Wer dringend eine Wohnung braucht, wird am schnellsten in Neuenhof, Untersiggenthal, Birr, Mülligen, Baldingen, Böbikon oder Kaiserstuhl fündig. Diese Gemeinden weisen in den Bezirken Baden, Brugg und Zurzach die höchsten Leerwohnungsanteile auf.

Während der Leerwohnungsbestand die Gesamtzahl der leeren Wohnungen angibt, zeigt die Leerwohnungsziffer den prozentualen Anteil am soeben vom Bundesamt für Statistik publizierten Wohnungsbestand. Der Unterschied zwischen den drei Bezirken ist jedoch deutlich. Badens Leerwohnungsziffer beträgt 0,87, im Bezirk Brugg ist es 1,33 und im Bezirk Zurzach 1,59. Die drei im Sog des Wirtschaftsraums Zürich stehenden Bezirke weisen damit Werte unter dem Durchschnitt des Kantons auf, der auf 1,68 kommt.

Menschen suchen Bahnanschluss

Die Nachfrage hängt sehr stark von der Lage eines Objektes ab. Dabei spielt die Qualität des öffentlichen Verkehrs eine wichtige Rolle. Davon profitiert das Limmattal, das von zwei S-Bahnen und dem Bahnhof Baden mit zahlreichen regionalen und nationalen Anschlüssen bedient wird.

Ähnlich sieht es im Raum Brugg-Windisch aus. Der Bahnhof Brugg ist ein bedeutender Eisenbahnknotenpunkt. Der intensive Wohnungsbau im Reusstal und am Rohrdorferberg ist zu einem grossen Teil auf die Eröffnung der S-Bahn-Haltestelle Mellingen Heitersberg zurückzuführen.

Einen ebenso starken Einfluss auf die Wohnbautätigkeit haben die Autobahnen, was wiederum im Limmattal sehr deutlich festzustellen ist.

Neuenhof ist die Gemeinde mit der höchsten Leerwohnungsziffer. Aber auch absolut gesehen liegt Neuenhof an der Spitze. Dies ist nach 2012 schon zum zweiten Mal der Fall. Von den 160 leeren Wohnungen befinden sich viele in Altbauten und davon wiederum in der Webermühle. Sie wird zurzeit saniert.

Im Gegensatz dazu befinden sich viele der leeren Wohnungen in Untersiggenthal in Neubauten. Am anderen Ende der Skala liegt Freienwil, mit einem Wert von Null. Das ist in der 388 Wohnungen zählenden Gemeinde seit Jahren der Fall. Einen sehr tiefen Wert, mit 0,18, weist Niederrohrdorf auf. Dies, obwohl in der Gemeinde in den letzten Jahren rund 100 Wohnungen gebaut wurden.

Überangebot in kleinen Dörfern

Der Durchschnittswert im Bezirk Zurzach beträgt 1,59. Es sind hier vor allem kleinere Gemeinden, die dazu beitragen. An der Spitze liegen Böbikon mit 8,11 Baldingen weist einen Wert von 7,34 auf. In Böbikon waren bei der Zählung 6 der 76 Wohnungen nicht bewohnt, in Baldingen 8 der 109 Wohnungen.

Ebenfalls sehr hohe Werte weisen Kaiserstuhl mit 7,83 sowie Leuggern und Mellikon auf. Leuggern fällt insofern auf, als sehr viele Einfamilienhäuser betroffen sind. Sehr geringe Werte weisen Unterendingen, Lengnau, Rümikon und Siglistorf auf.

Der Campus verleiht Dynamik

Windisch hat mit 0,59 einen geringen Wert. Dies, obwohl in der Gemeinde einige grosse Siedlungen gebaut werden. Ihre künftigen Wohnungen haben noch keinen Einfluss auf die Statistik, da sie noch nicht als Wohnungen zählen.

Spitzenreiter, mit 5,99 oder 104 leeren Wohnungen, ist Birr. Hier sind vor allem Wohnungen in grossen bestehenden Siedlungen weniger gefragt.

Die Stadt Brugg liegt mit 46 leeren Wohnungen an der zweiten Stelle. Sie machen aber nur 0,87 des Wohnungsbestandes auf.

Die drei im Fricktal liegenden Gemeinden Bözen, Effingen und Elfingen weisen keine leeren Wohnungen auf.

In der neuen Gemeinde Bözberg gibt es 694 Wohnungen, wovon nur 3 leer standen. Während der östliche Kantonsteil sich im Sog der Region Zürich entwickelt, wächst das Fricktal dank der Dynamik der Region Basel.

Die Entwicklung hat die Gemeinden zwischen Frick und dem Bözberg noch nicht erreicht. Die geringe Nachfrage wird durch die bescheidene Bautätigkeit gedeckt und führt nicht zu wesentlichen Leerständen.