Spreitenbach
Wo die Franzosen plünderten, soll die Natur wieder gedeihen

Der Franzosenweiher und das alte Bad werden zu Kinderstuben für Amphibien umgestaltet.

Dieter Minder
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Noch trägt der Franzosenweiher eine dünne Eisschicht
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Weiher im Wilentäli
In diesem Bereich sind einige Tümpel geplant
Franzosenweiher in Spreitenbach
Einer der kleinen Weiher
Der oberste Weiher liegt direkt an der Kantonsgrenzen, die mit einem Markstein gekennzeichnet ist
Der vor 40 Jahren erstmals renaturierte Franzosenweiher
Auf dem eis des Franzosenweihers sind Enten unterwegs

Noch trägt der Franzosenweiher eine dünne Eisschicht

Alex Spichale

«Wir schaffen eine Naturoase, in der es auch Platz für Erholungsuchende hat», sagt Revier-Förster Peter Muntwyler. Deshalb bleiben die Waldwege und die Feuerstellen erhalten.

Momentan sieht es aber nicht nach unberührter Natur aus. Der ehemalige Badeweiher ist leer und am Damm arbeitet ein Bagger. «Mit Lehm wird die Betonmauer zusätzlich abgedichtet», erklärt Muntwyler.

Neben den bestehenden Weihern sollen einige Tümpel angelegt werden. Nicht alle sollen durch die Bäche gespeist werden. «Kleinere Tümpel werden immer wieder trocken fallen, was für die Artenvielfalt gut ist.»

Bereits vor rund 40 Jahren wurde der verlandete Franzosenweiher wiederhergestellt. «Die beiden Inseln sind ideale Lebensräume für kleine Tiere», sagt Muntwyler.

Fische fressen Amphibienlaich

Seit etwa 10 Jahren ist der Amphibienbestand zurückgegangen. Die Ursache dürfte auch bei den Fischen gelegen haben, die deren Laich gefressen haben. Bei einer Untersuchung im Jahre 2006 wurden Erdkröten, kleine Wasserfrösche, Geburtshelferkröten, Bergmolche und Feuersalamander gefunden.

«Eine Ornithologin hat den kleinen Schillerfalter entdeckt», sagt Muntwyler. Um die Situation zu verbessern, wurde ein Aufwertungskonzept erarbeitet, das nun umgesetzt wird. Aus dem alten Bad soll ein Laichgewässer werden.

IBAN 742: Eines von 879 Schutzobjekten

Um die gefährdeten Amphibien zu schützen, setzt der Bund 2001 das Inventar der Amphibienlaichgebiete von Nationaler Bedeutung (IBAN) in Kraft. Darin sind die wichtigsten Fortpflanzungsgebiete enthalten und der Auftrag an die Kantone, für deren Schutz und Unterhalt zu sorgen. Das Objekt 742 umfasst den Franzosenweiher und das Alte Bad in Spreitenbach. Das Areal ist insgesamt 7,5 Hektaren (ha) gross. Davon liegen 6,4 ha im Aargau und 1,1 ha im Kanton Zürich. Das IBAN umfasst aktuell 897 Objekte mit einer Gesamtfläche von knapp 13 900 ha. Die Mehrzahl liegt im Mittelland, 72% liegen unterhalb von 600 m ü. M. (DM)

Um den Fischen den Zugang zu erschweren, soll der Bach an diesem vorbei geleitet werden. Einzelne Bäume werden gefällt, um Platz für Laichgewässer zu schaffen und um dem Licht und damit der Wärme den Weg bis an den Boden zu öffnen.

Unterschlupf für Kleintiere

Deren Holz wird als Unterschlupf für Kleintiere aufgeschichtet. Wenn es die Witterung zu lässt, werden die Arbeiten in den nächsten Wochen beendet. «Die Kosten liegen zwischen 30'000 und 35'000 Franken», sagt Muntwyler.

Mönche durften selbst während der Fastenzeit Fische essen. Das Kloster Wettingen hat im Wilental eine Fischzucht betrieben. Noch heute sind die Dämme zu sehen, mit denen die Weiher aufgestaut wurden.

Als um 1800 die Franzosen die Schweiz besetzten, plünderten sie die Fischzucht. Aus jener Zeit stammt der Name Franzosenweiher. Fische gibt es immer noch. «Wir haben auch ortsfremde wie Koi oder Goldfische gefunden», sagt Muntwyler.

Ein Bad für die Spreitenbacher

Der unterste Weiher ist das Alte Bad von Spreitenbach. Als das Elektrizitätswerk der Stadt Zürich (EWZ) 1933 das Kraftwerk Wettingen baute, versank das Flussbad bei der Einmündung des Dorfbaches in der Limmat.

«Als Ersatz baute das EWZ das Bad im Wilental», sagt Muntwyler. Nachdem in den 60er-Jahren Freibäder eröffnet wurden, interessierte sich niemand mehr für das Waldbad. Es verlandete und wurde zum fast unberührten Lebensraum für Amphibien.