Die neue Ausstellung «Einheit in der Vielfalt» im Gluri-Suter-Huus in Wettingen präsentiert Arbeiten von 75 Künstlerinnen und Künstlern, die von heute bis ins Jahr 1910 zurückführen. Sämtliche der über 200 Exponate stammen aus der Privatsammlung eines im Aargau lebenden Ehepaars, das anonym bleiben möchte. Die Werke sollen für sich selber sprechen.

«Für einen Sammler ist es die grösste Freude, wenn er anderen Menschen eine Freude bereiten kann», meint Sepp Schmid, der in seinem Keller eine riesige Kollektion von Badener Erinnerungsstücken beherbergt. Er steht im Gluri-Suter-Huus vor einer Lithografie des Zürcher Konkreten Hans Jörg Glattfelder, auf der ein paar sparsam gesetzte Linien und Quadrate zu sehen sind. «Ein Werk wie dieses könnte ich ewig anschauen», schwärmt Schmid.

Dank des klaren Ausstellungskonzepts bieten sich den Besuchern verschiedene Einstiegsmöglichkeiten, um die einzigartige Sammlung zu ergründen. Das unterste Stockwerk ist vor allem den Aargauer Malern Werner Holenstein, Hans Rudolf Roth, Henri Ott und Martin Ruf sowie einigen polnischen Künstlern gewidmet. Atmosphärisch dichte Landschaftsbilder dominieren neben surrealen Werken. Besonders berührt eine Collage von echten, mit Farbe übersprayten Fischgräten und feinen Knöchelchen, die wie eine leckere Mahlzeit auf dem Teller angerichtet sind. Kreiert wurde sie vom Polen Jonasz Stern (†1988), der als KZ-Häftling ein Erschiessungs-Kommando überlebte. Ein paar Schritte weiter und die Besucher stehen vor den heiter-ironischen Fantasiewelten von Alex Sadkowsky. Zum Beispiel dem Wecker, der 14 Stunden hat. Für den 85-jährigen Workaholic sind die Tage nämlich viel zu kurz. Sadkowskys Schaffen wird in einer Einzelausstellung in der mittleren Etage gewürdigt.

Werke revolutionierten die Szene

Im Dachgeschoss geht es mit der Aargauer Privatsammlung weiter. Eine Art grafisches Kabinett erinnert an die expressionistische Kunst- und Kulturzeitschrift «Der Sturm», die vom Berliner Herwarth Walden zwischen 1910 und 1932 herausgegeben wurde. Der Verleger bot Künstlern wie Wassily Kandinsky oder Franz Marc damit ein Organ, worin sie ihre Holz- und Linolschnitte veröffentlichen konnten. Auffällig ist, dass in dieser Epoche des frühen 20. Jahrhunderts weibliche Kunstschaffende stark im Vormarsch waren.

Das Publikum hat die Gelegenheit, rare Exponate von Jacoba van Heemskerck, Gabriele Münter und Maria Uhden zu sehen, welche die Kunstszene allesamt revolutioniert haben. Die Holländerin Heemskerck galt als Star unter den Avantgardistinnen. Ein Holzschnitt von Uhden, die 1918 gerade mal 26-jährig am Kindbettfieber starb, erinnert stark an die graffitiartigen Malereien, mit denen Keith Haring rund 60 Jahre später von sich reden machte.

Konzept sorgfältig durchdacht

Der Übergang zum Raum der konkreten Kunst auf demselben Stockwerk ist fliessend gestaltet und zeugt vom sorgfältig durchdachten Ausstellungskonzept. In diesem Bereich dominieren nur noch strenge geometrische Figuren in satten Farben. Heinz Müller-Tosa hat auf ein hellblaues Quadrat minutiös genau 50 Teilstücke eines Kreises mit fünf Metern Durchmesser appliziert. Bei weiteren Bildern ist die Leinwand so gekrümmt, dass sie die gleiche Form wie die Kreisfragmente hat. Ebenfalls zu sehen sind Holzreliefs von Josef Briechle, eine rhythmisch geometrische Bildkomposition von Sophie Taeuber-Arp, ein abstrakter Bildteppich von Marlis Ott, Werke von Max Bill, Camille Graeser und vielen weiteren Kunstschaffenden.

Viele der ausgestellten Künstler waren Freunde des Sammler-Ehepaars, das sich seit Jahrzehnten stark in der nationalen und internationalen Kunstszene engagiert. Statt eines Honorars nahm es für seine Arbeit oftmals ein Bild als Dankesbezeugung entgegen.

«Einheit in der Vielfalt» Die neue Ausstellung kann noch bis zum 7. April im Gluri-Suter-Huus besichtigt werden. Am 24. März, um 11 Uhr, führt Galerieleiter Rudolf Velhagen durch die Ausstellung.