Bisher gab es hier kein Durchkommen.

Im Kernbereich des Axpo-Areals soll drei Geschosse höher als bisher gebaut werden können. Sprich: Acht statt fünf Stockwerke. Dazu braucht es zwingend ein Gestaltungsplanverfahren, mit besonderer Rücksicht auf die schützenswerten Bauten in der Umgebung. Im städtebaulichen Richtkonzept von Meier Leder Architekten ist vorgesehen, die meisten bestehenden Gebäude abzureissen und durch fünf Neubauten zu ersetzen. Ihnen würden auch historische Häuser zum Opfer fallen.

Das mittlere Gebäude an der Dammstrasse wurde 1923 gebaut und ist die eigentliche Keimzelle des Stromkonzerns Axpo. Hier hatten die Nordostschweizerischen Kraftwerke (NOK), wie das Unternehmen früher hiess, ihren ersten Hauptsitz.

Kulturhistorisch empfindlich

Man suchte damals die Nähe zur Elektrizitätsgesellschaft Motor Columbus und der BBC, die sich auch an der Parkstrasse und im Haselfeld niedergelassen hatten. Bereits 1927 zogen die NOK einige Meter weiter in den repräsentativen Neubau an der Parkstrasse, in dem sich bis heute der Hauptsitz der Axpo befindet und der erhalten bleibt.

Um dem historisch gewachsenen und architektonisch wertvollen Quartier gerecht zu werden, liess die Axpo 2015 eine architektur- und kulturhistorische Analyse durchführen. Verfasst hat sie der Badener Historiker Fabian Furter. Es heisst darin: «Die Neubauten und die Freiräume haben mit ihrer Gestaltung zu einer homogenen Ensemblewirkung gemäss Richtkonzept beizutragen.» Furter schreibt, die heutige Situation überzeuge aus städtebaulicher Sicht trotz ausgezeichneter Einzelbauten nicht. Das Areal wirke «hermetisch und abweisend».

Bis hier tatsächlich gebaut wird, kann es aber noch Jahre oder Jahrzehnte dauern. Jarl Olesen erwartet eine Umsetzung etwa bis 2040. Axpo-Mediensprecher Tobias Kistner sagt: «Axpo hat keine konkreten Pläne und wird auch in den nächsten Jahren keine solchen haben.» Es gehe bei dem Gestaltungsplan lediglich darum, für die nächsten Jahrzehnte die planerischen Voraussetzungen für eine etwaige Stärkung des Standorts Baden zu schaffen.

Die Axpo habe zurzeit kein konkretes Bauprojekt. Vorschläge zum Entwurf können jetzt im Mitwirkungsverfahren von jeder interessierten Person schriftlich beim Stadtrat eingereicht werden. Jarl Olesen sagt dazu: «Wir sind gespannt auf das Mitwirken der Bevölkerung.»