Baden
Wo einst das Schützenhaus stand: Das erzählen Strassennamen über die Stadtgeschichte

Was verbirgt sich hinter den alten Bezeichnungen von Strassen, Gassen, Wegen und Plätzen? Wir haben es für Sie herausgefunden und stellen Ihnen den Theaterplatz, die Ziegelhaustrasse, die Oelrainstrasse und den Klausnerweg vor.

Franz Streif
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Was sich hinter den Badener Strassennamen verbirgt
    
      

    

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Theaterplatz

Was sich hinter den Badener Strassennamen verbirgt

Was sich hinter den Badener Strassennamen verbirgt

Historisches Museum Baden, Fotohaus Zipser

Mit dem Bau des Parkhauses erhielt dieser historische Ort mitten in der Stadt wieder das zurück, was einen Platz ausmacht – auch wenn sich die Geister scheiden, was die Gestaltung anbetrifft. Jahrzehntelang herrschte vorher reger Verkehr, und auf dem Platz wurde parkiert. Ab 1560 stand hier ein Schützenhaus. Geschossen wurde auf die andere Seite der Limmat. Die Zielscheiben standen am Fusse des Felsens beim Landvogteischloss.

1674 wurde das Schützenhaus als Gesellschaftshaus mit einem Theatersaal neu gebaut. Der Schiessstand wurde unweit davon am Abhang des Oelrains eingerichtet. Damit hatte Baden das älteste, regelmässig bespielte Theatergebäude der Schweiz erhalten. Während der Friedensverhandlungen im Jahre 1714 traten täglich Schauspieler auf, und Graf Du Luc feierte rauschende Feste. Nach einem Brand wurde das Haus 1833 unter Einbezug des alten Gebäudes neu errichtet.

In diesem Theater spielte man bis zum Jahre 1908. Dann wurde das Haus wegen Feuergefahr und Baufälligkeit geschlossen. Verschiedene Renovationsprojekte scheiterten. Nach einigen Nebennutzungen beschloss die Einwohnergemeinde im Herbst 1928 mit 782 zu 170 Stimmen den Abbruch des Theaters. Das Bild rechts zeigt es im Winter 1928. Abbruch-Honegger aus Zürich besorgte den Auftrag für 2500 Franken. Nach dem 1. März 1929 war der Theaterplatz frei.

Ziegelhau

    

   

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Im Waldstück oberhalb des Dättwiler Weihers wurde über Jahrhunderte hinweg Holz für die Ziegeleien von Baden geschlagen. Eine Ziegelhütte stand dort, wo später die Fuhrhalterei Heimgartner an der Mellingerstrasse ihr Transportgeschäft betrieb. 1493 wurden hier die einfachen Dachziegel für die Pfarrkirche in Baden gebrannt. Die bunten Ziegel für den «Chrälleliturm» lieferte damals ein dafür spezialisierter Fachmann im zürcherischen Buchs. Der Pächter war um 1815 verpflichtet, alle Jahre sechs Brände einzusetzen und jedes Mal wenigstens 14'000 Ziegel zu brennen. Dafür stellte ihm die Stadt jeweils 6 Klafter (48 Kubikmeter) Holz zur Verfügung.

Der grosse Bedarf an Baumaterial bewog die Stadt etwas später, eine zweite Ziegelhütte zu betreiben. Sie stand an der äusseren Kehlstrasse unterhalb des heutigen Alterszentrums. Das 1960 abgebrochene Bauernhaus der Familie Peterhans kam im April 1943 zu besonderer Bekanntheit. Ein von der deutschen Luftwaffe beschädigter Wellington-Bomber stürzte in der Gegend von Birmenstorf ab.

Die fünf Besatzungsmitglieder sprangen rechtzeitig ab. Ein junger Engländer landete mit seinem Fallschirm auf dem Dach der Ziegelhütte, wo ihn der Bauer Peterhans in Empfang nehmen konnte. Nach einem währschaften Frühstück wurde der Fliegersoldat dem Internierungskommando übergeben.

Oelrainstrasse

      

     

Walter Schwager/AZ-Archiv

Die oft befahrene, kaum begangene Oelrainstrasse, heute Zufahrtstrasse zu den Parkhäusern im Bahnhof, zur Migros und zum Parkhaus Theaterplatz, führt ab dem Kreisel beim Stadtcasino bis zum Theaterplatz. Ihren Namen hat sie nicht etwa vom Öl, das Autos im regen Verkehr verlieren könnten. Vielmehr stammt er vom Haus Nr. 29, genannt «Haus zum Schwert» (Bild), wo bis 1790 die Öltrotte der Stadt Baden gestanden hatte. Hier wurden Baumnüsse, Haselnüsse, Bucheckern und Leinsamen zu Öl gepresst.

Die Liegenschaft umfasste bis ins Haselfeld reichendes Ackerland, einen Rebberg oberhalb der heutigen Promenade, ein Waschhaus am Fluss und die Fischenz in der Limmat. Unterlandvogt Caspar Joseph Baldinger ersteigerte das Anwesen mit der Öltrotte im März 1788 für 5250 Gulden. Sein Schwiegersohn Caspar Joseph Müller von Muri liess die Trotte abreissen und baute 1790 das heute noch bestehende «Haus zum Schwert», wo zu seinen Anfängen das Schweizer Kindermuseum domiziliert war.

Klausnerweg

     

    

AF.

Dieser kurze Weg im Kappelerhof hat seinen Namen von einer längst verschwundenen Einsiedelei. Der Schriftsteller David Hess beschreibt deren Bewohner in seinem Buch «Badenfahrt» von 1817 wie folgt: «Ein Waldbruder, der, ohne Ordensgeistlicher zu sein, den Habit trug und vermöge eines Handgelübdes zu gewissen Andachtsübungen, zu Armut und Keuschheit verpflichtet war. Er besorgte dem Wanderer Kaffee und Wein und man fühlte sich behaglich vom Weltgetümmel entfernt.»

Bei einem späteren Besuch fand Hess die Klause verschlossen und den angrenzenden Garten verwildert. Er erfuhr dann, der Waldbruder sei ein Scheinheiliger gewesen, der nicht nur seine Zelle durch verliebte Paare habe entweihen lassen, er selbst sei in einem verbotenen Verhältnis mit einer liederlichen Dirne gestanden. Die Geistlichkeit habe ihn eingezogen und nach Konstanz geführt. Dort habe er die Jungfrau küssen müssen.

Eine sonderbare Strafe: Die Jungfrau küssen, für ein liederliches Leben! Die Eiserne Jungfrau war ein Marterinstrument. Ein metallener oder hölzerner Hohlkörper, meist in Frauengestalt, der mit nach innen stehenden Nägeln gespickt war, in den der Malefikant gesperrt wurde und so elendiglich zu Tode kam.