Baden
«Wo die Leute tanzen, bis es richtig warm wird»

Seit zwei Jahren erobern acht junge Musiker die Region mit Klezmer-, Gypsy- und Balkanklängen – am Freitag spielt die Band Pamplona Grup im Merkker Kulturlokal.

Tabea Baumgartner
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Ein Tanzfest vom Feinsten war die Vinylplattentaufe von Pamplona Grup in Zürich.

Ein Tanzfest vom Feinsten war die Vinylplattentaufe von Pamplona Grup in Zürich.

Tabea Baumgartner

Kater. Das Erwachen am Sonntagmorgen, wenn der eigene Puls verschoben zu schlagen scheint – als würde die Welt auf dem Kopf stehen, mit dem zauberhaften Schleier des Unfassbaren: So klingt das Stück von Pamplona Grup, das auf ihrer ersten Single zu hören ist. Es ist keine CD, welche die acht jungen Musiker aus der Region Baden Ende September in einer Estrichstube in Zürich präsentierten, sondern eine Vinyl-Singleplatte in Buchdruckcover. Unterstützt wurde das Projekt vom «Kulturdünger», einem Kulturförderungsprogramm des Kantons Aargau.

Zwei Wochen später beim Proben im Oederlin-Areal in Rieden bei Baden: Der Posaunist Bendo (Benedikt Fischer) gibt die ersten Takte eines neuen Stückes zum Besten. Mario Strebel setzt am Akkordeon ein – Klarinettist Fabian Mösch und Geiger Dominik Meyer unterstützen den ungewohnten Rhythmus mit der Kopfbewegung eines tanzenden Schwanes. Der Trompeter Matthias Manser verpasst seinen Einsatz – er ist an diesem Abend anderweitig musikalisch engagiert. Ein Blick vom Perkussionisten Lukas Briner, Komponist dieses Stückes, zum Gitarristen Claude Stucki und Kontrabassisten Christoph Küng, ein Nicken – zu dritt setzen sie ein und entlassen das noch namenlose Lied vom Notenblatt ins wahre Leben. Spätestens jetzt würde das Publikum wild lostanzen.

Das sind die schönsten Momente

Kurz nach Ende der Probe der «Pamplöner»: Die Backen der Jungs glühen noch. Auf dem hölzernen Tisch stehen kühle Falkenbräu-Bierflaschen. Die Industriefenster sind sperrangelweit offen. Draussen rauscht die Limmat. Hier im Oederlin-Areal proben sie jeweils am Sonntagabend seit Beginn ihrer Bandgeschichte. Hier seien die Jungs einquartiert, wie sie selbst sagen. Die erste Zigarette wird angezündet. Zu fragen, warum sie seit zwei Jahren zusammen musizieren und «Gigs» spielen, scheint überflüssig. Es ist das gemeinsame Unterwegssein, das ihnen viel gebe. Oder Konzerte zu spielen, wo die Leute «von vorne bis hinten tanzen, bis es richtig warm wird», sagt Fabian Mösch. Das seien die schönsten Momente.

Die acht jungen Musiker erleben aber nicht nur musikalische Höhepunkte, sondern gelangen auch in geografische Höhenlagen: Mit einem Büssli reiste die Pamplona Grup über den Julier- und Malojapass und spielte an einer privaten Hochzeit. Die meisten Konzerte gibt die Badener Band jedoch im und rund um den Aargau, wo fünf von ihnen aufgewachsen sind – so am kommenden Freitag im Merkker Kulturlokal in Baden. Sie nennen es «Klezmer-Gypsy-Balkan», was sie produzieren. Die Gypsy-Gitarre hat es Claude Stucki aus Nussbaumen angetan – der Einfluss Django Reinhardts, der als Begründer des europäischen Jazz gilt, ist in seinen Solis nicht zu überhören. Der Akkordeonist Mario Strebel sagt: «Mein Instrument ist für diese Szene geschaffen.» Und Fabian Mösch aus Windisch schätzt den musikalischen Freiraum, den er hier im Vergleich zur klassischen Musik geniesst. Eine Mehrheit der Jungs studiert an verschiedenen Musikhochschulen. Viele Stücke sind der Feder des Geigers entsprungen – Dominik Meyer ist in Muri aufgewachsen und arbeitet als Geigenbauer. Er schreibe nicht zu einem bestimmten Thema. Zuerst entstehe die Musik und diese würde schliesslich ihre eigene Geschichte erzählen. So fand auch der «Kater» den Weg ins Song-Repertoire.

Eine Hommage ans wilde Leben

Zurück zur Single-Taufe: Während die Jungs den Song «Chlapf» spielen, kann kaum einer still stehen. Der Holzboden des alten Hauses am Rennweg in Zürich bebt – jeder Tanzschritt ist eine Hommage an dieses wilde, junge Leben, das keine Geländer und viel Lebenslust kennt. Es ist Musik, die Konventionen gekonnt vernachlässigt und das Unerwartete erst ermöglicht. Musik, die des authentischen Ausdruckes ermutigt und jeder verklemmten Hemmung den Garaus macht. Pamplona Grup fordern mit ihren Instrumenten den Tanz heraus, bis der Schweiss auf der Stirn perlt; bis die Haarfrisuren der Tanzenden steil stehen; bis die Rosshaare vom Geigenbogen fliegen. Was für eine Sause.

Konzert: Freitag, 24. Oktober, 20.30 Uhr im Merkker Kulturlokal in Baden. Mehr Infos unter www.pamplonagrup.ch.