Baden

Wo bleibt das Bekenntnis der Stadt Baden für ihre Bäder?

Eine Realisierung des Badener Bäderquartiers kommt nur schleppend voran. Jedes zusätzliche Jahr, in welchem das Bäderquartier weiter zerfällt, ist ein verlorenes Jahr. Eine Analyse über die Pläne eines neuen Thermalbades und eines Gesundheitshotels.

So titelten Zeitungen in den letzten Wochen über die schleppende Planung im Badener Bäderquartier. «Bäderprojekt: Es steckt der Wurm drin» (az), «In Baden wird vorerst getunkt, nicht gebadet» («Tages-Anzeiger») und «Baden noch lange nicht in Sicht» («NZZ»).

Für die Stadt Baden - die sich notabene ein eigenes Standortmarketing leistet - sind diese Schlagzeilen Gift.

Denn während andere Bäder in der Region wie Schinznach-Bad oder Bad Zurzach investieren und boomen, wird die Bäderstadt ihrem Namen seit der Schliessung des öffentlichen Thermalbades im Sommer 2012 nur noch bedingt gerecht. Immerhin gibt es noch einzelne private Häuser, die einen Teil der Quellen nutzen.

An einem neuen Bad wird schon lange geplant - man denke etwa an das 150-Millionen-Projekt «Riverfront» einer israelischen Investorengruppe in den 90er-Jahren, das nie Realität wurde. Als Bauherr Benno Zehnder die Verenahof AG 2006 übernahm, kam neuer Schwung in die Pläne.

Zwar blieb nicht alles, was Zehnder anpackte und aufgleiste, ohne Kritik. So wurden 2009 viele kritische Stimmen laut, als Stararchitekt Mario Botta als Sieger des Wettbewerbs auserkoren wurde.

Zehnder beteuert zwar bis heute, dass der Jury-Entscheid einstimmig ausgefallen sei. Doch irgendwie wird man den Eindruck nicht los, dass Mario Botta von Anfang an gesetzt war, da sich der Bauherr von dessen Namen (zu Recht) eine grosse Anziehungskraft erhofft.

Doch auch architektonisch eckte sein 153 Meter langes Bad an, wie es auf der oben abgebildeten Visualisierung zu sehen ist.

«Zu gross», «ein Riegel zur Limmat hin» oder «ein Fremdkörper» waren nur einige Kritikpunkte. Zwar ist Benno Zehnder sicher nicht der Allheilsbringer. Ihm dürfen aber viel Herzblut, Geduld und Durchhaltewillen attestiert werden.

Gründe, den Bettel hinzuschmeissen, hätte er genügend gehabt - wahrscheinlich hielten ihn nicht zuletzt die rund fünf Millionen Franken davon ab, die er bereits in die Projektplanung investiert hatte.

Natürlich sind auch heute noch nicht alle kritischen Fragen beantwortet. So ist insbesondere nicht ganz klar, wie die jährlich angestrebte Zahl von 500 000 Besuchern bewältigt werden soll; vor der Schliessung des Thermalbades waren es zwischen 150 000 und 170 000 Besucher.

Wenn Stadt und Bauherr auf den öV und die Nähe zum Bahnhof verweisen, mutet das naiv an. Familien - und gerade solche sollen den Weg ins neue Bad finden - fahren typischerweise mit dem Auto ins Thermalbad.

Dass die Planung zuletzt ins Stocken geraten ist, ist auf Differenzen zwischen Denkmalpflege und Bauherr beim «Verenahof»-Geviert zurückzuführen.

In den ehemaligen Hotels Verenahof, Ochsen und Bären sind ein Gesundheitshotel und eine Reha-Klinik geplant. Zehnder sagt, dass er diese nicht mehr rentabel betreiben könne, wenn er alle Auflagen der Denkmalpflege erfüllen müsse.

Das mag zutreffen, und doch sind denkmalpflegerische Aspekte an diesem geschichtsträchtigen Ort zu berücksichtigen.

Zehnder hat aber im Bäderquartier bei der Neugestaltung der «Bären»- und «Ochsen»-Dépendancen bereits bewiesen, dass er nicht einfach der trampelnde Geldesel ist, sondern durchaus Verständnis für die Historie des Bäderquartiers mitbringt.

Vor diesem Hintergrund ist die Denkmalpflege angehalten, Augenmass zu wahren. Ein «Ballenberg» im Bäderquartier bringt niemandem etwas - erhalten ja, aber bitteschön nur dort, wo es wirklich Sinn macht.

Bleibt als dritter Player in diesem Prozess die Stadt Baden. Von ihr hört man erstaunlich wenig - zu wenig. Im Gegenteil: Sie betont bei jeder Gelegenheit, dass die Federführung des Projekts beim Bauherrn (und seit Sommer 2012 auch bei der Credit Suisse als Investorin) liege.

Ansonsten begnügt sie sich zurzeit mit der Vermittlerrolle zwischen den einzelnen Parteien. Davon ausgenommen ist die Gestaltung des öffentlichen Raums rund um das geplante Bad - 3,5 Mio. Franken sind hierfür im Investitionsplan eingestellt.

Doch darüber hinaus vermisst man ein klares Bekenntnis der Stadt rund um Stadtammann Geri Müller für das geplante Thermalbad und die damit zusammenhängenden Projekte.

Vielmehr hat man den Eindruck, die Stadt nehme die Dinge so hin, wie sie gerade kommen.

Dass das Thermalbad aber möglichst bald realisiert werden soll und bei den Behörden absolut höchste Priorität geniesst - diesen Eindruck erhält man nicht.

Immerhin scheint die Vermittlerrolle insofern Früchte zu tragen, als mit dem Baugesuch noch 2014 gerechnet werden darf.

Jedes zusätzliche Jahr, in welchem das Bäderquartier weiter zerfällt, ist für Baden ein verlorenes Jahr. Die az-Wunschschlagzeile für Herbst 2017 lautet: «Endlich, Baden hat nach fünf Jahren wieder ein Thermalbad».

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