Baden
Wirte befürchten happige Einbussen, falls Alstom Baden verlässt

Ein Wegzug von Alstom und ihren Mitarbeitern wäre auch negativ für das lokale Gewerbe. Mehrere Gastronomen sagen, dass sie einen Wegzug deutlich spüren würden. Weniger Auswirkungen für sich befürchten internationale Schulen.

Martin Rupf
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«Du Nord»-Wirtin Fatma Us: «Zieht Alstom weg, befürchte ich eine Umsatzeinbusse bis 40 Prozent.»

«Du Nord»-Wirtin Fatma Us: «Zieht Alstom weg, befürchte ich eine Umsatzeinbusse bis 40 Prozent.»

Martin Rupf

Montagmittag, Haselstrasse in Baden: emsiges Treiben; Hunderte von Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern treibt der Hunger in eine der vielen Lokale und Take-aways entlang der Strasse. Wie viele von ihnen bei der nah gelegenen Alstom arbeiten, kann nur erahnt werden.

Fakt ist: Sollten die Arbeitsplätze der rund 4000 Mitarbeiter des Industriekonzerns dereinst tatsächlich ins Ausland verlegt werden, hätte das negative Auswirkungen auf das Lokale Gewerbe – allen voran die Gastronomie.

Wenig erstaunlich äussern vor allem die Gastro-Betreiber an der Haselstrasse ihre Befürchtungen. «Wir leben vor allem am Mittag von den Alstom-Leuten», sagt Fatma «Fatos» Us, Wirtin des «Du Nord».

Einen Wegzug von Alstom würde das Restaurant sicher spüren. «Ich gehe von 30 bis 40 Prozent Umsatzeinbusse aus.» Auch Kusi Kumarasmy, Inhaber des indischen Restaurants Elanet, sagt: «Wir sind absolut auf die Alstom-Angestellten angewiesen.»

Besorgt ist auch der Wirt des «Bouillons» gleich um die Ecke: «Mitarbeiter von Alstom oder ABB sind für uns enorm wichtig», so Timon Suana. Er rechne über Mittag mit Umsatzeinbussen zwischen 20 und 30 Prozent, sollte es bei Alstom tatsächlich zum Exodus kommen.

Weniger Gäste wären auch im Fitnesspark Hamam Baden im Trafo die Folge: «Ich rechne damit, dass bei einem Wegzug unsere Gästezahl im dreistelligen Bereich abnehmen würde», sagt Geschäftsführer Gunther Kuster.

«Blue City»: Klumpenrisiko erkannt

Etwas weniger pessimistisch äussern sich Badener Hoteliers: «Klar sind auch wir auf die Grosskunden angewiesen», sagt Chris Klein von der Blue Management Gruppe, das an der Haselstrasse das Blue City Hotel betreibt. Aber man sei sich der gleichzeitigen Risiken solcher Grosskunden bewusst, weshalb man seit gut einem Jahr bewusst auch andere Kanäle erschlossen habe.

Klein: «Übernachtungen von Alstom-Angestellten sind heute schon rückläufig; aber klar: Ein Wegzug würde uns bestimmt schmerzen.»

Und auch der stellvertretende «Linde»-Direktor Hansruedi Hübscher sagt: «Dies hätte auf jeden Fall Auswirkungen auf unseren Hotelbetrieb.» Etwas optimistischer äussert sich Werner Eglin, Investor des Trafo 2, wo im Herbst auch ein neues Hotel eröffnen wird. «Klar hoffe ich für den Standort Baden, dass uns die Alstom-Arbeitsplätze erhalten bleiben.» Gleichzeitig ist Eglin überzeugt, dass die Nachfrage für die rund 80 Hotelzimmer im entstehenden Hotel unabhängig vom Alstom-Schicksal gegeben sei: «Mit dem Trafo 2 entsteht ein neues Kultur- und Kongresszentrum, das auch andere Gäste anzieht.»

Lehrlingsbetrieb zeigt sich besorgt

Direkt betroffen vom Ausgang des Alstom-Pokers wäre auch der Lehrlingsausbildner Libs - Industrielle Berufslehren Schweiz in Baden. «Als vertraglicher Lehrbetrieb bilden wir jedes Jahr an die 300 Lernende aus», sagt Libs-Geschäftsführer Ingo Fritschi.

Dabei sei Alstom eines der wichtigsten Mitglieder. Sollten die Alstom-Arbeitsplätze tatsächlich ins Ausland wandern, wäre das natürlich auch für Libs gravierend. «Noch nie musste eine Lehre aus wirtschaftlichen Gründen abgebrochen werden», sagt Fritschi stolz.

Sollte der schlechtmöglichste Fall eintreten, würde man bestimmt nach Lösungen suchen, damit die Lernenden ihre Lehre erfolgreich beenden könnten. Doch auch für Libs selber hätte ein Wegzug Folgen: «Klar, es würde uns sehr schmerzen, wenn wir mit Alstom eines unserer wichtigsten Mitglieder verlieren sollten», so Fritschi.

Keine Auswirkungen befürchtet man derweil bei der Zurich International School (Zis) in Baden. «Wir haben nie zu viele Schüler beziehungsweise Eltern von nur einer Firma. Wir können uns kein Klumpenrisiko leisten», erklärt Zis-Sprecherin Urte Sabelus.

Wie viele Zulieferer von einem Alstom-Wegzug betroffen wären, kann nicht gesagt werden. Sicher ist, dass auch Handwerker und Baugewerbe einen solchen zu spüren bekämen – und zwar indirekt. Der Grund: Weil die Stadt weniger Steuern einnimmt, wird auch weniger investiert beziehungsweise gebaut.

Apropos bauen: Was sagt die Immobilien-Branche zum Alstom-Thriller? «In Baden, wo die Nachfrage generell ziemlich hoch ist, würde sich ein Wegzug von Alstom wohl weniger auf den Markt auswirken, als etwas in Birr, wo Alstom ebenfalls einen Standort hat», sagt Pascal Roth, Inhaber der André Roth AG in Baden. Roth vermutet, dass im Falle eines Alstom-Wegzuges eher wieder Mietwohnungen in den oberen Preissegmenten frei würden.

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